Wie lange sind Medikamente haltbar?

Eine gut sortierte Hausapotheke ist oft essentiell. Nur leider verliert man leicht das Haltbarkeitsdatum aus den Augen. Von der richtigen Lagerung ganz zu schweigen. Tipps von einer Expertin

von Annabelle Fischer, 30.01.2018

In einem hohen Schrankfach ist die Hausapotheke vor Kindern sicher


Mein Kind bekommt nachts plötzlich hohes Fieber. Könnte ich ihm im Notfall ein abgela­u­fenes Zäpfchen verabreichen?

Prof. Dr. Mona Tawab: Generell sollte man sich an die Haltbarkeitsdaten halten. Nur dann ist die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit gewährleistet.

Auch wenn das Medikament erst kürzlich abgelaufen ist?

Auch dann. Ich rate dringend dazu, die Haltbarkeit zu beachten, alles andere ist eigenverantwortliches Handeln. Besser: Im Notfall die Notdienst-Apotheke aufsuchen.

Was ist der Unterschied zu dem Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Joghurt?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Nahrungsmitteln bedeutet, dass die Ware 'mindestens' bis zu diesem Datum bei korrekter Lagerung haltbar ist. Es schließt nicht aus, dass der Joghurt über dieses Datum hinaus verzehrt ­werden kann. Dann muss der Verbraucher nach Geruch, ­Geschmack und Konsist­enz urteilen.

Und bei Medikamenten …?

Bei Arzneien handelt es sich um ein Gewährleistungsdatum: Der Hersteller übernimmt die Garantie auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Qualität. Dieses Datum beruht auf Stabilitätsstudien. Nach Ablauf des angegebenen Datums ist die Stabilität der Stoffe nicht mehr 100-prozentig vorhanden.

Darf ich eine Kopf­schmerz­­tablette, die schon ­zerbröselt ist, noch nehmen?

Ich rate davon ab, zerbröselte Tabletten zu nehmen. Bei Kopfschmerztabletten ist zum Beispiel der Wirkstoff Acetylsalicylsäure sehr empfindlich. Er reagiert mit Luft und Feuchtigkeit und setzt Essigsäure frei.

Gilt das auch für ein Kinder-Fieberzäpfchen, das in der Verpackung weich ­­wurde und dann wieder hart?

Wenn das Zäpfchen nur weich geworden ist und die Form sich nicht verändert hat, kann es noch verwendet werden. Ist es aber ganz geschmolzen, würde ich es nicht mehr benutzen. Beim Wiedererstarren kann nämlich eine Form enstehen, die dem Kind wehtut!

Wie lange halten sich zum Beispiel Augen­tropfen, bis sie nicht mehr gut sind?

Augentropfen sind ­geschlossen steril. Wenn sie geöffnet werden und mit Haut beziehungsweise Bakterien in Kontakt kommen, verunreinigen sie. Das kann zu schweren Augenentzündungen führen. Deshalb ist die Aufbrauchsfrist dringend einzuhalten! Am besten schreibt man das Öffnungs­datum auf die Verpackung. Ich empfehle Einmaldosen, die sind hygienischer.

Wie verhält es sich mit Salben und Säften?

Auch geöffnete Salben und Säfte sollten nach dem vorgegebenen Zeitraum nicht mehr verwendet werden.

Könnte man Medikamente in den Kühlschrank legen und so die Haltbarkeit verlängern?

Nein, Arzneien sind kein ­Essen! Medikamente müssen so gelagert werden, wie es auf dem Beipackzettel steht. Dass ein Medikament im Kühlschrank gelagert werden muss, ist die Ausnahme, aber auch dann gilt: bitte nicht einfrieren!

Eignet sich der Badezimmerschrank für eine Hausapotheke?

Um Himmels willen weg vom Bad! Durch das Duschen oder Baden herrscht hier häufig eine hohe Luftfeuchtigkeit, die keinem Medikament guttut.

Wie wäre eine Arznei­kiste im Kleiderschrank?

Prinzipiell gut. Ob dazu ­eine Metall-, Holz- oder Schuhschachtel verwendet wird, ist ­sekundär. Wichtig ist, dass die Kinder nicht drankommen.

Kann man die Tabletten ohne Schachtel ­aufheben, um Platz zu ­sparen?

Am besten bewahrt man die angebrochenen Medikamente immer in der Primärverpackung und dem mitgelieferten Umkarton auf – beides ein wichtiger Schutz.

Unsere Expertin Professor Dr. Mona Tawab ist stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker in Eschborn


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