So wird der Garten kindersicher

Giftpflanzen, Regentonnen, Pflanzendünger: Im Garten lauern viele Gefahren für Kinder. Worauf Eltern achten sollten

von Barbara Weichs, aktualisiert am 07.08.2015

Kleine Gärtnerin bei der Arbeit: Gut, wenn nichts passieren kann


Ein eigener Garten: für Eltern eine herrliche Vorstellung. Die Kinder einfach ins Freie lassen, ohne dass man sie ständig im Blick haben muss. Wie schön, wenn sich der Traum vom Häuschen mit Garten erfüllt oder der Zuschlag für einen Schrebergarten kommt. An was viele dann nicht denken: In angelegten Gärten wachsen oft Pflanzen, die Kindern gefährlich werden können. "Bei manchen ist es nur ein Teil wie ­etwa die Beeren, Nadeln, Blätter oder Samen, bei anderen ist von der Wurzel über die Rinde bis hin zu den Blüten alles giftig", sagt Martin Breidbach, Gartenbau-Ingenieur beim Verband Wohneigentum in Bonn. Nach Reinigungsmitteln und Medikamenten sind Giftpflanzen der häufigste Grund, weshalb sich Eltern an ­eine Vergiftungszentrale wenden.

Allerdings: "Nur selten führt eine Pflanzenvergiftung zu schweren Vergiftungserscheinungen, Todesfälle sind sogar ­äußerst selten", sagt Dr. med. Carola Seidel, stellvertretende Leiterin der Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn. Denn Kinder probieren häufig nur und essen sich nicht satt, die aufgenomme Giftmenge ist daher meist gering. Manche Pflanzensäfte reizen Augen und Schleimhäute. Andere führen zu Verbrennungen, sobald die Sonne auf die betroffene Hautstelle scheint.

Wie giftig welche Pflanzen sind

Übernimmt eine Familie einen bereits an­gelegten Garten, sollten die Eltern zuerst eine Erkundungstour machen und prüfen: Welche Pflanzen sind vorhanden? "Den besten Überblick erhalten Sie, wenn Sie eine komplette Wachstums­periode beob­achten", erklärt Martin Breidbach. Wer kein guter Pflanzenkenner ist und Hilfe­ beim Identifizieren braucht, kann sich zum Beispiel an eine Baumschule­ wenden. Giftige Pflanzen würde der Experte dann jedoch nicht automatisch entfernen. Drei Kriterien helfen bei der Entscheidung: 1. Wie giftig ist die Pflanze? 2. Wo steht die Pflanze? 3. Wie alt sind die Kinder?

"Nicht alle Giftpflanzen sind gleich giftig. Wir unterscheiden drei Giftigkeitsklassen", sagt Carola Seidel. Da sind zum ­einen die schwach giftigen wie Feuerdorn, Schnee­beere oder Efeu. Sie bereiten maximal Bauchweh, wenn ein Kind von ihnen nascht. Zu den stärker giftigen zählen zum Beispiel Maiglöckchen, Pfaffenhütchen oder Lorbeerkirsche. Kostet ein Kind von ­ihnen, kann es schon deutlichere Vergiftungs­erscheinungen zeigen, wie zum Beispiel Erbrechen oder Herzrhythmusstörungen.

Stärker wirkend und daher sehr giftig – zum Teil sogar lebensbedrohlich – sind hingegen Seidelbast, Tollkirsche, Blauer ­Eisenhut, Herbstzeitlose, Fingerhut, Engels­­trompete, Eibe, Stechapfel, Goldregen und Oleander. Nicht von jeder giftigen ­Pflanze geht ­eine gleich hohe Gefahr aus. Die Frage ist nämlich immer: Welcher Pflanzenteil ist giftig? "Eine Wurzel verlockt Kinder nicht so sehr zum Essen wie eine glänzende Beere", erklärt Martin Breidbach.

Alternativen zu giftigen Pflanzen

Außerdem spielt der Standort der Pflanzen eine Rolle. Wachsen die Maiglöckchen beispielsweise direkt neben der Schaukel oder hängen die Blüten des Goldregens auf die Terrasse ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder auf sie aufmerksam werden. Anders sieht es mit dem Efeu aus, der am entlegenen Zaun hochrankt. Nutzt eine Familie mit Baby oder Kleinkind einen Garten, sollte sie hochgiftige Pflanzen entfernen.

Die Gefahr, dass die Kleinen in einem unbeobachteten Moment damit in Berührung kommen, ist zu groß. Es gibt zudem ausreichend Alternativen, die den Garten dann schmücken: Geranien und Fuchsien für die Terrasse, Blausternchen oder Traubenhyazinthen als Frühblüher. Bei den Gehölzen könnte man auf Hage­buttenrose oder Zierapfel ausweichen.

Nicht vergessen sollten Eltern aber auch, dass selbst Nutzpflanzen Bauchweh machen können – wenn der Nachwuchs etwa Bohnen roh oder unreife Stachelbeeren probiert. "Niemand würde aber deshalb diese Gemüse- und Obstpflanzen aus dem Garten verbannen. Eltern müssen ­ihren Nachwuchs gerade im Kleinkindalter besonders im Blick behalten", sagt Breidbach.

Wie Kinder den Umgang mit Giftpflanzen lernen

Ab etwa drei Jahren sind Kinder langsam in der Lage, den richtigen Umgang mit giftigen Pflanzen zu lernen. Einmal darauf hinweisen reicht jedoch nicht aus. "Das Ganze ist ein längerer Prozess, den Eltern mitbegleiten sollten", erklärt der Gartenbau-Ingenieur. Kinder müssen dabei erfahren, von welcher Pflanze für sie Gefahr ausgeht. Dass sie zum Beispiel nur jene ­Früchte essen dürfen, die ihnen Mama und ­Papa erlaubt haben. Man kann ihnen aber auch erklären, dass giftige Pflanzen im Naturhaushalt ­eine bedeutsame Rolle spielen.

Denn für Insekten, Vögel und Kleintiere stellen diese eine wichtige Lebens- und Nahrungsgrundlage dar. "­Eine intakte Natur braucht vielseitig gestaltete Gärten – mit blühenden Gewächsen, Früchte tragenden Pflanzen, Stauden, Sträuchern und Bäumen. Da es in der aufgeräumten Landschaft immer weniger Flächen gibt, die Tieren als Rückzugsort dienen, übernehmen unsere Gärten zunehmend diese Funktion", sagt Breidbach.

Andere Gefahrenquellen im Garten

Eltern sollten aber nicht nur die Pflanzen, sondern auch andere Gefahrenquellen in ihrem Garten kennen. ­Stromanschlüsse zum Beispiel. Steckdosen brauchen ­eine Kindersicherung. Werkzeuge wie scharfe Sägen oder Scheren müssen für Kleine unerreichbar verstaut werden. Ebenso Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Lampenöl. Vorsicht auch bei Wasser! "Der Teich als Gefahrenquelle ist den meis­ten Eltern bewusst. Er befindet sich zudem häufig im Sichtbereich der Erwachsenen", sagt Breidbach. Tröge oder Fässer, in denen Regenwasser gesammelt wird, vergessen hingegen viele. Gerade wenn sie nicht mit einem Deckel verschlossen sind, locken sie Kinder an. "Hier kann es schnell passieren, dass ein Kind kopfüber in die Tonne fällt."

Nach jedem Winter den Garten überprüfen

Der Experte rät, einmal im Jahr ­einen Grundcheck des Gartens durchzuführen: Gibt es Risse in Bäumen oder sind ­Äste morsch, vor allem von Kletterbäumen? Liegt Schnittgut herum, an dem Dornen sind? Guckt vielleicht irgendwo ein Kabel heraus? Sind an Schaukel und Klettergerüst alle Schrauben fest? Trägt die Leiter zum Baumhaus das Gewicht der Kinder? Breidbach: "Am besten macht man das nach den Wintermonaten, bevor der Garten wieder bespielt wird."


Wann hatten Sie nach der Geburt Ihres Kindes zum erstem Mal wieder Sex?
Ergebnis
Mit dem Nachwuchs in die Ferien: Was überwiegt?
Ergebnis