Mit der Familie zurück in die Heimat ziehen?

Ein kleineres Haus, ein anderer Job – trotzdem zieht es viele Familien wieder dorthin, wo sie herkommen. Was haben sie davon?
von Julia Jung, 18.09.2015

In der Heimat ein Nest bauen: Das wollen viele Großstädter, wenn sie Kinder haben

istock/Susan Chiang

Ohne Kinder war alles leicht. Man verreiste, wann man wollte, und suchte sich Arbeit dort, wo sie attraktiv war. Manchmal weit weg von den Eltern und Freunden. Dann kam ein fester Partner und später das erste Kind, gefolgt von Kita-Platz-Such­e, Verhandlungen um Teilzeit im Job und einem streng organisierten Tages­ablauf. Und es zeigte sich, dass die schmucke Stadtwohnung kaum kindgerecht war und die ­neuen Freunde wenig Babysitter-­Qualitäten hatten. Fernab der Heimat war nicht mehr alles so einfach.

Großeltern lösen oft das Betreuungsproblem

Vielen wird dann bewusst, wie hilfreich es wäre, die eigenen ­Eltern vor Ort zu haben. Sind sie in der Nähe, haben Familien oft ein Betreuungsproblem weniger. Tatsäch­lich packen immer mehr Erwachsene die Umzugskisten und ziehen zurück in die Heimat. Die Nähe zu den Eltern ist ein wichtiger Grund dafür. Heimweh ist ein weiterer. Gesamtdeutsche Studien dazu gibt es noch nicht. Zumindest für die neuen Bundesländer zeigt sich der Rückkehr-Trend schon sehr deutlich: "Die Quote der Rückwanderer von West nach Ost stieg bis 2010 auf mehr als acht Prozent. Rückkehrwillig sind sogar drei von vier Abwanderern", sagt Dr. Robert Nadler, der sich am Leibniz-Institut für Länder­kunde in Leipzig unter anderem mit dem Thema beschäftigt.

Rückkehr aus familiären Gründen

In einer zweiten Studie suchten Nadler und seine Kollegen über ­eine Online-Befragung nach den Gründen für den Rückzug. "Während die meisten wegen der Arbeitsmarktsituation aus den ­neuen Ländern fortzogen, kommen sie aus familiären und sozialen Gründen wieder", erklärt er. Wichtige Motive für die Abwanderung treten bei der Rückkehr also in den Hintergrund. "Der Moment der Familiengründung spielt da sicherlich eine große ­Rolle", sagt Robert Nadler. Das zeigt auch das Alter der meis­ten rückgekehrten Studienteilnehmer: Sie sind zwischen 25 und 45 Jahre alt.

Ein weiterer Grund dürfte für viele die Wohnsituation sein. Während es für ein kinderloses Pärchen herrlich war, in der Stadt Restaurants, Arbeitsplatz und Freunde an einem Fleck zu haben, setzen sie mit Kindern andere Prioritäten. Und die steigenden Immobilien- und Mietpreise in vielen Großstädten tun ihr Übriges. Das pure Land in Form des Heimatdorfes wollen sie aber auch nicht unbedingt: "Viele Rückkehrer ziehen lieber in Städte und pendeln dann teilweise auch zu Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen", so Nadler.

Größte Hürde ist die Arbeitsplatzsuche

Die Arbeitsplatzsuche ist einer der gro­ßen Knackpunkte der Idee, als Familie den Schritt zurück in die Heimat zu tun – manchmal Hunderte Kilometer vom aktuellen Job entfernt. Vor allem Rückkehrer in den Osten machen die Erfahrung, dass sie zwar Arbeit finden, diese aber im Schnitt zehn Prozent schlechter bezahlt wird als im ­Westen. "Auch die Selbstständigen-Quote und die Zahl der Teilzeitbeschäftigten sind höher als ­unter denjenigen, die noch in den alten Bundesländern wohnen", so ­Nadler. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten geringer, sodass sich diese Einbuße zumindest teilweise­ finanziell wieder ausgleicht.

Dass die Heimkehrwilligen vor Ort Arbeit finden, verdanken viele auch sogenannten Rückkehrer-Agenturen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern sieht darin einen gro­ßen Nutzen und fördert solche Initia­tiven. "Wir vermitteln nicht nur Jobs", sagt Chris­tina Kralisch, Projektleiterin bei der Agentur mv4you. "Wir haben auch ein großes Netzwerk und können zum Beispiel mit Kontakten für die Kitaplatz-Suche helfen." Chris­tina Kralisch hört von vielen ihrer Klienten immer wieder, was Nadlers Zahlen bestätigen: Für die ­eigene kleine und für die große Familie zieht man ­gerne um.


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