Erste Hilfe bei Kindern

Viele Unfälle lassen sich verhindern. Wie Eltern gefährliche Situationen erkennen und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen es braucht, wenn doch einmal etwas passiert, erklären unser Experte

von Barbara Weichs, aktualisiert am 26.11.2018
Skateboard

Gefahren für das Kind, sich zu verletzen, lauern überall


Die Angst kommt mit der Geburt. Die Angst, dass dem Kind etwas passiert, es einen Unfall hat, sich schwer verletzt oder sogar stirbt. Dr. Florian Hoffmann, Oberarzt an der Dr. von Haunerschen Kinderklinik in München und Vater von zwei Söhnen, kennt diese Angst auch. Der Kinder- und Jugendarzt, der seit 13 Jahren zudem als Kindernotarzt im Einsatz ist, kann aber beruhigen: "Kinder kommen äußerst selten in lebensbedrohliche Situationen." Das meiste, was ihnen zustößt, sei tatsächlich harmlos. Mütter und Väter könnten gut damit umgehen. Außerdem, so ergänzt Hoffmann, seien Kinder sehr zäh. "Sie halten viel aus."

Kinder auf gefährliche Situationen vorbereiten

Was der Mediziner aber Eltern vor allem ans Herz legt: Sie selbst können ganz viel tun, um ihren Nachwuchs vor gefährlichen Situationen zu schützen. Natürlich heißt das nicht, dass die Kleinen nicht aus den Augen gelassen werden dürfen. Sie brauchen die Möglichkeit, sich auszutoben und auszuprobieren – auch mal ohne Aufsicht. "Nur so lernen sie, Gefahren und Risiken einzuschätzen und Verantwortung zu übernehmen", erklärt Florian Hoffmann. Allerdings kommt es dabei auf ein sicheres Umfeld an. "Eltern sind hier in der Pflicht."

So sollten Eltern im Notfall reagieren

Verletzt sich ein Kind, sollten Erwachsene erst einmal eins machen: ruhig bleiben. Denn Panik überträgt sich auf die Kleinen. Trösten und beruhigen heißt es nun und vielleicht ein kurzes Filmchen auf dem Smartphone anschauen. Das lenkt ab und lässt den Schmerz schneller vergessen. Brauchen Eltern Hilfe, um das Kleine zu versorgen, kommt es darauf an, wie schlimm die Verletzung ist und wann sich der Unfall ereignet hat.
"Tagsüber ist der erste Ansprechpartner der Kinderarzt, wenn es sich nicht um eine lebensbedrohliche Situation handelt", sagt der Mediziner.

Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Eltern über die bundesweite Telefonnummer 116 117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassen­ärztlichen Vereinigung. Hier können sie um Rat fragen, wenn sie unsicher sind, ob sie in die Notaufnahme einer Klinik fahren sollen. Außerdem erfahren sie, wo die nächste offene Bereitschaftspraxis ist. Gerade in großen Städten müssen Eltern mit langen Wartezeiten in einer Notaufnahme rechnen – wenn ihr Anliegen nicht ernst ist. Denn: "Patienten werden nach Dringlichkeit drangenommen."

Bei einer lebensbedrohlichen Situation wählen Eltern die 112 für den Rettungsdienst und Notarzt. Auch wer zweifelt, ob dies wirklich notwendig ist, sollte das tun. Denn die Rettungsleitstelle entscheidet, ob sie einen Wagen losschickt. Kosten fallen dafür nicht an. Auch wenn der Notarzt quasi umsonst kommt, weil es dem Kind inzwischen besser geht, müssen Eltern nicht für den Einsatz bezahlen. "Ist ein Kind bewusstlos und muss es wiederbelebt werden, gibt die Leitstelle genaue Anweisungen, wie Herzdruckmassage und Beatmung zu machen sind", sagt Florian Hoffmann. Große Bitte an alle Eltern und Aufsichtspersonen: die eigenen Kenntnisse in Erster Hilfe in einem speziellen Kurs für Babys und Kinder auffrischen.

Für den Notfall alles bereit

Für einen gut ausgerüsteten Verbandkasten:

  • elastische Mullbinden sowie sterile Wundkompressen und Verbandpäckchen, jeweils in verschiedenen Größen
  • Verbandtuch
  • eine Rolle Heftpflaster und eine Packung Pflasterstrips
  • Einmalhandschuhe (Größe M und L)
  • Verbandschere, Dreiecktuch, Rettungsdecke
  • Kalt-/Warmkompresse (im Kühlschrank lagern)

Für den Medikamentenschrank:

  • Schmerzmittel und Fieberzäpfchen
  • Mittel gegen Insektenstich, Sonnenbrand
  • Hustensaft, Nasentropfen oder -spray
  • Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und Durchfall
  • Wund- und Heilsalbe

Wichtig:

Bewahren Sie den Verbandkasten unabhängig auf (etwa im Flur, wo auch Kinder herankommen) und tauschen Sie abgelaufenes Material aus.


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