Das hilft gegen Dehnungsstreifen

Jeder Zentimeter, den die Babykugel wächst, stellt die Haut auf die Probe. Wie Sie Schwangerschaftsstreifen vorbeugen können – und wie sie sich entfernen lassen
von Daniela Frank und Nadja Katzenberger, aktualisiert am 30.11.2017

Erbliche Veranlagung kann das Risiko erhöhen, dass Dehnungsstreifen entstehen

istock/Pekic

Der weibliche Körper leistet in der Schwangerschaft Erstaunliches. Gegen Ende der neun Monate produziert und befördert er zum Beispiel bis zu zwei Liter mehr Blut und ist zwischen 9 und 20 Kilogramm schwerer als zuvor. Der Großteil des zusätzlichen Gewichts verteilt sich auf Bauch und Brüste. Vor allem an diesen Stellen muss sich die Haut um ein Vielfaches dehnen.

Eigentlich ist es also ein Wunder, wenn der Körper das ganz gut wegsteckt und die meisten Veränderungen wieder zurückbildet. Und es ist kein Wunder, dass nicht alles wieder genauso aussieht wie vorher. Zum Beispiel die Haut an Bauch und Busen. "Dehnungsstreifen kommen bei 50 bis 90 Prozent der Schwangeren vor", sagt Dr. Dimitra Kiritsi, Funktionsoberärztin an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Ursachen für Schwangerschaftsstreifen

Die Hormone in der Schwangerschaft verändern die Beschaffenheit der Haut. Sie wird dünner. Zusätzlich wird sie stark gedehnt. Überdehnt das Bindegewebe dabei, können die unteren Hautschichten einreißen. Durch die Risse schimmern die darunter liegenden Blutgefäße. Deshalb erscheinen Schwangerschaftsstreifen zunächst rötlich oder bläulich. Später verblassen sie und werden dünner. "Das dauert meist einige Monate – wie lange genau, ist von Frau zu Frau verschieden", sagt Kiritsi. Komplett verschwinden sie in der Regel nicht.

Fast jede Schwangere bekommt Dehnungsstreifen – schon daran lässt sich ablesen, dass es kaum möglich ist, sie zu vermeiden. Trotzdem gibt es Risikofaktoren, die Schwangere beeinflussen können, wie beispielsweise Übergewicht.

Risikofaktoren für Schwangerschaftsstreifen:

  • erbliche Veranlagung
  • Entstehung von Dehnungsstreifen in der Pubertät
  • junges Alter – die Haut junger Frauen ist noch straffer und reißt dadurch leichter
  • hohes Gewicht
  • starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • großes Kind oder Mehrlingsschwangerschaft

Fünf Tipps, um Dehnungsstreifen vorzubeugen

1. Gesund ernähren

Was wir essen, beeinflusst auch unsere Haut. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Fisch versorgen sie jetzt mit wichtigen Nährstoffen. Besonders Beta-Karotinoide (zum Beispiel in Brokkoli, Karotten, Paprika), Vitamin E (in Nüssen und Ölen) und Vitamin C (in Zitrusfrüchten) unter­stützen das Binde­gewebe. Und: "Viel trinken, am besten Wasser, ungesüßten Tee oder stark verdünnte Saftschorlen", rät Apothekerin Tanja Franz.

2. Regelmäßig bewegen

Bewegung kurbelt die Durchblutung an, schützt die Haut so besser vor Rissen. Wer vor der Schwangerschaft kaum Sport gemacht hat, muss jetzt nicht zur Leistungssportlerin mutieren. Sanfte Varianten wie Yoga, Walken oder Schwimmen sind gut für Mutter und Baby und schonen zudem den Beckenboden.

3. Kalt-warm-Reize setzen

"Wechselduschen fördern ebenfalls die Durchblutung der Haut", sagt Tanja Franz. Anwenden kann man sie von Beginn der Schwangerschaft: bei jedem Duschen Bauch, Busen, Po und Oberschenkel abwechselnd kalt und warm abbrausen. Dabei immer mit kaltem Wasser abschließen. Festigt die Haut zusätzlich: eine Massage mit einer weichen Bürste oder einem Luffahandschuh.

4. Mit Ölen pflegen

"Trockene Haut neigt eher zu Einrissen als eine, die gut mit Feuchtigkeit versorgt ist", erklärt die Apothekerin. Am besten täglich einölen: morgens und abends. Franz rät zu speziellen Schwangerschaftsölen. Sie enthalten keine Duft- und Konservierungsstoffe oder andere Subs­tanzen wie Retinoide, die nun ungeeignet sind. Weizenkeim- oder Mandelöl halten die Haut geschmeidig.

5. Sanft massieren

Gut in die Haut einmassiert, wirken Schwangerschafts­öle noch intensiver. Ideal: die Zupfmassage. So geht's:
a) Öl mit kreisenden Bewegungen auf dem Bauch verteilen.
b) Kleine Hautpartien zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, leicht nach oben wegzupfen, loslassen. Ganz sanft. Vom Bauch­nabel nach außen bis zum Rippenbogen zupfen.
c) Gegen Ende der Schwangerschaft die Haut nur noch sanft massieren. Bei vorzeitigen Wehen mit dem Frauenarzt sprechen.

Dehnungsstreifen entfernen lassen

Wer trotzdem die kleinen Risse bekommt, kann sich bei einem qualifizierten Hautarzt über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Generell gilt: In der ersten Zeit nach ihrer Entstehung sind die Streifen am besten behandelbar.

Direkt beginnen können Frauen mit erneutem regelmäßigem Eincremen. "Zwar gibt es zum Einsatz von Narbenpflegecremes keine großen Studien", sagt Ärztin Kiritsi. "Trotzdem ist Eincremen generell immer sinnvoll, egal mit welcher Creme." Frauen sollten sich nicht zu viel davon versprechen, aber es helfe auf jeden Fall, die Haut geschmeidig zu halten. Für andere Methoden wie Lasern oder Needling sollten sich Frauen nach der Geburt etwas Zeit lassen. "Bis der Körper wieder in einem Zustand ist, in dem er die Behandlung gut vertragen kann", sagt Kiritsi. Ein paar Monate zu warten sei kein Problem, schließlich ändere sich der Körper in der ersten Zeit wieder rasant.

Generell sei die Erwartungshaltung der Patientinnen an die Behandlung häufig hoch, berichtet die Expertin. "Leider ist der Effekt in der Regel nicht sehr groß", sagt sie. "Deshalb klären wir die Patientinnen intensiv auf." Mit all den unten beschriebenen Methoden ließe sich bei lediglich 40 bis 50 Prozent der Betroffenen eine moderate Besserung erreichen. Viele entscheiden sich angesichts der Kosten und des zu erwartenden geringen Effekts dann gegen einen Behandlungsversuch. Die Krankenkassen bezahlen solche Behandlungen nämlich nicht: Je nach Methode, Beschaffenheit der Haut und Areal kosten sie zwischen einigen Hundert bis einigen Tausend Euro. "Die Patientinnen, die es nach unserer Aufklärung trotzdem versuchen, sind dann schon meist zufrieden", sagt Kiritsi.

Behandlungsmethoden: Lasern oder Needling

Diese Behandlungsmethoden gibt es:

Der Farbstoff-Laser zerstört die Blutgefäße und eignet sich vor allem für frischere Risse und Narben. Er lässt sie schneller verblassen.

Für weiße Dehnungsstreifen und andere Narben eignet sich der sogenannte ablative Fraxel-CO2 Laser. Er verursacht viele winzige Löcher in den unteren Hautschichten und regt so die Bildung von neuem Bindegewebe an. Wie viele Sitzungen nötig sind, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. "Das ist abhängig davon, wie der Körper auf die Behandlung reagiert", sagt Kiritsi. "Meist wird mit einer geringeren Intensität begonnen zu lasern. Wenn das nicht ausreicht, steigert man sie. Bei manchen funktioniert es gut, bei manchen auch gar nicht." Im Schnitt müsse man mit mindestens fünf Sitzungen rechnen.

Die aggressivste Behandlungsform mit dem CO2-Laser ist die sogenannte Rio-Methode: Die Haut wird zuerst mit Vitamin-A-Säure behandelt und dann gelasert. "Das ist ein aggressives Abtragen der Haut, das nicht viele Zentren durchführen", sagt Kiritsi. "Es eignet sich bei jungen Müttern in vielen Fällen ohnehin nicht, da Vitamin-A-Säure während der Stillzeit tabu ist."

Mithilfe des sogenannten Micro-Needlings werden kleine Wunden in die Haut gestochen. Dadurch soll die Kollagenbildung angeregt werden. Zusätzlich wird meist ein Serum aufgetragen, das die Haut durch die kleinen Verletzungen besser aufnehmen können soll. "Die Wirksamkeit der Methode beim Arzt schätze ich ähnlich ein wie bei den Laserverfahren", sagt Kiritsi. "Allerdings wenden sie meines Wissens nach nicht viele Ärzte an den Universitäten an."

Problematisch sei, dass das Micro-Needling im Gegensatz zum Lasern keiner ärztlichen Zulassung bedürfe – jeder kann es anwenden. Es gibt sogar Nadelroller, -pens oder -stempel für den Hausgebrauch. "Nadelroller für zu Hause unterscheiden sich erheblich von denen für den medizinischen Gebrauch", sagt Kiritsi. "Sie haben einen viel geringeren Effekt, aber gleichzeitig ist das Risiko viel höher, etwas kaputtzumachen – schon alleine wegen der Infektionsgefahr." Die Expertin rät: Wenn gewünscht, das Needling unbedingt bei einem qualifizierten Arzt durchführen lassen.

Eine neue Methode ist auch das fraktionierte Micro-Needling mit Radiofrequenz. Sie kombiniert das Needling mit Ultraschallwellen, die die Kollagenbildung noch besser anregen sollen. "Ob dieses neuere Verfahren den anderen überlegen ist, ist noch nicht ausreichend untersucht", sagt Kiritsi.


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