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Kinder: Das fördert ihre Kreativität

Beim Malen, Basteln und Bauen leben Kinder ihre Fantasie aus – und lernen dabei für die Zukunft. Warum kindliche Kreativität so einmalig ist und wie Eltern sie unterstützen können


Einfach, aber spannend: Simple Spiele regen die kindliche Kreativität am meisten an

Was sind die kreativsten Spielzeuge für Kinder? ­Die, die sie mit ihren Händen bearbeiten, verändern, gestalten können. Das können auch ein Pappkarton, Papier und Farben sein. Oder sammeln Sie mit Ihrem Kind Steine, Stöckchen und Blätter.

Und für Ihr Baby? Das darf einfach mal mit seinem Brei matschen und schmieren, ohne dass Sie mit der elterlichen Vernunft einschreiten. „Kindliches Schmieren ist ein fundamentaler, erster bildnerischer Akt“, sagt Georg Peez, Professor für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Man könnte auch sagen: Es ist das erste wichtige Zeichen von Kreativität.


Audio: Baby-und-Familie-Chefredakteurin Stefanie Becker über Kreativität bei Kindern

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Etwas Neues schaffen

Kinder müssen nicht erst lernen, kreativ zu sein. Sie sind es ganz aus sich selbst heraus. Denn sie sind von Natur aus offen, flexibel und neugierig. „Kinder entwickeln oft ausgefallene Ideen, weil sie vieles noch nicht wissen und noch nicht an gesellschaftliche Konventionen gebunden sind“, erklärt Georg Peez.


Mit ihren Ideen schaffen sie ständig Neues: Sie funktionieren Pappkartons zum Zug um oder bauen aus Steinen ein Indianerdorf. Wenn Kinder basteln, malen und bauen, wissen sie oft anfangs noch nicht, wie das Ergebnis aussehen soll – und darauf kommt es auch gar nicht an.

„Es geht darum, dass Kinder eigene, kreative Ideen entwickeln und diese ausprobieren“, erklärt Monika Päßler, Diplom-Pädagogin und Leiterin der CheMida – Haus der Kreativität in Chemnitz. „Der Prozess des Schaffens ist das Entscheidende.“


Mit allen Sinnen erfahren

Gerade Kleinkinder interessiert das Produkt ihrer Tätigkeit wenig, sie sind selbstvergessen bei der ­Sache. „Je jünger Kinder sind, desto eher müssen sie erst die verschiedenen Materialien kennenlernen“, sagt Brigitte Wilmes-Mielenhausen, Diplom-Pädagogin, Erzieherin und Autorin aus Dransfeld bei Göttingen. Einen Pappkarton etwa untersuchen die Kleinen mit allen Sinnen: Sie fühlen ihn mit den Händen, schnuppern und schmecken daran und tes­ten, wie es sich anhört, wenn man hineinruft.


Drei- und Vierjährige hingegen entwickeln schon eigene Ideen und probieren diese aus: Sie setzen oder legen sich etwa in den Karton und stellen sich vor, dass es ein Zug oder fliegender Teppich ist und sie mit ihrem Gefährt durch die Wohnung fahren oder fliegen können. Vorschulkinder gestalten ihr Fantasieprodukt so aus, dass es wirklich wie eines aussieht. Sie bemalen oder bekleben den Karton. Oder sie nutzen ihn als Grundlage, um etwas Neues daraus herzustellen.

Kreativ für die Zukunft

Eltern erleben jeden Tag, welches besondere kreative Potenzial Kinder haben. Dabei reicht die Fantasie der Kleinen weit über Malen und Basteln hinaus. Auch beim Sprechen, Singen oder Bewegen sind sie erfinderisch. Sie versuchen, die Treppe im Vierfüßlergang hinunterzukrabbeln oder entdecken einen neuen Weg, wie man Bausteine aufeinandertürmt.


Die kindliche Kreativität, da sind sich alle Experten einig, „sollte unbedingt gefördert werden“. Denn wenn Kleine eigene Ideen einbringen, entwickeln sie Selbstwertgefühl. „Kinder spüren, wenn sie selber etwas vollbracht haben, und das stärkt ihre Identität“, erklärt Georg Peez.

Von ihrem kreativen Tun profitieren Kinder ein Leben lang. So zeigen mehrere Studien, dass Kleine durch basteln, malen und werken nicht nur kreativer werden, sie können sich auch sprachlich besser ausdrücken, haben ein größeres mathematisches Verständnis und bewältigen Probleme eigenständiger. Zudem lösen kreative Erfolgserlebnisse bei Kindern Glücksgefühle aus – und motivieren, weiter zu lernen.

Richtig fördern

Wie können Eltern die Kreativität ihrer Kleinen unterstützen? Was brauchen Kinder wirklich? Die Antworten unserer Experten:

1. Viel Freiraum
Erst in die Kita, dann zum Singtreff und später zur Turnstunde – der Terminplan der Kinder von heute ist vollgepackt. Zu voll, sagen die Pädagogen und plädieren für mehr Nichtstun und Langeweile. „Nur durch Freiräume entsteht Platz für Kreativität. Kinder brauchen Zeit, um sich inspirieren zu lassen“, erklärt Brigitte Wilmes-Mielenhausen. ­Außerdem sollten ­Kinder ungestört werkeln dürfen. Denn dann geraten sie in einen Zustand tiefer Konzen­tration, in dem neue Gedanken entstehen können.

Kinder benötigen ­geeignete Räume, die sie kreativ werden lassen. In vielen Kitas gibt es deshalb kleine Ateliers. „Dort können Kinder Erfahrungen mit verschiedenen Materialien machen“, sagt Erzieherin Wilmes-Mielenhausen. Zu Hause ist eine Experimentier-Ecke ideal, in der man auch mal mit Farbe spritzen darf. Und wichtig ist, dass Kinder viel Zeit im Freien verbringen, im Sand und mit Wasser matschen und dabei die Natur entdecken dürfen.

2. Geeignetes Material
Fantasievolles Spielen funktioniert nur, wenn die Materialien auch dazu einladen. „Technisches Spielzeug ist weniger geeignet, denn es lässt nur eine schmale ­Bandbreite von Anwendungsmöglichkeiten zu“, so Brigitte Wilmes-Mielenhausen. Besser sind einfache Spielzeuge wie Bausteine, Puppen und Fahrzeuge, weil Kinder viel hinein­interpretieren können.„Je unfertiger die ­Dinge sind, desto ansprechender sind sie für Kinder“, sagt Monika Päßler. Denn die Kleinen können damit mehr experimentieren. Eine gute Fundgrube für Kreativ-Spielzeug ist deshalb die Natur. ­Diese Materialien regen die kindliche Fantasie besonders an. So kann ein Stöckchen mal eine Hexe, ein Schwert oder ein Haus sein. Aber auch Ausrangiertes wie ­leere Joghurtbecher und Schachteln sind spannend.

Damit Kinder selbst kreativ werden, müssen sie das Material ohne Anleitung nutzen können (Einjährige schaffen es noch nicht mit Stiften zu malen, aber mit Fingerfarben) und das wählen dürfen, was sie interessiert. So wie in der CheMida – dem Haus der Kreativität. In den offenen Regalen stehen Kisten, gefüllt mit Stoffen, Dosen, Deckeln, Plastikrohren, alles Ausschuss von ortsansässigen Betrieben. Monika Päßler nennt es aber „Schatzkammer“. Denn sie erlebt jeden Tag, wie diese unfertigen Gegenstände Kinder stundenlang zu kreativem Basteln und Fragenstellen anregen.

3. Gelassene Eltern
Mütter und Väter wollen ihr Kind aktiv unterstützen, doch ihre Aufgabe ist vielmehr: Zurückhaltung üben und der Versuchung widerstehen, zu helfen. „Kinder sollten so viel wie möglich selbst machen“, sagt Brigitte Wilmes-Mielenhausen.

Gerade beim Malen machen Eltern oft Korrekturvorschläge, um das Bild „schöner“ zu ge­stalten. „Eine Kinderzeichnung hat aber nicht die Funktion, schön zu sein. Das Kind will im Zeichnen Klärungen und Sinnzeichen für das finden, was es beschäftigt“, sagt Georg Peez. Deshalb ist es viel wichtiger, dass Eltern ihr Kind aufmerksam beobachten und ihm gut zuhören.

Kinder produzieren immer wieder Ungewöhnliches. Diesen Ideenreichtum sollten Eltern zulassen und anerkennen. „Das Vernünftige lernen Kinder sowieso“, so der Kunstpädagoge. „Sie brauchen Eltern, die ihnen die Chance geben, aus der Norm zu fallen, und die das Originelle wertschätzen.“

4. Andere Kinder
Je älter der Nachwuchs wird, desto wichtiger werden andere Kinder. Beim gemeinsamen Bauen eines Baumhauses etwa oder beim Experimentieren mit Farbe tauschen sie sich viel freier aus als mit Erwachsenen. „In der Gruppe entfaltet sich eine ganz besondere Kreativität“, sagt Monika Päßler. „Die Kleinen gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise.“ Dabei sind sie nicht so zielgerichtet wie Erwachsene, sondern lassen sich vom Material und ihren Ideen treiben. Das Spielen und Werkeln mit Freunden gibt ihnen die Gelegenheit, in andere Rollen zu schlüpfen und verrückte Dinge auszuprobieren.




Bildnachweis: Thinkstock/iStock

Peggy Elfmann / Baby und Familie; aktualisiert am 04.06.2014, erstellt am 04.06.2012
Bildnachweis: Thinkstock/iStock

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