Stillen: Jedes Kind trinkt anders

Manche Babys gewöhnen sich schnell an die Flasche, andere wollen nur die Brust. Eine Mutter erzählt, wie unterschiedlich ihre Kinder während der Stillzeit waren

von Julia Jung, aktualisiert am 04.11.2016

Manche Babys trinken beim Stillen gierig, andere wollen vor allem Nähe spüren


Der Start klappte bei all meinen Kindern reibungslos, das ist ja nicht selbstverständlich. Als ich Hannah (alle Namen v. d. Red. geändert) nach ihrer Geburt vor 13 Jahren das erste Mal anlegte, habe ich gar nicht gewusst, dass da zunächst kaum Milch kommt. Sie hat so heftig gesaugt, dass ich dachte, es sei schon richtig viel Milch da. Als dann nach ein paar Tagen der Milcheinschuss kam, war ich ziemlich überrascht, das tat richtig weh. Aber von da an ­lief es super mit ihr, sie war ein Vorzeige­kind, ­schlief schnell durch und ließ sich auch ohne Probleme die Flasche mit abgepumpter Milch geben. Ich habe damals noch studiert, es war wichtig, dass sich mein Freund genauso um das Kind kümmern konnte.

Ständig verfügbar sein ist anstrengend

Vor 18 Monaten kam Felix zur Welt, und ich ging davon aus, dass es mit ihm so leicht werden ­würde wie bei Hannah. Aber das war es nicht: Fünf Monate lang wollte Felix alle eineinhalb Stunden die Brust, nichts konnte ihn ablenken. Er trank so viel, dass ich ständig das Gefühl hatte, ihn nicht satt zu bekommen. Ich war sein Ein und ­Alles, seine Busenfreundin. Das war auch mal schön, manchmal genoss ich es. Von Hannah kannte ich das nicht. Stundenlang saß ich mit Felix auf dem Sofa, links die ­Teetasse, rechts mein Handy, ­irgendwann hieß das Wohnzimmer bei uns nur noch Stillbüro.

Trotzdem wollte ich nach einem halben Jahr abstillen, weil mich das ständige Verfügbarsein auch schlauchte. Felix war anderer Meinung, er nahm keine Flasche und keinen Schnuller und hat so lange Theater gemacht, bis ich ihm wieder die Brust gab. Der Kinderarzt sagte, man müsse nur konsequent sein. Damit konnte ich nicht viel anfangen. Wenn Felix Hunger ­hatte, konnte ich ihm ja schlecht die Nahrung verweigern.

Mit der Beikost kam der Durchbruch

Er lag immer da wie ein Käfer auf dem Rücken, drehte sich nicht und wirkte oft ein bisschen teilnahmslos. Für ihn gab es nur eines, und das war Stillen. Als ich dann mit dem Brei begann, blühte er auf. Es war wie ein Durchbruch: Ganz schnell fing er an, sich zu drehen, zu robben und zu krabbeln. Da hatte ich noch mehr das Gefühl, dass ich ihn vorher nie richtig satt bekommen habe. Aber ich hätte nichts anders machen können, das weiß ich rückblickend. Seitdem er ein Jahr alt ist, hängt Felix mehr an seinem Vater. Das ist natürlich toll für mich, weil es mir ein wenig Freiraum zurückgibt. Und auch mein Freund genießt es, schließlich hatte er von seinem Sohn in den ers­ten Monaten nicht so viel.

Mal sehen, wie es mit Laura läuft, sie ist jetzt sieben Wochen alt und bisher ihrem großen Bruder recht ähnlich. Sie hängt die ganze Zeit an mir, lässt sich kaum ablegen. Aber sie schläft besser. Ich lasse es dieses Mal wirklich auf mich zukommen und plane auch keinen festen Zeitpunkt für das Abstillen.

 

Fragen zum Stillen? So bekommen Sie Hilfe vom Profi

Plötzlich ist das Kind da, und ­Mütter haben Fragen über Fragen – nicht nur zum Thema Stillen. In den meis­ten Fällen hilft nun die Hebamme. Ideal, wenn Frau und Hebamme sich schon vor der Geburt kennengelernt haben, zumal die gesetzlichen Krankenkassen auch während der Schwangerschaft zahlreiche Hebammenleistungen ­erstatten. So früh wie möglich über Kliniken, Freunde oder Internet auf die Suche gehen, bestenfalls zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels.

Folgende Leistungen, also Haus­besuche und Telefonate mit der Hebamme, zahlt die Krankenkasse:

  • Bis zum zehnten Tag nach der Geburt steht der Familie mindestens ein täglicher Besuch zu. Der Tag der Geburt zählt dabei noch nicht mit, dafür werden pro Klinik­tag zwei Leistungen abgezogen.
  • Nach dem zehnten Tag und bis das Kind acht Wochen alt ist, kann die Hebamme noch 16 Mal kommen.
  • Bis zum Ende der Stillzeit, oder bis das Kind neun Monate alt ist, wenn die Mutter schon vorher abgestillt hat, gibt es noch einmal acht Besuche oder Telefonate als Kassenleistung.
  • Darüber hinaus kann eine Frau sich jederzeit weitere Besuche vom Gynä­­kologen oder dem Kinderarzt verschreiben lassen. Zum Beispiel wenn das Abstillen Probleme bereitet oder die Beikosteinführung ansteht.
  • Wechselt man zwischendurch seine Hebamme, ist das kein Problem, sofern sich kurzfristig eine findet. Die Kranken­kasse zahlt dann natürlich nur noch die verbleibenden Leistungen.

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