Reisen mit Kind: Diese Impfungen sind empfohlen

Viele Infektionskrankheiten sind hierzulande so gut wie verschwunden. Anders kann es im Ausland aussehen. Gut also, wenn man bei der Urlaubsplanung frühzeitig an Impfungen denkt

von Marian Schäfer, 05.07.2018

Wer mit seinen Kindern in die Ferne reist, sollte auch auf deren Impfschutz achten


Dass Dr. Brigitte Dietz in ihrer Praxis zu Reiseimpfungen berät, kommt beinahe täglich vor. "Die Menschen sind mobiler geworden, und das trifft auch auf Eltern zu", sagt die Kinder- und Jugendärztin aus Taufkirchen bei München. Nicht selten nutzen sie auch die Elternzeit, um eine längere Fernreise zu planen. "In dieser Phase ist Zeit dafür. Verständlich, dass viele das wollen", sagt Brigitte Dietz.

Fernreise mit Baby?

Aber ist das auch ratsam? Wer diese Frage stellt, erhält von Experten unterschiedliche Antworten, je nachdem, ob sie mehr vom Kind (macht keinen Unterschied zwischen thailändischem und spanischem Sand) oder von den Eltern her denken und wie vorsichtig sie selbst sind.

Fakt ist: Je jünger ein Kind ist, desto weniger ist sein Immunsystem entwickelt und desto weniger ist sein Impfschutz komplett. "Schließlich dauert es allein mindestens 15 Monate (also länger als die übliche Elternzeit), bis es alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standard­impfungen erhalten hat", erklärt Brigitte Dietz. Diese sind – aus gutem Grund – nicht nur hierzulande, sondern in so gut wie jedem anderen Land der Welt angeraten.

Medizinerin Dietz, aber auch Dr. Jörg Wendisch, Kinderarzt und ­Leiter der städtischen Impfstelle in Dresden, raten daher, zumindest das erste Lebenshalbjahr mit Reisen zu ­warten. "Halten sich die Eltern an die STIKO-­­Empfehlungen, hat das Kind dann meist schon dreimal die Sechsfach- sowie zweimal die Pneumo­kokken- und Rotavirenimpfung be­kommen und damit bereits einen guten Schutz", so Wendisch. Erreger wie Polio, Tetanus oder Diphtherie (alle Teil der Sechs­fach­impfung) sind in einigen weniger entwickelten Ländern verbreitet.

Spezielle Reiseimpfungen hängen von der Art der Reise ab

Wer sich etwa beim Auswärtigen Amt mit möglichen Infektionen und den dazugehörigen Impfempfehlungen beschäftigt, stößt aber noch auf ganz andere Krankheiten: Typhus, Tollwut, Cholera, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis zum Beispiel – überall lauern Gefahren. Selbst nahe Ziele wie Österreich (FSME) oder Spanien (Hepatitis A) sind nicht frei davon. Also doch besser zu Hause bleiben?

Jörg Wendisch sagt: nicht unbedingt. "Die Frage ist oft nicht so sehr, in welches Land ich reise, sondern was ich dort wo vorhabe", meint der Mediziner und gibt ein Beispiel: "Wenn ich einen dreiwöchigen Strand­urlaub in Thailand plane, brauche ich nicht alle Impfungen. Bei einer dreiwöchigen Trekkingtour durch den Norden des Landes hingegen schon eher." Dann stünden Eltern mög­licherweise vor einem Problem, schließlich sind etwa Typhus-Impfungen erst ab zwei Jahren möglich.

Frühzeitig beraten lassen

Wendisch und Dietz raten deshalb dazu, sich frühzeitig individuell ­beraten zu lassen – etwa bei einem reisemedizinisch erfahrenen Kinder­arzt oder bei einem Tropen­institut. "Ideal ist es natürlich, wenn Familien die Impfberatung gleich mit der Planung der Reise verknüpfen und so gegebenenfalls auch noch einen Plan abändern können", meint Brigitte Dietz.

Sind mehrere Impfungen notwendig, empfiehlt die ­Kinderärztin, gut sechs Monate vor Reisebeginn damit zu starten: "Abgesehen davon, dass Kinder meiner Meinung nach nicht zig Stiche auf einmal bekommen sollten, muss man immer damit rechnen, dass sie krank werden – und auch ­­Nebenwirkungen auftreten können." Diese treten gerade bei sogenannten Lebendimpfstoffen wie etwa bei der Gelb­fieberimpfung häufiger auf, weshalb zwischen dieser Impfung und dem Reisebeginn mindestens zwei, drei Wochen liegen sollten.

Kosten beachten

Sich frühzeitig Gedanken über Impfungen zu machen, dafür spricht noch ein anderer Grund: die Kosten. Diese liegen zum Beispiel allein bei der Tollwutimpfung zwischen 200 und 300 Euro. "Wer mehrere solcher spezieller Reiseimpfungen braucht, kommt schnell auf einige Hundert Euro pro Person", sagt Jörg Wendisch. "Und ob die Kassen diese bezahlen, ist sehr unterschiedlich." In jedem Fall müssen die Kosten erst ausgelegt werden.


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