Praxistest Baby

Familie im Stadt-Land-Gefälle

Daniela Frank

Ursprünglich komme ich vom Land. Meine alten Freunde und Bekannten dort haben das Familiengründungsprogramm in der Regel mit Ende 20 gestartet. Ich dagegen war mit 30 Single und mit 33 noch kinderlos – genau wie viele meiner Stadt-Freunde. Die durchschnittlichen Lebensentwürfe unterscheiden sich also marginal. Dem gilt es ab und zu entgegenzutreten. Oder eben nicht. Auf Familienfeiern meide ich heikle Themen zum Beispiel lieber. Und mein Tattoo am rechten Unterarm verschwindet an Weihnachten immer unter dem Pulli.

"Wann heiratet ihr?", war in meiner Verwandtschaft regelmäßig die erste Frage, nachdem wir von meiner Schwangerschaft erzählt haben. "Vor der Geburt nicht mehr", meine diplomatische Antwort. "Viele heiraten halt vor der Geburt noch schnell standesamtlich", sagte eine meiner Tanten. "Ähm, kirchlich würden wir eh nicht heiraten", nuschelte ich. "Er ist ja nicht getauft", fügte ich hinzu und schämte mich dafür, meinen Freund vorgeschoben zu haben. Knappes Nicken. "Und wie heißt es dann mit Nachnamen?", fragte eine andere Tante. "Wie der Papa", sagte ich. Und verschwieg lieber, dass ich eigentlich immer wollte, dass meine Kinder wie ich heißen.

Aber mein Freund hat einen schönen Nachnamen – und dazu gute Argumente: "Es gibt nur noch meinen Bruder und mich, die den Namen weiterführen können", sagte er. Angesichts meiner Riesen-Verwandtschaft war ich in einer schlechten Verhandlungsposition. Ich habe mir dafür das Vetorecht bei den Vornamen gesichert. Was ich auch scherzhaft-stolz meinen Eltern verkündete.

Dass das sogar bei ihnen Fragen aufwirft, hätte ich nicht erwartet. "Wie funktioniert das denn jetzt, dass das Kind nach der Geburt seinen Nachnamen kriegt?", fragte meine Mutter ein paar Tage später am Telefon verwirrt. "Wir dachten, es bekommt automatisch den Namen der Mutter, wenn man nicht verheiratet ist." Ich erklärte ihr, dass man das je nach Wunsch festlegen könne. "Das macht man heute so, damit es dann wieder passt, wenn man heiratet", wusste meine Tante etwas später bei einer Familienfeier schon. Diesmal verschwieg ich, dass ich nicht vorhatte, den Namen meines Freundes anzunehmen, falls wir heiraten sollten. Besser, man präsentiert vollendete Tatsachen.

"Wisst ihr schon, was es wird?", wollte mein Onkel wissen. "Frühestens in ein paar Wochen", erklärte ich. "Ist uns auch egal – Hauptsache, er ist gesund", versuchte mein Freund bei meiner Verwandtschaft zu punkten. Alle grinsen, klarer Treffer. Obwohl er aus Berlin kommt, ist er nach mehreren Jahren auf dem niederbayrischen Land und zehn Jahren München mittlerweile sehr gut sozialisiert. Auf sein Tattoo am Oberarm sprach ihn niemand an.

Ein paar Tage später saß ich mit Kollegen in der S-Bahn. Beide Vorzeige-Stadtpapas, die jeweils 50 Prozent der Elternzeit übernommen hatten. Tätowierungsquote: ebenfalls 50 Prozent. "Wie macht ihr denn das mit der Elternzeit?", fragte mich einer. "Ich nehme zwölf Monate, er zwei", sagte ich. "Klassisch also, aber geht bei uns nicht anders." Ich grinste verlegen. Auf dem Land müsste ich mich dafür nicht rechtfertigen.


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Das war uns nicht wichtig
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