Gemeinsam schwanger: So hilft der Partner

Mehr Sport, keine Zigaretten mehr – Studien belegen: Gesund leben fällt uns leichter, wenn der Partner mitmacht. Gerade werdende Eltern können das für sich nutzen. So gelingt es

von Tanja Eckes, 06.03.2018
Gemeinsam Schwanger

Draußen an der frischen Luft spazieren zu gehen, ist zu zweit viel schöner


Rote-Bete-Sticks statt Erdnussflips, Nordic Walking statt Extreme Couching … "Während einer Schwangerschaft hinterfragen viele Frauen gemeinsam mit dem Partner ihr bisheriges Leben, gerade im Hinblick auf die kommende Aufgabe als Eltern: Wie können wir uns für unser Kind gesund halten? Welche Verhaltensweisen sollten wir ändern?", sagt Dr. Andreas Eickhorst, Diplom-Psychologe vom Deutschen Jugendinstitut in München mit dem Schwerpunkt Familientherapie und Vaterforschung. "Der Wunsch, gut für sich selbst zu sorgen, wird größer. Und da können sich die Partner prima unterstützen."

Zu zweit gesünder leben

Dass der geliebte Mensch tatsächlich großen Einfluss auf den eigenen Lebensstil hat, wiesen schon mehrere Studien nach. Eine Langzeitstudie des University College in London zeigte zum Beispiel: Wollen Frauen mit dem Rauchen aufhören und ihre Männer ebenfalls, schaffen es 50 Prozent der Partnerinnen, mit dem Rauchen aufzuhören. Qualmt der Liebste allerdings weiter, gelingt es nur acht Prozent der Frauen. Auch beim Sport steigt die Motivationskurve deutlich, wenn der Partner mitmacht. Zwei Drittel der Befragten zogen mit, sobald ihre bessere Hälfte auch körperlich in Schwung kam.

Ein Effekt, den werdende Eltern wunderbar nutzen können, meint die Hebamme Susanne Otte-Seybold aus Bad Vilbel vom Vorstand des Landesverbandes der Hessischen Hebammen e. V. Für viele Männer ist es heute selbstverständlich, dass sie die Schwangerschaft interessiert begleiten und sich einbringen. Zum Geburtsvorbereitungskurs gehen nahezu alle Partner inzwischen mit. "Für Eltern ist es aber auch eine prima Möglichkeit, sich im Team für die Rolle als Eltern zu wappnen, wenn sie zu Hause gemeinsam kochen oder gemeinsam Sport treiben und so ihre Lebensgewohnheiten zusammen gesünder gestalten", sagt ­Susanne Otte-Seybold.

Realistische Ziele stecken

Natürlich verwandelt sich ein eher gemütliches und genussfreudiges Paar nicht von heute auf morgen in vegane Marathonläufer. Muss es auch nicht. Erfolgversprechender: sich realistische Ziele stecken – und sich für eine Aktivität entscheiden, die beiden Spaß macht und trotzdem schwangerschaftstauglich ist. Ob zweimal die Woche zusammen ein paar Bahnen im Hallenbad ziehen oder jeden Tag eine Runde walken – gemeinsam motiviert es sich leichter. Und warum nicht die Partnerin mit gesundem Genuss verwöhnen? Im Internet leckere Vollwertgerichte heraus­suchen und nachkochen – das sind kleine Veränderungen, mit denen werdende Väter ganz einfach positive Impulse geben. Und ihren Einfluss sollten sie nicht unterschätzen. Sogar bei der Entscheidung, ob das Baby später gestillt wird, orientieren sich viele Frauen auch am Partner. Stillerfolg wie Stilldauer ließen sich in Studien ganz klar auf die Einstellung des Mannes zurückführen.

Leichter verzichten

Keine Frage: Schwangere müssen sich deutlich mehr einschränken als ihr Partner. Gelüste auf ein Glas Rotwein oder die Zigarette nach dem Essen? Verbietet den meisten die Vernunft, weil Genussgifte dem Kind und der eigenen Gesundheit schaden könnten. Trotzdem rauchen laut Studie der Universität Greifswald rund 20 Prozent aller werdenden Mütter weiter. Und nach einer aktuellen Auswertung trinkt jede vierte Deutsche mit Babybauch hin und wieder Alkohol. "In diesen Fällen hätte ein Signal des werdenden Vaters natürlich große Wirkung", sagt Andreas Eickhorst. "Kann er eigene Bedürfnisse zurückstellen, was Genussmittel betrifft, und sich mit der Partnerin zumindest zeitweise solidarisch zeigen, würde ihr ein Verzicht sicher leichterfallen."

Susanne Otte-Seybold rät den Männern jedenfalls nachdrücklich dazu, den eigenen Alkoholkonsum kritisch zu sehen. "Gerade in den letzten Wochen vor der Geburt sollten die Väter auch allein zur Beruhigung ihrer Partnerin grundsätzlich fahrtüchtig sein, falls ein Klinikbesuch notwendig wird", so die Hebamme. Kann der künftige Papa nicht von den Zigaretten lassen, darf er konsequent draußen rauchen und das nach der Geburt beibehalten.

Wünsche klar kommunizieren

Motivieren, nicht diktieren lautet für den partnerschaftlichen Coach die Devise. Gemeinsam gesünder leben bedeutet daher auch, sich vorsichtig an die jeweilige Verfassung und an die grundsätzlichen Vorstellungen der Partnerin heranzutasten. "Hilfreich ist dabei eine Wunsch-Übung", sagt Psychologe Eickhorst. Dabei sollen beide ihre Erwartungen an den anderen klar formulieren: 'Ich wünsche mir, dass du …' Manche Männer konzentrieren sich zum Beispiel sehr auf Wellness-Aspekte, bieten Massagen an, obwohl die Partnerin sich durch eine Unterstützung im Haushalt viel eher entspannen könnte."

Gegen solche Missverständnisse sind regelmäßige offene Ge­spräche das beste Rezept. Dann stellt sich vielleicht heraus, dass sie gerne gemeinsam mit ihm Rad fahren möchte – er aber sein Tempo drosseln muss. Um herauszufinden, was einem wichtig ist, helfen auch Anregungen von außen. Ob man ein Test-­Magazin zum Thema Schadstoff­­belastung liest oder sich eine TV-Doku über die Vermeidung von Mikroplastik im Meer ansieht: "All das bestärkt einen darin, bewusster und gesündere Entscheidungen für die gemeinsame Zukunft als Familie zu treffen", meint Otte-Seybold.


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