Wie Sie Kopfläuse bei Kindern bekämpfen

Ein Befall mit Läusen versetzt Eltern oft in Schrecken. Dabei sind die Tiere zwar nervig, aber eigentlich kein Drama. Sieben Mythen im Check – und wie Sie die Krabbler loswerden
von Marian Schäfer, Sandra Schmid, aktualisiert am 28.07.2017

Fast jedes Kind ist einmal von juckenden Kopfläusen betroffen

Jupiter Images GmbH/Photos.com

Kopfläuse! Oh nein! Panik! Wenn Eltern das große Krabbeln auf den Köpfen ihres Kindes entdecken, ist die Aufregung groß. Wie konnte das passieren? Warum unser Kind? Dabei ist ein Kopfläusebefall nicht selten, in der Regel ungefährlich und mit etwas Geduld gut zu behandeln. Die Sorgen betroffener Eltern rühren oft von längst überholten Mythen her. Wir haben die Wichtigsten überprüft und eine Apothekerin gefragt, was bei Läusebefall hilft.

Da mangelt es wohl an Hygiene!

Falsch. "Läuse sagen nichts über die Hygiene eines Kindes aus. Wenn überhaupt, dann stehen sie für ein gutes Sozialverhalten: Wer Läuse hat, scheint seinen Kopf häufiger mit anderen zusammenzustecken", sagt Dr. Till Reckert, Kinder- und Jugendarzt in Reutlingen. Bei Mädchen nisten sich Läuse aller­dings dopppelt so häufig ein wie bei Jungen. Ein Grund ist vermutlich, dass Mädchen beim Spielen enger zusammenrücken als Jungen. Bei ­einer Befragung von Grundschulkindern in Düsseldorf stellten Forscher ­­übrigens fest, dass 85 Prozent der Kinder in der Vergangenheit mindestens einmal Kopfläuse hatten. Es trifft also fast ­jeden einmal.

Die übertragen doch Krankheiten!

Falsch. "Von Läusen ­direkt geht keine Gefahr aus", sagt Till Reckert. Nach längerem Lausbefall ­können Bissstellen allerdings jucken. "Fangen Kinder dann an zu kratzen, können die Stellen sich infizieren. Dafür ist aber Schmutz verantwortlich – und nicht die Laus."

Die Läusesaison hat begonnen!

Falsch. Läuse haben ­immer Saison, und das vermutlich schon seit Millionen von Jahren. "Wirksame Substanzen gegen ­Läuse (siehe unten) sind noch eine recht ­junge Erfindung", sagt Mediziner ­Reckert. Aller­dings vermelden Arzneimittelhersteller ­immer wieder, dass sie in den Monaten September und Oktober besonders viele Mittel gegen Kopf­läuse verkaufen. Warum sich die ­Fälle in dieser Zeit häufen, ist nicht abschließend geklärt. ­­Eine Möglichkeit: Es infizieren sich in der Urlaubszeit tatsächlich mehr Kinder, weil sie – zum Beispiel in Ferien­lagern – ­öfter die Köpfe zusammenstecken. ­Ein anderer möglicher Grund: Eltern ­schicken ­ihren Nachwuchs am Ende der gro­ßen Ferien noch einmal zum Friseur, wo die Läuse dann vermehrt entdeckt werden.

Die fliegen doch!

Falsch. Läuse fliegen nicht. Und sie hüpfen auch nicht. "Aber sie krabbeln sehr geschickt umher und schwingen sich wie Tarzan von Haar zu Haar", sagt Till Reckert. So gut wie ­immer werden Läuse auch über direkten Haarkontakt übertragen. "Durch gemeinsam sehr zeitnah benutzte Mützen oder Bürsten passiert das dagegen äußerst selten."

Alles desinfizieren, aber schnell!

Falsch. Eine ordentliche Laus verlässt niemals freiwillig das menschliche Haar und damit den Kopf, der sie ernährt. "Larven brauchen stündlich Blut, erwachsene Läuse ­alle zwei bis sechs Stunden", erklärt Reckert. Kleidung, Bettwäsche oder Kuscheltiere zu desinfizieren, zu waschen oder in die Tiefkühltruhe zu stecken, ist ­also nicht notwendig. Wollen ­Eltern ganz sichergehen, legen sie das Kopfkissen und den Lieblingsschmuse­bären für ­­einen Tag beiseite. "Das ­Letzte, was Eltern bei einem Lausbefall aber brauchen, ist ein Berg Bettwäsche und ein Kind, das schreit, weil sein Kuscheltier tiefge­froren werden soll", meint Till Reckert.

In die Kita nur mit Attest vom Arzt!

Falsch. Zwar verpflichtet das Infektionsschutzgesetz Eltern von Kita- und Schulkindern dazu, einen Lausbefall der Einrichtung zu melden. Am besten tun sie das auch in Hort und Sportverein – eben überall dort, wo sich das Kind regelmäßig aufhält. "Ein ärztliches Attest ist aber nicht ­nötig. Die Kinder ­können schon nach der ersten Behandlung mit einem richtig angewendeten und zugelasse­nen Mittel wieder in die ­Kita oder zur ­Schule", so Reckert. Viele Einrichtungen verlangen von den Eltern eine Bestätigung über die Behand­lung. Bei ­einigen Läusemitteln hängt eine solche zum Abreißen am Beipackzettel.

Und jetzt zu dir, Papa!

Nicht ganz falsch. "Wenn es einen Lausbefall gibt, sind die Kontaktpersonen auf jeden Fall gefährdet­. Das gilt für Eltern wie für die Gruppe in der Kita oder für die Klasse in der Schule", sagt Reckert. Deshalb müssen sie aber nicht sofort zum Läuse­mittel greifen. "Wichtig ist, dass alle Kontaktpersonen gründlich untersucht werden", so Reckert. Das gilt auch, wenn sie sich sicher sind, keine Läuse zu haben. "Ein Befall ist häufig völlig symptomlos", erklärt der Kinderarzt. Teilweise halten sich Läuse, die entdeckt wurden, schon Monate auf dem Kopf auf.

Entwicklungsstadien der Laus

Auf einem befallenen Kopf befinden sich meist Läuse in all ihren Lebenszyklen. Die ausgewachsene Laus ist ungefähr drei Millimeter lang, durchsichtig bis leicht gräulich und hat sechs Beine. Die Farbe hängt aber auch davon ab, wie satt die Laus gerade ist. Hat der Parasit Blut gesaugt, schimmert dieses rötlich durch den Chitinpanzer. Daneben befinden sich auf dem Kopf Läuse in früheren Entwicklungsstadien und die sogenannten Nissen: Die Hüllen der Läuseeier.

Das Läuseweibchen befestigt ihre Eier mit einem selbst produzierten Klebstoff seitlich am Haaransatz. Dies passiert vornehmlich in der unmittelbarer Nähe der Kopfhaut, weil dort die optimale Temperatur für die Larvenentwicklung herrscht. Gut zu wissen: Nissen, die sich weiter als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt befinden, sind leer oder gefahrlos. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen die Larven, auch Nymphen genannt.

Nach insgesamt 14 bis 21 Tagen haben sich die Larven in ausgewachsene Läuse verwandelt, die ihrerseits wieder Eier legen können. Läuseweibchen leben etwa vier Wochen und können in ihrem kurzen Leben 100 bis 300 Eier legen. Befindet sich die Laus abseits einer Futterquelle, also beispielsweise in der Kleidung oder auf der Couch, stirbt sie nach spätestens zwei bis drei Tagen.

Das Jucken beim Läusebefall kommt von den Stichen der Tiere: Sie zapfen die Kopfhaut mit Hilfe eines spitzen Saugrüssels an. Ähnlich wie bei Mücken sorgt ihr Speichel dafür, dass das Blut nicht gerinnt. Dieser Speichel erzeugt den Juckreiz – und auch die Fäkalien der Kopfläuse jucken.

Wie erkenne ich, wenn mein Kind Kopfläuse hat?

Gibt es einen Lausbefall in der Kita­, kratzt sich das Kind auffällig oft am Kopf oder hat es ­rote Flecken vor allem im Nackenbereich und hinter den Ohren? Dann die Haare mit Spülung ­einreiben und mit einem Kamm mit gröberen Zinken glatt kämmen. Im nächsten Schritt jede Strähne mit einem Läusekamm durchkämmen. "Diese haben einen Zinken­abstand von 0,2 bis 0,3 Milli­meter", erklärt ­Sophie Kelm, Apothekerin in Ellerau.

Wichtig: den Kamm an der Kopfhaut ansetzten. Verwenden Sie ein weißes Tuch, um nach jeder Strähne den Kamm auszustreichen und nach Läusen (groß wie Sesam­­samen), Larven (Sandkörner mit Beinen) oder Eiern zu suchen.

Wie behandelt man Kopflausbefall?

Es gibt Mittel mit chemischen oder physikalischen Wirkstoffen rezeptfrei in der Apotheke. "Die chemischen wirken wie Nervengifte auf die Tiere, die physikalischen verstopfen deren Atemwege", erklärt Sophie Kelm. In der Regel rät sie Eltern zu physikalischen Mitteln – und erlebt dies auch bei Kinderärzten. "Die Mittel wirken sehr gut, sind verträglich und werden nicht vom Körper aufgenommen, wenn sie etwa durch Kratz- oder Bisswunden hineingelangen."

Die Anwendung ist simpel: Mittel richtig dosieren, gut einreiben und einwirken lassen. Wichtig ist, sich an die Anleitung zu halten: "Oft werden die Mittel zu niedrig dosiert oder zu kurz im Haar gelassen", sagt Kelm. Nach dem Einwirken die Haare mit Shampoo auswaschen und noch einmal auf Läuse untersuchen. Achtung: Einige Inhaltsstoffe der Läusemittel sind leicht entflammbar. Bei der Behandlung nicht rauchen oder Haare heiß föhnen! 

Wie lange muss ich behandeln?

"Zwar werben die ­Hersteller ­damit, dass die Mittel Läuse wie Eier vernichten. Darauf verlassen kann man sich aber nicht", sagt Sophie Kelm. Um sicher zu gehen, rät das Robert-Koch-Institut zu folgendem Plan: Tag 1: Behandlung mit dem Läusemittel, Tag 5: Spülung und Auskämmen, Tag 9 oder 10: erneute Behandlung mit dem Mittel, Tag 13 und 17: erneutes Auskämmen mit Spülung.

Wann muss man mit Läusen zum Arzt?

Läuse sind an sich kein Grund für einen Arztbesuch. Bei Babys, Schwangeren und Stillenden empfiehlt er sich trotzdem. Genauso, wenn Läuse sehr häufig auftreten oder Behandlungen fehlschlagen. Kratzen sich die Kinder ständig am Kopf, kann es zu Entzündungen der Kopfhaut kommen. Dann auch auf jeden Fall einen Kinderarzt konsultieren.


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