Schwangerschaft: Warum ist Listeriose gefährlich?

Listerien können überall im Essen vorkommen und dem Ungeborenen schaden. Doch wenn Schwangere ein paar Dinge beachten, können sie entspannt bleiben

von Simone Herzner, 24.09.2018

Wie häufig sind Listerien-Infektionen in Deutschland?

2017 gab es laut Robert-Koch-Institut (RKI) 770 Fälle, 39 davon betrafen Schwangere. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher, denn gemeldet werden vermehrt Infektionen im letzten Trimester. "Listeriosen in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln enden häufiger mit Fehlgeburten und werden nicht immer diagnostiziert und daher auch nicht registriert", sagt Dr. Hendrik Wilking, Infektionsepidemiologe am RKI in Berlin.

Wie gelangen Listerien ins Essen?

Die Bakterien kommen praktisch überall vor. Auf Pflanzen, Tieren und selbst Menschen können Listerien in sich tragen, ohne krank zu werden. Eine Übertragung ist zum Beispiel bei der Ernte, bei der Verarbeitung sowie bei mangelnder Hygiene bei der Lagerung möglich.

Vor allem Lebensmittel tierischer Herkunft können schnell verunreinigt werden. Besonders betroffene Lebensmittel sind: Wurstaufschnitt, Pasteten, Rohwurst und rohes Fleisch, rohe Milch, Rohmilchprodukte, Weichkäse, vorwiegend mit Rotschmierebildung, sowie Sauermilch-, Schafs- und Ziegenkäse und Räucherfisch. Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm aus Freiburg sagt: "Auch vorgeschnittene Salate können belastet sein." Kritisch sind ebenfalls Fertigprodukte, die nicht mehr stark erhitzt werden, und sogar Eiscreme.

Warum sind Schwangere besonders gefährdet?

Eine Infektion ist aufgrund ihrer Symptome (grippe­ähnlich, Durchfall) schwer zu erkennen. "Listerien können aber die Plazenta durchdringen und das Ungeborene infizieren", erklärt der RKI-Experte. Das Immunsystem ungeborener und neugeborener Kinder befindet sich erst in der Entwicklung. Darum ist der Krankheitsverlauf bei ihnen sehr heftig.

Welche Folgen hat eine Infektion für das Baby?

Eine Infektion kann zu einer Blutvergiftung sowie zu einer Hirnhautentzündung führen. Die Folge können Fehl-, Früh- oder Totgeburten sein. Wird eine Infektion festgestellt, bekommen Mutter und Kind ein Antibiotikum. "Die Prognose für das Kind ist dann sehr gut", erklärt Wilking.

Wie lässt sich das Risiko, sich anzustecken, senken?

"Frische Lebensmittel im sauberen Kühlschrank lagern, gründlich waschen und rasch verzehren", rät Dagmar von Cramm. Vor allem vorgeschnittene Salate dürfen keinesfalls von der Tüte auf den Teller. Schwangere meiden unpasteurisierte Milch und Milchprodukte, Fleisch- und Fischwaren, wenn sie roh, roh gereift oder nur geräuchert sind. Im Ausland gilt das Motto: Peel it, cook it or leave it (Schäle es, koche es oder lasse es).