Hygiene bei Babys: Wie viel Sauberkeit zu viel ist

Hygiene im Babyhaushalt ist wichtig, keine Frage. Aber zu viel ist auch nicht gut, sagen Experten. Welche Maßnahmen nötig sind und auf welche Eltern getrost verzichten können

von Julia Schulters, 03.04.2018
Kind isst Dreck

Sand im Mund? Ekelig, aber nicht gefährlich


Wir Eltern können oft gar nicht so schnell gucken, wie kleine Kinder sich etwas in den Mund stecken – den dreckigen Schnuller, das Gummi­bärchen auf dem Boden oder die Handvoll Sand. Igitt, die ganzen Keime, schießt es uns sofort durch den Kopf! Aber wie blitzblank muss der Boden für Krabbelkinder sein? Muss fürs Neugeborene alles desinfiziert und sterilisiert werden?

"Hygiene im Babyhaushalt ist wichtig, aber man sollte sie mit gesundem Menschenverstand anwenden", sagt Prof. Dr. Martin Exner vom Institut für Hygiene und Public Health der Universität Bonn. Eine sterile Umgebung brauchen Babys nicht. "Kinder müssen sogar mit Mikroorganismen in Kontakt kommen, um eine gesunde Darm- und Hautflora aufbauen zu können", sagt er. Denn genau die schützt uns letztlich auch vor krank machenden Keimen, vor denen uns Hygiene bewahren will. Penibler müssen Eltern von Frühchen sein. "Sie sind empfindlicher und brauchen strengere Hygienemaßnahmen", sagt Simone Logar vom Berliner Hebammenverband.

Für reif geborene, gesunde Babys und Kleinkinder empfehlen die Experten folgende Regeln:

Hände waschen

Auf der Wochenbettstation hängt das Desinfektionsmittel meist schon im Eingangs­bereich der Zimmer. Und zu Hause? Muss man sich da auch die Hände desinfizieren, bevor man das Baby anfasst? "Unnötig", sagt Hygiene-­­Experte Exner. Wasser und Seife reichen. Ausnahme: wenn Eltern oder Geschwister eine Magen-Darm-Grippe oder einen Infekt haben. Auch im Krankenhaus ist die Händedesinfektion sinnvoll.

Schnuller säubern

"Ist der Schnuller zu Hause auf den Boden gefallen, reicht es, ihn kurz mit Wasser abzuspülen", sagt Simone Logar. Gleiches gilt für unterwegs, wenn irgendwie möglich – am besten mit heißem Wasser! Bei älteren Babys (ab sechs Monate) oder Klein­kindern tut es auch ein Spritzer aus der Trinkflasche. "Einen stark verschmutzten Schnuller würde ich aber lieber einpacken und zu Hause abkochen", rät die Hebamme. Auch vor dem ersten Gebrauch den Sauger abkochen.

Übrigens: Ob das Ab­lecken von Schnullern hygienisch bedenklich ist, darüber sind sich Experten uneinig. Zahnärzte warnen davor, dass Eltern damit Karies­bakterien auf die Kinder übertragen können. Manche Forscher vermuten dagegen, dass die Weitergabe der elterlichen Mundbakterien das Immunsystem der Kleinen mobilisiert und sie sogar vor Allergien schützen kann.

Wichtig: Eltern mit Lippenherpes lecken bitte nie den Schnuller ab, um die Viren nicht auf das Kind zu übertragen! Sie können gerade für Neugeborene sehr gefährlich sein.

Fläschchen reinigen

Sterilisieren oder einfach nur ausspülen? "Wasser und Spüli reichen", sagt Simone Logar. Sie rät Eltern, die Fläschchen mit einer Extra-Bürste, heißem Wasser und Spülmittel zu reinigen. Danach abtrocknen und kopfüber auf ein sauberes Handtuch stellen.

Wichtig: Flaschen und Sauger sofort reinigen, sonst bildet sich ein keimanfälliger Nahrungsrestefilm, der sich nur schwer entfernen lässt. Silikonsauger sind weniger anfällig für Bakterien. Latexsauger sind poröser und sollten daher regelmäßig abgekocht und ausgetauscht werden.

Wasser ablaufen lassen

"Die Trinkwasserqualität ist hierzulande so gut, dass man sich das Abkochen eigentlich  sparen kann", sagt Martin Exner. Wer sichergehen will, um etwa eine Bakterienverunreini­gung durch das hauseigene Leitungssystem auszuschließen, kann das Wasser in den ersten Lebensmonaten abkochen. Tipp: Leitungswasser ablaufen lassen (z. B. fürs Blumengießen auffangen), bis kühles Wasser nachkommt, dann ist es frisch.

Wichtig: Milchfläschchen immer erst kurz vor dem Füttern zubereiten!

Babygläschen aufbrauchen

Kinder essen anfangs oft nur Mini-Portionen. Kann man dann den noch nicht erwärmten Rest im angebrochenen Glas am nächsten Tag füttern? "Prinzipiell ist das kein Problem", sagt Exner. "Man sollte die Gefäße aber nur mit sauberen Händen öffnen." Angebrochene Gläschen sind ein Nährboden für Keime. Die gewünschte Breimenge daher mit einem sauberen Löffel entnehmen und den nicht erwärmten Rest im Kühlschrank aufbewahren. "Spätestens nach 24 Stunden sollte das Gläschen dann aber aufgebraucht sein", rät Exner.

Böden reinigen

Sobald der Nachwuchs mobiler wird, ist der Fußboden der Spielplatz. "Wo Kinder krabbeln und spielen, sollte er sauber gehalten werden", rät Exner. In spezielle Bodenreiniger für den Babyhaushalt müssen Eltern nicht investieren. "Ein milder Neutral- oder Essigreiniger reicht absolut aus", sagt Hebamme Logar.

Dreck aus Babys Mund holen

Eine Handvoll Spielplatz-Sand oder ein paar Krümel vom dreckigen Boden – viele Dinge, die im Babymund verschwinden, sind zwar eklig, aber nicht gefährlich. Dafür sorgt auch die Magensäure, die fast alle Bakterien ab­­tötet. Landen Sand oder Erde im Mund, diesen am besten mit klarem Wasser ausspülen. Treten nach dem Verzehr Erbrechen oder Durchfall auf oder sind Eltern unsicher, bitte den Kinderarzt zu Rate ziehen. Vorsicht bei herumliegenden Zigarettenkippen: Ihr Nikotin ist für Kinder giftig.


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