Stillprobleme: Abstillen nötig?

Stillen bedeutet pures Glück? Manchmal ja. Aber manchmal kann es auch einfach nur anstrengend sein und nerven. Was dann hilft

von Sandra Schmid, aktualisiert am 15.09.2015

Stillen bedeutet für viele Mütter Ruhe und Nähe zum Kind


Rein physiologisch gesehen müssten Mütter eigentlich gut drauf sein, wenn sie ihr Baby stillen. Schließlich schüttet ihr Körper währendessen das Glückshormon Oxytocin aus. Und das sorgt unter anderem für gute Stimmung. Viele Stillende empfinden dies tatsächlich. Sie genießen die Augenblicke der Ruhe und unmittelbaren Nähe zum Kind als extrem wohltuend in ­einer oft eher anstrengenden Anfangszeit.

Aber es gibt auch die andere ­Seite. Zeiten, in denen das Stillen manchmal nervt. Weil man sich förmlich ausgesaugt fühlt, angebunden, reduziert auf seine Brust. Oder weil einem Milchstau und wunde Brustwarzen Schmerzen bereiten. Von guter Laune und Jubelstimmung ­keine Spur. Warum das so sein kann? Weil Stillen eben auch Gefühlssache ist und nicht nur ein mechanischer und hormoneller Vorgang.

Probleme beim Stillstart normal

Negative Emotionen kommen meist dann auf, wenn das Stillen nicht so klappt, wie man sich das vorstellt. Das Kind trinkt zu lange, zu oft oder zu wenig. Es nimmt die Brust nicht richtig in den Mund oder verweigert sie. Das ist auf ­Dauer frustrierend. Nicht wenige Frauen geben sich bei Problemen selbst die Schuld. Die Folgen: Enttäuschung, Ärger, Ungeduld. "Mütter haben oft genau im Kopf, wie es funktionieren soll", sagt die Still- und Laktationsberaterin Elisabeth Breier aus Olching. "Dabei tun sie sich nur schwer, die Zeichen ihres Kindes richtig wahrzunehmen und zu interpretieren." In Wachstumsphasen haben Babys zum Beispiel mehr Hunger. Nach ein paar Tagen pendeln sich Angebot und Nachfrage ein, die Stillmahlzeiten werden wieder weniger. Wenn Mütter unsicher sind, kann die Hebamme oder Stillberaterin die Bedürfnisse des Babys übersetzen. In den meisten Fällen reichen ein paar Erklärungen.

Geduld haben und Schmerzen lindern

Lösen Schmerzen den Frust aus, bringt oft schon eine veränderte Anlegetechnik Linderung. Lanolin­salbe aus der ­Apotheke hilft bei wunden Brustwarzen. Bei Milchstau tun Quarkwickel oder Gelpads gut, die nach der Stillmahlzeit die Brust kühlen. Wichtig: kurz vor dem Stillen die Brust mit einem warmen Waschlappen oder Kirschkernkissen erwärmen. Frischgebackene Mütter sollten sich aber auch von der Vorstellung lösen, dass jeder Handgriff von Anfang an perfekt sitzt. "­Alles braucht ­eine gewisse Anlaufzeit", betont die Karbener Hebamme Sandra Mauer. "Die Mutter muss sich an ihre neue Rolle erst gewöhnen. Es finden enorme körperliche Anpassungsprozesse statt, die ­Ruhe, Zeit und Geduld brauchen."

Stillprobleme: Nicht sofort entmutigen lassen

Ruhe, Zeit, Geduld? Leichter gesagt als getan. Wenn ein Milchstau dem nächsten folgt, ist man leider weit entfernt von jedem Stillglück. Elisa­beth ­­Breier kennt solche ­Fälle gut aus ihrer Praxis. "Bei manchen Frauen ­spüre ich schon beim Betreten des Hauses, dass ­eine ­enorme Anspannung herrscht." Ihr Tipp bei Stillfrust: Druck rausnehmen! Und wenn es partout nicht klappen will mit dem Brustgeben, dann geht davon die Welt nicht unter. Denn: "Es geht nicht ausschließlich ums Stillen, sondern darum, dass die Mutter mit ihrem Kind eine gute Zeit hat." Sie sagt aber auch: "Schmerzen haben immer eine Ursache, die gefunden und behoben werden sollte, bevor man etwa über das Abstillen spricht." Still- und Laktations­beraterinnen sind speziell dafür ausgebildet, hier zu helfen. Hebamme Sandra ­Mauer gibt zudem zu bedenken: "Auch Mütter, die Säuglingsnahrung füttern, kommen durchaus an ihre Grenzen. Ein gestilltes Baby ist nicht grundsätzlich unzufriedener als ein Flaschenkind."

Muttermilch ist die ­bes­te Nahrung für ein Neugeborenes, das steht außer Frage. Bei Stillproblemen nicht gleich aufzugeben lohnt sich. Doch die Angst vieler Frauen, dass ohne Stillen die Mutter-Kind-Bindung leidet, ist unbegründet. "­Eine gute Bindung kommt durch Herzenswärme und Wohlbefinden auf beiden Seiten zustande", erklärt Breier. Wenn das Stillen für die Mutter ausschließlich mit Schmerzen und Widerwillen verbunden ist, kann das für die Bindung zum Baby eher kontraproduktiv sein.

Abstillen? Hebamme hilft bei der Entscheidung

Also abstillen? Bei dieser Frage droht schnell das nächste Gefühls­chaos. Da schleicht sich das schlechte Gewissen ein, wenn man spürt, dass das Kind das Stillen noch genießt. "Abstillen ist kein Problem, wenn die Mutter klar in ihrer Entscheidung ist", sagt Breier. Weiß die Frau, was sie will, kommt sie auch mit Tränen und Protesten des Kindes zurecht. Bleiben jedoch Restzweifel, wird es schwierig. In solchen Situationen unterstützen die Fachfrauen bei der Entscheidungsfindung. Genauso stehen sie Müttern bei, die die Stillzeit so sehr genießen, dass ihnen Abstillen schwerfällt oder die ihr Kind länger stillen möchten. Die Hebammen helfen, sich über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse klar zu werden. Sie stärken die Frauen darin, sich keinem gesellschaftlichen Druck beugen zu müssen – auch wenn vielleicht der Partner, Verwandte oder Freunde schief schauen. "Ein Zweijähriges noch zu stillen ist nicht abnorm", meint Breier.

Welche Gründe auch dahinter stehen, wenn eine Mutter abstillt: "Manchmal bedeutet es Trauer und Abschiednehmen, manchmal auch Freude darüber, den eigenen Körper wieder für sich alleine zu haben", sagt Mauer. Beides ist in Ordnung.


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