Urlaub trotz Zika-Virus?

Wegen des Zika-Virus sind Reisen nach Mittel- und Südamerika für Schwangere immer noch gefährlich. Was Experten raten

von Simone Herzner, aktualisiert am 23.04.2018

Schwangere reisen besser nicht in Länder, in denen das Zika-Virus übertragen wird


Die Vorstellung ist für Schwangere entsetzlich: sich durch einen Mückenstich mit dem Zika-Virus zu infizieren. ­Häufig zeigen sich bei Betroffenen ­keine Symptome, manche leiden unter grippeähnlichen Beschwerden, Hautausschlag, Augen­entzündung. Nach ­wenigen Tagen ist die Infek­tion überstanden. Bei Ungeborenen kann das Zika-Virus schwere Schädel-Hirn-Fehlbildun­gen ver­ursachen (siehe auch Interview unten). Die Fotos der brasilianischen Babys mit Mikrozephalie, also zu kleinem Kopf, gingen um die Welt.

Zika-Virus: Hauptsächlich Mittel- und Südamerika betroffen

Die Weltgesundheitsorganisation rief von Februar bis November 2016 den globalen Gesundheitsnotstand aus. Inzwischen sind die Fälle rückläufig.

Dennoch: Nach einer neuen Kategorisierung der Weltgesundheitsorganisation WHO zählen immer noch rund 70 Länder insbesondere in Mittel- und Süd­amerika, in Afrika südlich der Sahara sowie im asiatischen Raum zum Risikogebiet der Kategorie 1 und 2. In diesen Ländern sollten Schwangere und Frauen, die schwanger werden wollen, von "vermeidbaren Reisen" absehen, so das Auswärtige Amt. Es betont allerdings auch, dass das Übertragungsrisiko in den betroffenen Ländern sowohl regional als auch saisonal erheblich variieren kann.

Aktuelle Infos sowie eine Auflistung finden Sie bei der Weltgesundheitsorganisation oder beim Robert Koch-Institut.

Sind Reisen in Europa gefährlich?

Für Europa besteht wenig Gefahr. Eine großflächige Ausbreitung halten Experten für unwahrscheinlich. Das Zika-Fieber wird – ebenso wie Gelb- und Denguefieber – von infizierten Gelbfiebermücken (­­Aedes aegypti) übertragen, die es in Euro­pa nicht gibt. Überträger kann zwar auch die asia­tische Tiger­mücke (Aedes albopictus) sein, die vereinzelt in ­Südeuropa und in Süddeutschland gefunden wurde. Jedoch: Damit sich das Virus in Europa verbreitet, müsste die asiatische Tiger­mücke ­einen mit dem Zika-Virus infizierten Menschen stechen und die nun infizierte Tigermücke das Virus weiter übertragen. Experten halten dies für unwahrscheinlich, ganz ausschließen ließe sich dies aber natürlich nicht.

Übertragung von Mensch zu Mensch

Anders verhält es sich beim Geschlechtsverkehr. Es sind einige Fälle bekannt, bei denen Männer das Zika-Virus beim Sex übertragen haben. Wie lange das Virus im Sperma überlebt, ist nicht ganz klar. Daher empfiehlt das Auswärtige Amt: Mindestens sechs Monate nach der Wiederkehr aus einem betroffenen Land unbedingt ein Kondom benutzen. Erwartet die Partnerin ein Kind, dann ist das Kondom während der ganzen Schwangerschaft Pflicht.

In den Tropen lauern auch andere Infektionskrankheiten

Abgesehen von Zika: "Reisen in tropische Länder sind aufgrund der dortigen Infektions­krank­hei­ten für Schwangere ­immer ein ­Ri­siko", betont Professor Dr. Regine Heilbronn, ­Direktorin des Instituts für Virologie an der Charité Berlin. Für sie sei ein konsequenter Mückenschutz sehr wichtig. ­Lange, helle Klei­dung schützt etwa vor der tagaktiven Gelbfie­ber- und der asia­­tischen Tiger­mücke. Moskitonetze ­halten nachtaktive Stech­mücken auf Abstand. "Mückenschutzmittel sind in der Schwangerschaft nicht bedenkenlos zu empfehlen", so Heilbronn. "Außerdem wirken sie je nach Produkt unterschiedlich gegen bestimmte Insektenarten." Um die Risiken auch realistisch abschätzen zu können, rät sie daher jeder Frau, sich vor der Reise individuell von einem Tropenarzt beraten zu lassen.

"Behinderungen können unterschiedlich ausgeprägt sein"

Drei Fragen an Neuropädiater Prof. Dr. Heymut Omran:

Herr Professor Omran, warum gilt eine Zika-Virus-Infektion im ersten Schwangerschafts­drittel als besonders gefährlich?

Die frühe Hirnentwick­lung des Fötus findet da statt. Je ­­früher das Virus in die Entwicklung eingreift, desto fundamentaler stört es diese und des­to gravierender sind die Folgen.

Wie greift das Zika-Virus in die Hirnentwicklung ein?

Man vermutet, dass es die Plazenta­schranke überwindet, sich im Hirn­­gewebe des Ungeborenen ausbreitet und es schädigt. Zika-Viren wurden ja bereits im Gehirn von Säuglingen nachgewiesen. Auch andere Erreger schädigen das Gehirn von Ungeborenen auf diese Weise, wie zum Beispiel die der ­Zytomegalie, Toxoplasmose oder Röteln.

Welche Behinderungen sind bei ­Kindern mit Mikrozephalie zu erwarten?

Die Größe des Gehirns entscheidet über die Größe des Kopfes. Darum leiden Kinder mit einer pränatalen Mikrozepha­­lie meist unter kognitiven Dysfunktio­­nen, also geistigen Behinderungen, die ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein kön­nen. Es gibt Kinder, die nie laufen oder sprechen lernen, genauso wie Kinder, die kaum Auffällig­keiten zeigen.


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