Schamlippenverklebung: Was jetzt zu tun ist

Wenn die Schamlippen verkleben, kann das beim Wasserlassen Probleme bereiten. Zum Glück ist die Behandlung oft unkompliziert

von Julia Schulters, aktualisiert am 23.09.2015

Oft fällt bei der Vorsorge auf, wenn die Schamlippen des Babys verklebt sind


Für viele Eltern ist die Diagnose im ersten Augenblick ein Schock: eine Schamlippenverklebung? Steckt da etwa ­eine Fehlbildung der Genitalien dahinter? "Keine Sorge", sagt die Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Petra ­­Zieriacks aus Bergisch Gladbach. Die sogenannte Labiensynechie bei Mädchen sei nur ein vorübergehendes Problem. "In den allermeis­ten Fällen ist sie völlig harmlos und sehr gut zu behandeln", beruhigt die Medizinerin. Das Phänomen tritt gar nicht so selten auf: Bei bis zu zwei Prozent aller Mädchen verkleben die kleinen Schamlippen im Lauf der ersten sechs Lebensjahre.

Ursache der Schamlippenverklebung: Hormonmangel

Aber wie kommt es dazu? "Schuld ist ein Hormonmangel", sagt ­Zieriacks. Eine Labien­synechie tritt bei Mädchen fast immer in der hormonellen Ruhe­phase auf, also vor der Pubertät. In dieser Zeit produzieren die Eierstöcke noch ­keine Östrogene. "Die weiblichen Geschlechtshormone sorgen bei erwachsenen Frauen dafür, dass die Haut im Bereich der Schamlippen gut durchblutet und damit geschützter ist", erklärt die ­Ärztin. Steht der Genitalbereich dagegen nicht unter Östrogeneinfluss, wie etwa bei kleinen Mädchen oder bei Frauen in der Menopause, ist die Haut im Intimbereich anfälliger für winzige Verletzungen und Entzündungen. "Wenn die betroffenen Stellen abheilen, kann es schon mal passieren, dass die Schamlippen an ihren Rändern miteinander verkleben", so die Expertin.

Vielen Eltern fällt eine Labiensynechie gar nicht auf. Meist entdeckt der Kinderarzt die Verklebung bei einer Vorsorge­untersuchung: Der Scheideneingang bei betroffenen Mädchen ist dann ganz oder teilweise verschlossen. An der Stelle, wo die kleinen Schamlippen miteinander verklebt sind, kann man eine feine weiße "Naht" erkennen.

Probleme beim Wasserlassen möglich

"Je nachdem, wie stark die Labiensynechie ausgeprägt ist, kann sie auch Probleme machen", sagt ­Petra Zieriacks. Sie erlebt immer wieder, dass Eltern mit ihren Töchtern in ihre Praxis kommen, weil diese scheinbar plötzlich wieder einnässen. "In Wahrheit tröpfelt bei den Kindern nach dem Toilettengang immer ein bisschen Urin nach", erklärt die Medizinerin. Der Grund: Durch die Verklebung hat sich bei den Mädchen eine Art Reservoir gebildet, in dem sich der Urin eine Zeit lang sammelt. Im schlimmsten Fall kann das Infektionen der Scheide und der Harnwege zur Folge haben.

Nicht eigenhändig öffnen – meist hilft Creme

Deshalb muss eine Labiensynechie behandelt werden. Auf keinen Fall sollten Eltern versuchen, die "Naht" eigenhändig zu öffnen. Ärzte verschreiben betroffenen Kindern in der Regel ­eine niedrig dosierte östrogenhaltige Creme. Die Eltern müssen sie ein paar Wochen lang täglich auf die Verklebungsnaht auftragen. "Meistens löst sich die Verklebung schon innerhalb von ein paar Tagen", sagt Zieriacks. Wichtig sei aber, dass die Therapie nicht vorzeitig abgebrochen werde. Nur in Ausnahmefällen ist es nötig, die Verklebung mit einer Sonde zu öffnen.

Falsche Intimhygiene kann zu erneutem Verkleben führen

Allerdings: Nicht selten verkleben die Schamlippen nach einiger Zeit erneut. "Eine übertriebene Intimhygiene ist sehr häufig der Grund dafür", sagt die Kinderärztin Zieriacks. Sie warnt Eltern daher davor, dauerhaft Feucht­tücher oder Einmal-Waschlappen zu benutzen. "Sie sind einfach zu aggressiv für die empfindliche Haut", sagt sie. Die Folge: erneute Reizungen. Besser sei es, bei der täglichen Hygiene klares Wasser zu verwenden. Es reiche zur Reinigung der Genitalregion absolut aus.


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