SARS-CoV-2: Was Schwangere beachten sollten

Sind Schwangere und ihre ungeborenen Babys durch das neuartige Coronavirus besonders gefährdet? Was sollten sie beachten? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen gesammelt

von Daniela Frank, aktualisiert am 15.10.2020

Bin ich als Schwangere durch das neuartige Coronavirus besonders gefährdet?

Laut dem Robert-Koch-Institut gibt es bisher keinen Beleg, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) besonders gefährdet sind. Genau wie gleichaltrige nicht schwangere Frauen haben Schwangere – wenn überhaupt – meist nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe. Allerdings ist das Risiko schwerer Covid-19-Verläufe bei erkrankten Schwangeren leicht erhöht. Im deutschen CRONOS-Register beträgt die Anzahl der wegen Covid-19 stationär aufgenommenen Schwangeren unter allen infizierten Frauen 13,8 Prozent. Zum Vergleich: 5,8 Prozent der nicht schwangeren Frauen werden ins Krankenhaus eingeliefert. Das Risiko zu versterben ist bei schwangeren Frauen mit Covid-19 jedoch nicht generell erhöht.

Tabelle: Symptome einer Covid-19-Erkrankung

Laut Studien verlaufen bis zu 89 Prozent aller Infektionen bei Schwangeren ohne Symptome. Treten Symptome auf, sind sie vergleichbar mit Nicht-Schwangeren im gebährfähigen Alter – Schwangere im dritten Trimester haben jedoch häufiger Symptome als Schwangere im ersten.

Symptom Häufigkeit
Fieber 67 %
Husten 66 %
Atemnot (Dyspnoe)
7 %
Halsschmerz 7 %
Müdigkeit/Fatigue 7 %
Muskelschmerzen (Myalgie) 6 %


Quelle: Elshafeey F, Magdi R, Hindi N, Elshebiny M, Farrag N, Mahdy S, et al. A systematic scoping review of COVID-19 during pregnancy and childbirth. Int J Gynaecol Obstet. 2020.

Schwere Verläufe treten eher bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen auf. Wenn eine Schwangere aber zur Risikogruppe der Menschen mit Vorerkrankungen gehört, also schon vor der Schwangerschaft eine Herz- oder Lungenerkrankung hatte, könnten bei einer SARS-CoV-2-Infektion mit höherer Wahrscheinlichkeit Komplikationen auftreten.

Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 in der Schwangerschaft

  • Alter über 35 Jahre
  • hoher Body Mass Index
  • chronischer Bluthochdruck
  • vorbestehender Diabetes mellitus

Drohen bei einer Infektion Komplikationen in meiner Schwangerschaft?

Laut ersten kleineren Studien treten während der SARS-CoV-2-Pandemie Fehlgeburten bisher nicht häufiger auf als zuvor.

Die Häufigkeit von Frühgeburten variiert je nach Studie (aus verschiedenen Ländern) zwischen 15 Prozent und 39 Prozent. In Deutschland beträgt sie regulär etwa acht Prozent. Dabei treten bei Covid-19-Patientinnen nicht viel mehr spontane Frühgeburten auf, wie eine Studie zeigte. Die Geburt wird aber öfter eingeleitet oder ein Kaiserschnitt gemacht. Laut den Fachgesellschaften sollte dies jedoch nur geschehen, wenn die Schwangere durch ihre Covid-19-Erkrankung Komplikationen erleidet, die eine frühere Entbindung nötig machen. Ansonsten ist Covid-19 kein Grund für eine vorzeitige Entbindung. Eine vaginale Geburt ist weiterhin empfohlen, lediglich von einer Wassergeburt wird abgeraten, da dabei Kontakt zu infektiösen Körperflüssigkeiten stattfinden könnte.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf mein Baby, wenn ich infiziert bin?

Dazu gibt es bisher noch nicht ausreichend Erkenntnisse. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) sind nur einzelne Fälle von Erkrankungen bei Neugeborenen beschrieben, die möglicherweise Folge einer Infektion im Mutterleib sind. Mittlerweile gibt es erste Fallbeispiele von Übertragungen im Mutterleib. Diese scheinen jedoch selten zu sein.

Eine Ansteckung des neugeborenen Kindes ist auch über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich. Es gibt zwar erste Nachweise von Virus-Erbgut in der Muttermilch. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich auch infektionsfähige Viren in der Muttermilch befinden oder befunden haben. Die Datenlage ist derzeit noch nicht ausreichend, um alle Fragen zu COVID-19 in der Schwangerschaft sicher zu beantworten.

Was kann ich tun, um mich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen?

Zu Menschen, die nicht zu Ihrem Hausstand gehören, sollten Sie eineinhalb bis zwei Meter Abstand halten. Außerdem: Regelmäßig und gründlich die Hände waschen – unbedingt aber, wenn Sie nach Hause kommen, nach dem Toilettengang, vor dem Essen sowie vor dem Aufsetzen und nach dem Absetzen einer Mund-Nasen-Bedeckung. In öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen sind Mund-Nasen-Bedeckungen derzeit vorgeschrieben. Außerdem müssen Sie beim Besuch in der Praxis und Klinik Mund und Nase bedecken.

Achten Sie darauf, dass Sie und Kontaktpersonen außerhalb Ihres Hausstandes diese auch immer dann tragen, wenn sie den Mindestabstand zueinander nicht einhalten können. Vermeiden Sie wenn möglich den Kontakt mit Menschen, die Symptome einer Erkältungskrankheit oder Fieber haben – auch innerhalb der Familie.

Was gilt, wenn ich Kontakt zu Personen hatte, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden?

Wenden Sie sich unabhängig davon, ob Sie Symptome haben, telefonisch an Ihr zuständiges Gesundheitsamt – sie können es hier ermitteln: https://tools.rki.de/plztool/ – oder rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 an. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 äußert sich zum Beispiel durch grippeähnliche Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost können auftreten. Am besten, Sie wenden sich telefonisch an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Er oder sie klärt Sie über alle weiteren Maßnahmen auf. Die Symptome lassen sich behandeln, eine Impfung gegen Covid-19 gibt es noch nicht. Ein Abstrich aus dem Mund- und Rachenbereich kann helfen festzustellen, ob sie infiziert sind.

Was soll ich tun, wenn ich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde?

Wenn Sie positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden, sollten Sie Ihren Frauenarzt telefonisch darüber informieren. Haben Sie keine oder nur leichte Symptome, können Sie sich unter Betreuung durch Ihren Arzt zu Hause erholen. Sie sollten sich dabei aber in Quarantäne begeben, also die Wohnung nicht verlassen. Außerdem sollten Sie versuchen, die Ansteckung anderer Personen im Haushalt mithilfe geeigneter Maßnahmen wie Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und häufiges Händewaschen zu vermeiden – vor allem, wenn bei diesen Risikofaktoren für Komplikationen vorliegen, zum Beispiel bestimmte chronische Grunderkrankungen. Ihr Gesundheitsamt informiert Sie zu den notwendigen Maßnahmen. Wenn Sie schwerere Symptome haben, werden Sie möglicherweise in einem Krankenhaus behandelt.

Weder eine SARS-CoV-2-Infektion noch die Covid-19-Erkrankung allein stellen laut der Experten einen Grund für eine sofortige Entbindung dar. Verläuft die Erkrankung jedoch entsprechend schwer, kann eine vorzeitige Entbindung aus gesundheitlichen Gründen für Mutter und Kind nötig sein. Generell wird die vaginale Entbindung auch bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 empfohlen.

Kann ich bei meinem Baby bleiben, wenn das neuartige Coronavirus bei mir vermutet oder bestätigt wird?

Mütter dürfen nach der Geburt bisher trotz einer SARS-CoV-2-Infektion bei Ihrem Baby bleiben – vorausgesetzt dem Baby geht es gut und es muss nicht in der Neugeborenenstation behandelt werden. Weitere Voraussetzung: Die Hygieneregeln und Maßnahmen zur Vermeidung einer Virusübertragung müssen eingehalten werden – also vor dem Kontakt die Hände desinfizieren, währenddessen Mund-Nasenschutz tragen und Schleimhautkontakt vermeiden, zum Beispiel nicht küssen.

Im Einzelfall und Details entscheiden die Eltern das aber zusammen mit den behandelnden Ärzten. Die Regelungen hierzu können sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

Kann ich mein Baby trotz SARS-CoV-2-Infektion oder -Verdacht stillen?

Ja, das wird sogar empfohlen. Auch, wenn inzwischen Virus-Erbgut in der Muttermilch infizierter Frauen nachgewiesen wurde, gibt es keine Hinweise, dass das Kind sich über die Muttermilch anstecken kann.

Infizierte Mütter sollten beim Stillen und anderen Kontakten zu ihrem Baby geeignete Hygienemaßnahmen treffen: Gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes können einer Übertragung des Virus vorbeugen. Zu den Maßnahmen im Einzelfall sollte am besten der behandelnde Arzt oder Kinderarzt beraten.

Folgenden Maßnahmen werden für infizierte Mütter oder Verdachtsfälle beispielsweise empfohlen:

  • Waschen Sie Ihre Hände ausreichend lang mit Wasser und Seife, bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren.
  • Tragen Sie bei Kontakt zu Ihrem Kind und beim Stillen oder Füttern einen Mund-Nasen-Schutz.