Papa-Kolumne: Bestechend einfach

Unser ­Kolumnist ­ist ­standhafter Demokrat. Als es aber um den ­Namen für den ­neuen Hund geht, gelangt er an seine Grenzen

von Marian Schäfer, 09.01.2020

Kürzlich las ich, welche Bedeutung der ­Name für Hundewelpen hat, nämlich folgende: "Pass auf, du bist gemeint!" Dann überlegte ich, wieso man das schreiben muss, schließlich haben Namen für uns doch eine ganz ähnliche Bedeutung. Wenn jemand "Marian!" ruft, heißt das für mich meist auch: "Pass auf, du bist gemeint!" Entsprechend irritiert bin ich, wenn dann ­jemand anderes gemeint ist, was zurzeit öfter vorkommt. Vor allem auf Spielplätzen.

Ein Hund names Auto

Der Unterschied zwischen Mensch und Hund liegt jedenfalls darin, dass man das Tier auch "Auto" nennen könnte oder "Christbaumkugel", wobei Letzteres natürlich kein informiertes Herrchen oder Frauchen tun würde. Schließlich sollten Hundenamen ­immer zweisilbig sein.

Die Katze, mit der ich aufwuchs, hieß übrigens "Kätzchen", nachdem "Trixi" im Familienrat durchgefallen war. Wenn ich genau darüber nachdenke, hat es diesbezüglich ­eigentlich nie einen richtigen Familienrat gegeben, sondern lediglich eine mütterliche Anordnung, die die Söhne ignorierten.

Frühkindliche Demokratieerziehung

War auch das ein Grund, weshalb ich einer Beteiligung der Kinder an der Namens­findung unseres neuen Hundes zustimmte? Sicher dachte ich auch, etwas frühkindliche Demokratieerziehung könnte bei allem, was gerade auf der Welt geschieht, nicht schaden. Im Nachhinein ist nur zu ­hoffen, dass die Kinder vieles davon vergessen.

Als die Sechsjährige nämlich feststellte, dass es "Nemo" wegen fehlender Pro-Stimmen nicht mal in die Stichwahl schaffen ­würde, zerriss sie kreischend alle Zettel mit Namensvorschlägen, während die Vier­jährige immer neue Eingaben machte. Hoch motiviert kombinierte sie verschiedene Buchstaben, die sie bereits schreiben kann: "IA", "AI", "OI", "IAAO", derweil die bald Zweijährige immer nur "Ja" sagte und irgendwann auch zu weinen begann.

Da war ich längst verstummt und ­bemerkte, wie mein autoritäres Ich langsam in mir emporkroch. Zunächst unterrichtete ich die Kinder davon, sie würden nun (es war um 16 Uhr) ins Bett gehen, um am nächsten Morgen die Entscheidung zu erfahren. Dann versuchte ich, das Trauerspiel mit einem ­­beherzten "So, das war’s mit dem Hund!" zu beenden, was die Situation aber kaum entspannte.

Name gegen Kekse

Meine Frau griff dann zu einem unlauteren, aber hilfreichen Mittel: Bestechung. Sie schlug den Namen Tomte vor, den die Kinder von Astrid Lindgrens "Tomte Tummetott" kennen und von dem es zudem auch einen kurzen Film gibt. "Den könnt ihr schauen", sagte sie und schob siegesgewiss nach: "Mit ­Keksen." Da war die Wahl gelaufen.