Wie gefährlich ist COVID-19 für mein Kind?

SARS-CoV-2, das neuartige Coronavirus, macht auch vor den Kleinen nicht halt. Allerdings haben Kinder meist eher leichte Symptome und einen milden Krankheitsverlauf. Was Eltern trotzdem wissen sollten

von Stephanie Arndt, aktualisiert am 19.02.2021

Laut Robert-Koch-Institut waren bis 15. Februar 2021 in Deutschland pro 100.000 Einwohner insgesamt etwa 2070 Kinder unter fünf Jahren erkrankt, 3400 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren. Zum Vergleich: In der Altersgruppe über 80 Jahre waren es rund 8000. "Glücklicherweise sind die Verläufe und Symptome bei Kindern überwiegend mild. Nach wie vor müssen nur wenige von ihnen stationär aufgenommen oder sogar intensiv-medizinisch versorgt werden. Das gilt auch für die neuen Corona-Mutationen. Bisher haben wir keinen gesicherten Hinweis, dass Kinder durch die Mutanten gefährdeter sind", beruhigt Prof. Dr. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Laut der aktuellen Datenerhebung der DGPI waren bisher 1056 Kinder wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus, 93 Prozent davon wurden bereits wieder entlassen.

Symptome ähneln einem grippalen Infekt

Husten und Fieber zählen zu den häufigsten Beschwerden bei Kindern, auch Durchfälle beobachten Mediziner. Da es derzeit weder eine Impfung gegen SARS-CoV-2 für Kinder gibt noch spezielle Medikamente, werden sie so behandelt, dass die Symptome so gut wie möglich gelindert werden. "Je nach Schwere dauert die Erkrankung zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen", so Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie am Dr. von Haunerschen Kinderhospital am Klinikum der Universität München. Er geht von drei Faktoren aus, die die leichten Verläufe erklären:

  • Erstens: Die Kinder sind generell gesünder und leiden weniger unter Grunderkrankungen.
  • Zweitens: Möglicherweise ist ihr Immunsystem besser gewappnet, weil es häufiger mit Infekten zu kämpfen hat und sich eventuell schon vermehrt Antikörper oder sogar Kreuz-Immunitäten gebildet haben. 
  • Drittens: Es könnte sein, dass ein bestimmter Andock-Punkt für Viren bei ihnen noch nicht so stark ausgeprägt ist.

Allergie, Grippe, Erkältung oder COVID-19 – was hat mein Kind?

  Allergie/Asthma Influenza-Grippe viraler Infekt (Erkältung) COVID-19 
Halsschmerzen selten möglich fast immer fast immer
Husten (trocken) häufig fast immer selten fast immer
Abgeschlagenheit möglich fast immer möglich fast immer
Durchfall nein möglich nein fast immer
Fieber nein häufig selten fast immer
Riechverlust möglich möglich möglich häufig
Atemnot häufig möglich selten häufig
Gliederschmerzen nein fast immer häufig möglich
Kopfschmerzen selten häufig möglich möglich
Husten (produktiv) selten häufig häufig selten
Schnupfen fast immer selten fast immer selten
Niesreiz fast immer selten fast immer selten
Augenjucken/-irritation fast immer selten möglich selten
Giemende Atmung häufig möglich selten

nein

 

Bitte beachten: Die Tabelle ersetzt nicht die Untersuchung durch einen Arzt und dient keinesfalls der Selbstdiagnose.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet – noch

Das Alter der Kinder spielt laut Robert Koch-Institut (RKI) eine entscheidende Rolle. Im Epidemiologischen Bulletin vom 14. Januar 2021 (Seite 42) erklärt das RKI, dass nach Einschätzung der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) Kinder und Jugendliche weniger oft nach einer SARS-CoV-2-Infektion erkranken als Erwachsene. Außerdem würden jüngere Kinder unter 14 Jahren das Virus auch seltener auf anderen Personen übertragen als Erwachsene. "Dafür sind vermutlich besagte Antikörper und Kreuz-Immunitäten verantwortlich, die Kinder besser schützen", sagt Kinder- und Jugendarzt Hübner, der auch Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie ist. Bei der Frage, warum es vereinzelt zu Todesfällen von Kindern kam, wünscht sich der Experte mehr Zeit und seriöse Aufklärung: "Oft sind die Hintergründe nicht lückenlos aufgeklärt, etwa ob das Kind eine Grunderkrankung hatte."

Therapien und Medikation fortsetzen

Doch was können Eltern tun, wenn ihr Kind chronisch krank ist – etwa Asthma, Allergien oder gar Krebs hat? Dann rät die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V., die Therapie und Medikation weitgehend unverändert beizubehalten. Dies gelte für alle Krankheitsbilder – unter anderem, um eine Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern. Denn dies könnte wiederum einen Arztbesuch nach sich ziehen – und somit das Infektionsrisiko erhöhen. Dr. Stefan Schwarz, Kinder- und Jugendarzt mit Spezialisierung für Asthmaerkrankungen in Neudrossenfeld pflichtet den Empfehlungen bei: "Ich habe bisher keine Erfahrung gemacht, dass die bei uns betreuten chronisch kranken Kinder häufiger an Covid-19 erkrankt wären oder unter schweren Verläufen gelitten hätten. Aber bei Grunderkrankungen eine gewisse Vorsicht walten zu lassen, würde ich dennoch klar empfehlen."

Vor dem Arztbesuch anrufen

Er appelliert an Eltern, bei einem Verdacht oder einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 vorher in der Praxis anzurufen. "Bitte kommen Sie nicht unangemeldet. Wir möchten die komplette Schutzausrüstung nur anziehen, wenn es tatsächlich notwendig ist." Am Telefon wird Eltern erklärt, wie sie empfangen werden. So können sie ihren Nachwuchs auf den ungewohnten Anblick vorbereiten. "Die Kinder reagieren deutlich entspannter, als ich befürchtet habe. Ich sage ihnen gleich zu Anfang, dass ich mich ein bisschen verkleidet habe. Das akzeptieren die meisten und sind nicht verschreckt", erzählt Schwarz.

Im Akutfall ruhig bleiben

Und wenn das Kind wirklich an Covid-19 erkrankt ist? Wie sieht es mit den bekannten Hygieneregeln aus und müssen die Kinder daheim von den Eltern mit Mund-Nasen-Bedeckung und Gummihandschuhen versorgt werden? Schwarz: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann die ganze Familie bereits infiziert hat, ist sehr groß. Entsprechend stünde die ganze Familie unter Quarantäne. Innerhalb eines Haushaltes entspricht es nicht der Lebenswirklichkeit, dass Eltern bei kranken Kindern auf Abstand gehen – ganz im Gegenteil. Sie brauchen noch mehr Zuneigung und Nähe. Da die meisten Eltern jung sind, zählen sie auch nicht zur Risikogruppe und sollten sich keine allzu großen Sorgen machen." Hübner sieht das genauso: "Es genügen die üblichen Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen."

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