Schwanger: „Tätowieren kann Wehen auslösen”

Wie gefährlich sind das Tätowieren und die Tattoo-Tinte in der Schwangerschaft? Frauenarzt Dr. Christian Albring klärt auf

von Larissa Gaub, 29.10.2015

Herr Albring, ist es gefährlich, sich während der Schwangerschaft tätowieren zu lassen?

Tätowieren ist schmerzhaft. Sowohl am Tag selbst als auch in den Folgetagen während des Abheilens. Diese Schmerzen können Wehen und damit im schlimmsten Fall eine vorzeitige Geburt auslösen – vor allem dann, wenn vielleicht unbemerkt eine Gefahr für eine Frühgeburt bestand. Selbst, wenn eine Frau schon viel Erfahrung mit Tattoos hat, ist es möglich, dass es beim nächsten Mal besonders schmerzhaft wird. Deshalb lehnen es die meisten Tattoo-Studios ab, schwangere Frauen zu tätowieren.

Zusätzlich können sich frische Tattoos leicht entzünden und es kann zu einer allergischen Reaktion auf die Farbstoffe kommen. Das ist besonders gefährlich, wenn die Schwangere vorher schon eine Nickelallergie hat. Bei Entzündungen und Allergien muss der Arzt oft Kortison oder Antibiotika verschreiben. Beides sollten schwangere Frauen nicht zu sich nehmen.

Kann die Tinte auf das Ungeborene übergehen?

Ja, das ist möglich. Der Körper kann die Tinte in geringen Maßen aufnehmen und so auf das Kind übertragen. Übrigens auch in die Muttermilch. Selbst, wenn die Tattoo-Farben keine Giftstoffe enthalten dürfen, ist nicht bekannt, welche Reaktionen sie bei einem Ungeborenen auslösen können. Auch wenn die Mutter keine allergischen Reaktionen auf die Tinte entwickelt, ist es nicht auszuschließen, dass das Baby darauf reagiert. Deshalb sollte eine Frau auch während der Stillzeit auf das Tätowieren verzichten.

Wieso wollen viele Ärzte keine PDA legen, wenn eine Frau ein Steißbeintattoo hat?

Bei der Periduralanästhesie (PDA) legen Narkoseärzte einen Katheter im unteren Teil des Rückens, in der Nähe der Lendenwirbel. Wenn sie dabei durch eine Tätowierung durchstechen müssen, befürchten viele Ärzte, dass sich Farbpartikel lösen und in die Nähe des Rückenmarks gelangen können. Dort könnten die Partikel lokale Reaktionen auslösen, wie Schwellungen und Entzündungen. In der Nähe der Nervenbahnen und des Rückenmarks will man so etwas unbedingt vermeiden. Denn durch eine Schwellung oder Entzündung könnten die Nervenbahnen geschädigt werden. Deshalb suchen Ärzte nach einer Tattoo-freien Stelle, um eine PDA zu setzen.

Sind auch ältere Tattoos schädlich?

Ältere Tattoos stellen für das ungeborene Kind keine Gefahr mehr dar. Man kann davon ausgehen, dass sich Schwermetalle und andere möglicherweise giftige Substanzen aus den Tinten nicht mehr im Blutkreislauf befinden.

Worauf sollte noch geachtet werden?

Es besteht die Gefahr, dass durch die Nadeln gefährliche Infektionen übertragen werden – gefürchtet sind vor allem HIV sowie Hepatitis B und C. Deshalb haben Tattoo-Studios strenge Vorschriften für ihre Hygiene. Wer sich unbedingt ein Tattoo stechen lassen will, sollte in ein Studio gehen, in dem der Tätowierer mit Handschuhen und Einmalnadeln arbeitet. Außerdem sollte das gesamte Werkzeug absolut sauber und sterilisiert sein. Es dürfen keine angebrochenen Tinten verwendet werden, sondern nur frische, original verschlossene, am besten in sterilen Einmalpackungen.

Während der Schwangerschaft verändern sich auch die Körperformen – Brust, Bauch, Gesäß, Oberschenkel, aber auch die Unterschenkel und Knöchel. Es dauert nach der Geburt oft längere Zeit, bis alles wieder so ist wie vorher. Also die Tattoos besser nicht in diese Körperregionen stechen lassen, solange der Körper noch nicht wieder in der früheren Form ist.

Muss ich die Entfernung eines Tattoos unterbrechen, wenn ich schwanger bin?

Bei der Laserentfernung werden die Tinten-Partikel durch den energiereichen Lichtstrahl aufgebrochen. Diese werden nach und nach vom Körper aufgenommen und beseitigt. Das bedeutet, dass in dieser Zeit der Körper durch Substanzen belastet ist, die möglicherweise giftig sind. Hier gilt das gleiche wie für das Tätowieren selbst: Das ungeborene Baby sollte einem solchen möglichen Risiko nicht ausgesetzt werden. Deshalb sollten während der Schwangerschaft keine Tattoos entfernt werden.