Was ist eine Rektusdiastase?

Nach der Schwangerschaft klafft zwischen den Bauchmuskeln eine Lücke. Das ist ganz normal. Was Sie nach der Geburt beachten müssen

von Nadja Katzenberger, 18.10.2018
Babybauch

Ein Baby braucht viel Platz im Bauch. Und um ihn zu ermöglichen, bedient sich die Natur an einem einfachen Trick


Wie entsteht eine Rektusdiastase?

Ein Baby braucht Platz im Bauch – sehr viel Platz. Vor allem ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel macht sich der kleine Unter­mieter ganz schön breit, und Mamas Körper gibt bereitwillig nach: Die Schwangerschaftshormone machen das Gewebe weicher, damit die Gebärmutter und der Bauch wachsen können, Organe rücken zur Seite, und auch die Muskulatur macht mit. Vor allem der gerade Bauchmuskel, Rectus abdominis genannt.

Er besteht aus zwei Strängen, die in der Mitte des Bauchs durch eine Bindegewebsnaht, die Linea alba ("weiße Linie"), verbunden sind. Wächst die Gebärmutter, weichen diese beiden Stränge etwa um die 25. Schwangerschaftswoche auseinander und schaffen Platz. Entlang der Linea alba entsteht nun ein Spalt, die sogenannte Rektusdiastase. "Das klappt völlig ohne Probleme, weil das Gewebe durch die Hormon­umstellung nachgiebig und dehnbar ist", sagt Dr. Anna-Katharina Doepfer, Fach­ärztin für Orthopädie und Unfall­chirurgie aus Hamburg.

In Rückenlage tastbar

Zum Zeitpunkt der Geburt haben alle Schwangeren eine Rektusdias­tase, fühlbar ist sie aber erst danach. Auf dem Rücken lässt sich der Abstand zwischen den Bauchmuskeln tasten: Wenn man den Bauch leicht anspannt und den Kopf hebt, ist über dem Bauch­nabel eine Vertiefung spürbar.

Zwei Zentimeter oder zwei Finger breit sind häufig tastbar. Die Rektusdiastase kann aber auch bis zu zehn Zentimeter breit und zwölf Zentimeter lang werden. "Das ist von mehreren Faktoren abhängig, zum Beispiel, ob es die erste oder zweite Schwangerschaft war, eine Zwillingsschwangerschaft oder wie stark Muskulatur und Bindegewebe zuvor waren", sagt Heike Gross, Yogalehrerin und Heilpraktikerin aus München. Gross hilft Frauen in Einzel­behandlungen und Workshops, die Rektusdiastase wieder zu schließen. Denn, so Anna-Katharina Doepfer: "Wir brauchen eine funktionierende Bauchmuskulatur für einen stabilen Rücken."

Rektusdiastase kann Probleme machen

Viele Mütter merken in den Monaten nach der Geburt nicht, dass die Rektusdiastase Probleme macht. Aber: "Viele Frauen klagen über Schmerzen im unteren und mitt­leren Rücken, fallen ins Hohlkreuz und fühlen sich insgesamt instabil", erklärt Heike Gross.

Bei einem sehr breiten Spalt fehlt den Eingeweiden der Schutz, den sonst die Muskulatur bietet. Verstärkt sich der Druck im Bauch, etwa, weil die geraden Bauchmuskeln zu stark belastet werden, vergrößert sich der Spalt. "Nach einer Schwangerschaft kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich die Rektusdiastase schließt, da vor allem in der Stillzeit das Gewebe länger weich bleibt", sagt Orthopädin Doepfer. Bei manchen Frauen bleibt der Spalt länger, manchmal Jahre bestehen – auch dann ist es möglich, ihn durch Übungen und manuelle Therapie zu schließen.

Tipps für den Alltag

Heike Gross rät, nach der Rückbildung und dem Abstillen etwas für Bauch, Beckenboden und Rektus­diastase zu tun. Dazu gehört zualler­erst, den Druck im Bauch nicht zu verstärken – diese Devise gilt sofort nach der Geburt. Das bedeutet:

  • Die geraden Bauchmuskeln dürfen nicht belastet werden. Bauchpressen, Sit-ups und Crunches in Rückenlage sind tabu.
  • Im Alltag die geraden Bauchmuskeln schonen: Beim Aufstehen erst auf die Seite drehen, nie gerade aufrichten.
  • Das Kind körpernah und zentral tragen, beim Stehen leicht in die Knie gehen.
  • Beim Heben empfiehlt Heike Gross: Mit dem Aus­atmen auf "Sch-haa" das Schambein Richtung Bauchnabel ziehen und die Rippen nach innen, dann erst den  Gegenstand hochheben. "Wichtig ist, die Anstrengung mit der Aus­atmung zu verbinden. Das verringert den Druck gegen die Bauch­decke."

Bauchmuskulatur gezielt trainieren

Ganz selten ist eine Operation nötig, um eine Rektusdiastase zu schließen. Etwa, wenn die Beschwerden sehr stark sind oder Brüche in der Bauchwand, sogenannte Hernien, auftreten. Meist wird eine Rektusdiastase während eines ästhetischen Eingriffs, zum Beispiel einer Bauchstraffung, geschlossen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für solche Eingriffe nicht.

Die meisten Frauen können selbst viel für ihre Bauchmuskulatur tun. Die Übungen speziell für die Rektusdiastase brauchen nicht viel Kraft und trainieren vor allem die tief liegende Muskulatur. So schieben die schrägen Bauchmuskeln den Spalt immer weiter zusammen, bis er sich ganz schließt. Die Bauchmuskulatur wird gestärkt und damit der ganze Rumpf und der Rücken. Das Gute: Täglich fünf bis zehn Minuten trainieren genügt.


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