Wie Kinder Frustrationstoleranz entwickeln

Klingt hart, aber: Im Leben scheint nicht immer die Sonne. Lernen Kinder früh, mit Frust umzugehen, schützt sie das ein Leben lang

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 02.03.2016
Bockiges kind

Grrrr! Kinder sollten schon früh lernen, mit Ärger und Rückschlägen umzugehen


Unbedingt auf den Kinderstuhl, jetzt, sofort! Erst versuchte der Kleine, den Stuhl von vorn zu besteigen. Klappte nicht, zu kurze Kinderbeinlänge. Dann probierte der Eineinhalbjährige die Stuhl-Besteigung von der Seite. Fehlanzeige. Das Möbel kippte. Schließlich krabbelte er von hinten in den Stuhl, setzte sich darauf wie ein König und strahlte. Geschafft!

In diesem Moment hatte der kleine Enkel von Diplom-Pädagogin Gabriele Pohl eine wichtige Erfahrung gemacht. Er hat das erlebt, was Entwicklungsforscher "Selbstwirksamkeit" nennen. Ausprobieren, hinfallen, wieder aufstehen, von vorne anfangen: Das, was uns Erwachsenen als schwierig erscheint, "können Kinder eigentlich ganz natürlich. Sie haben von sich aus eine hohe Frustrationstoleranz", sagt Pohl. Mit Scheitern und Ausprobieren entwickeln sie "Abwehrkräfte, um störende Einflüsse von außen zu bearbeiten", erklärt der Berliner Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Professor Klaus Hurrelmann.

Klaus Hurrelmann

Niederlagen meistern lernen

Ein Ziel im Auge behalten, dranbleiben, sich nicht ablenken und entmutigen lassen: Nur wer dazu in der Lage ist, kann auch als Erwachsener erfolgreich Krisen und Niederlagen meistern. Dazu brauchen Kinder aber noch eine weitere Fähigkeit: die sogenannte "Impulskontrolle", also die Fähigkeit, mit unguten Gefühlen angemessen umzugehen. Nur, wie lernen Kleine das?

Weg mit zu viel Lob! Das ist Hurrelmanns wichtiger Rat an alle Eltern. "Überdosierte Anerkennung macht Kinder schwach", sagt der Bildungsforscher. Also nie mehr loben? Das nun auch nicht. "Man muss Kinder für das Richtige loben", so Hurrelmann. Intelligenz und Schönheit gehören nicht dazu.

Zu viel Lob kann Kinder frustrieren

Lobt man Kinder nämlich für eine bestimmte Eigenschaft, zu der sie selbst aktiv nichts beitragen müssen, passiert Folgendes: Beim ersten Misserfolg nimmt das Selbstbild des Kindes Schaden. Wenn Eltern ein Kind etwa dafür loben, dass es schlau ist, reagiert das Kind in der Regel frustriert, wenn es dennoch eine schlechte Note schreibt – und strengt sich künftig nicht mehr an. Anders, wenn Eltern den Fleiß von Kindern loben. So erhält das Kind den Eindruck, dass nicht angeborene Eigenschaften, sondern es selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist. Studien zeigen: Kinder, die für ihren Fleiß gelobt werden, bewältigen 50 bis 60 Prozent mehr schwierige Rechenaufgaben als Kinder, die für ihre Intelligenz gepriesen wurden. 

Was können Eltern noch tun? "Viel Geduld haben", sagt Hurrelmann. "Sich auch mal gelassen angucken, wenn Dinge bei ihrem Kind nicht auf Anhieb funktionieren." Und einem Kleinen bloß nicht beispringen, wenn er gerade versucht, einen Stuhl zu erklimmen.


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