SARS-CoV-2: Was Schwangere beachten sollten

Sind Schwangere und ihre ungeborenen Babys durch das neuartige Coronavirus besonders gefährdet? Was sollten sie beachten? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen gesammelt

von Daniela Frank, aktualisiert am 07.07.2020

Bin ich als Schwangere durch das neuartige Coronavirus besonders gefährdet?

Laut dem Robert-Koch-Institut gibt es bisher keinen Beleg, dass Schwangere bezüglich des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) eine Risikogruppe für einen schweren Verlauf bilden. Genau wie andere Frauen derselben Altersgruppe haben Schwangere meist nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe.

Tabelle: Symptome einer Covid-19-Erkrankung

Laut Studien verlaufen bis zu 89 % aller Infektionen bei Schwangeren ohne Symptome. Treten Symptome auf, sind sie vergleichbar mit Nicht-Schwangeren im gebährfähigen Alter.

Symptom Häufigkeit
Fieber 67 %
Husten 66 %
Atemnot (Dyspnoe)
7 %
Halsschmerz 7 %
Müdigkeit/Fatigue 7 %
Muskelschmerzen (Myalgie) 6 %


Quelle: Elshafeey F, Magdi R, Hindi N, Elshebiny M, Farrag N, Mahdy S, et al. A systematic scoping review of COVID-19 during pregnancy and childbirth. Int J Gynaecol Obstet. 2020.

Schwere Verläufe treten eher bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen auf. Wenn eine Schwangere aber zur Risikogruppe der Menschen mit Vorerkrankungen gehört, also schon vor der Schwangerschaft eine Herz- oder Lungenerkrankung hatte, könnten bei einer SARS-CoV-2-Infektion mit höherer Wahrscheinlichkeit Komplikationen auftreten.

Drohen bei einer Infektion Komplikationen in meiner Schwangerschaft?

Laut ersten kleineren Studien treten während der SARS-CoV-2-Pandemie Fehlgeburten bisher nicht häufiger auf als zuvor.

Die Frühgeburtenraten variieren je nach Studie (aus verschiedenen Ländern) zwischen 15 Prozent und 39 Prozent. Die Frühgeburtenrate in Deutschland beträgt regulär etwa acht Prozent. Ob die höheren Raten bei Covid-19-Patientinnen durch den kritischen Zustand der Mutter bedingt waren oder aber spontane Frühgeburten darstellen, ist in den Studien bisher nicht ausreichend untersucht

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf mein Baby, wenn ich infiziert bin?

Dazu gibt es bisher noch nicht ausreichend Erkenntnisse. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) sind nur einzelne Fälle von Erkrankungen bei Neugeborenen beschrieben, die möglicherweise Folge einer Infektion im Mutterleib sind. Mittlerweile gibt es erste Fallbeispiele von Übertragungen im Mutterleib. Diese scheinen jedoch selten zu sein.

Eine Ansteckung des neugeborenen Kindes ist auch über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich. Es gibt zwar erste Nachweise von Virus-Erbgut in der Muttermilch. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich auch infektionsfähige Viren in der Muttermilch befinden oder befunden haben. Die Datenlage ist derzeit noch nicht ausreichend, um alle Fragen zu COVID-19 in der Schwangerschaft sicher zu beantworten.

Was kann ich tun, um mich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen?

Zu Menschen, die nicht zu Ihrem Hausstand gehören, sollten Sie eineinhalb bis zwei Meter Abstand halten. Außerdem: Regelmäßig und gründlich die Hände waschen – unbedingt aber, wenn Sie nach Hause kommen, nach dem Toilettengang, vor dem Essen sowie vor dem Aufsetzen und nach dem Absetzen einer Mund-Nasen-Bedeckung. In öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen sind Mund-Nasen-Bedeckungen derzeit vorgeschrieben. Außerdem sollen Sie beim Besuch in der Praxis und Klinik Mund und Nase bedecken.

Achten Sie darauf, dass Sie und Kontaktpersonen außerhalb Ihres Hausstandes diese auch immer dann tragen, wenn sie den Mindestabstand zueinander nicht einhalten können. Vermeiden Sie wenn möglich den Kontakt mit Menschen, die Symptome einer Erkältungskrankheit oder Fieber haben – auch innerhalb der Familie.

Was gilt, wenn ich Kontakt zu Personen hatte, die positiv auf COVID-19 getestet wurden?

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 äußert sich zum Beispiel durch grippeähnliche Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost können auftreten. Am besten, Sie wenden sich telefonisch an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Er oder sie klärt Sie über alle weiteren Maßnahmen auf. Wenden Sie sich außerdem unabhängig davon, ob Sie Symptome haben, telefonisch an Ihr zuständiges Gesundheitsamt – sie können es hier ermitteln: https://tools.rki.de/plztool/ – oder rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 an. Die Symptome lassen sich behandeln, eine Impfung gegen COVID-19 gibt es noch nicht. Ein Abstrich aus dem Mund- und Rachenbereich kann helfen festzustellen, ob sie infiziert sind.

Was soll ich tun, wenn ich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde?

Wenn Sie positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden, sollten Sie sich telefonisch an Ihren Frauenarzt wenden, um auf Ihre Diagnose aufmerksam zu machen. Haben Sie keine oder nur leichte Symptome, können Sie sich unter Betreuung durch Ihren Arzt zu Hause erholen. Sie sollten sich dabei aber in Quarantäne begeben, also die Wohnung nicht verlassen. Außerdem sollten Sie versuchen, die Ansteckung anderer Personen im Haushalt mithilfe geeigneter Maßnahmen wie Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und häufiges Händewaschen zu vermeiden – vor allem, wenn bei diesen Risikofaktoren für Komplikationen vorliegen, zum Beispiel relevante chronische Grunderkrankungen. Ihr Gesundheitsamt informiert Sie zu den notwendigen Maßnahmen. Wenn Sie schwerere Symptome haben, werden Sie möglicherweise in einem Krankenhaus behandelt. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Geburt ist laut einer Stellungnahme mehrerer Fachgesellschaften bei SARS-CoV-2 positiven Entbindenden zu empfehlen, muss aber natürlich im Einzelfall abgewogen werden.

Weder eine SARS-CoV-2-Infektion noch die COVID-19-Erkrankung allein stellen laut der Experten einen Grund für eine sofortige Entbindung dar. Geboten kann das hingegen sein, wenn die Atemwege der Mutter stark beeinträchtigt sind. Generell wird die vaginale Entbindung auch bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 empfohlen.

Kann ich bei meinem Baby bleiben, wenn das neuartige Coronavirus bei mir vermutet oder bestätigt wird?

Mütter dürfen nach der Geburt bisher trotz einer SARS-CoV-2-Infektion bei Ihrem Baby bleiben – vorausgesetzt dem Baby geht es gut und es muss nicht in der Neugeborenenstation behandelt werden. Weitere Voraussetzung: Die Hygieneregeln und Maßnahmen zur Vermeidung einer Virusübertragung müssen eingehalten werden – also vor dem Kontakt die Hände desinfizieren, währenddessen Mund-Nasenschutz tragen und Schleimhautkontakt vermeiden, zum Beispiel nicht küssen. Im Einzelfall und Details entscheiden die Eltern das zusammen mit den behandelnden Ärzten. Die Regelungen hierzu können sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

Kann ich mein Baby trotz SARS-CoV-2-Infektion oder -Verdacht stillen?

Ja, das wird sogar empfohlen. Auch, wenn inzwischen Virus-Erbgut in der Muttermilch infizierter Frauen nachgewiesen wurde, ist bisher nicht gesichert, dass das Virus durch die Muttermilch auf die Kinder übertragen wird.

Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen und anderen Kontakten zu ihrem Baby geeignete Hygienemaßnahmen treffen: Gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes können einer Übertragung des Virus vorbeugen. Zu den Maßnahmen im Einzelfall sollte am besten der behandelnde Arzt oder Kinderarzt beraten.

Folgenden Maßnahmen werden für infizierte Mütter oder Verdachtsfälle beispielsweise empfohlen:

  • Waschen Sie Ihre Hände ausreichend lang mit Wasser und Seife, bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren.
  • Tragen Sie bei Kontakt zu Ihrem Kind und beim Stillen oder Füttern einen Mund-Nasen-Schutz.