Heiser, laut, hoch: Stimmprobleme bei Kindern

Häufig heiser? Dann könnte das Kind unter Schreiknötchen an den Stimmlippen leiden. Sie sind harmlos, sollten aber behandelt werden

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 23.07.2015

Lautes Schreien kann die Heiserkeit und Schreiknötchen bei Kindern verursachen


Für die Stimmen ihrer eigenen Kinder haben die meisten Eltern kein gutes Ohr: Sie hören sie schließlich jeden Tag, haben sich also daran gewöhnt, wie ihr Kleines spricht. Und deshalb fällt es den Vätern und Müttern in der Regel nicht groß auf, wenn ein Kind ständig heiser ist, zu laut, gepresst oder zu hoch redet.

Stimmveränderungen oft durch Schreiknötchen bedingt

Äußerst hellhörig wird in solchen Fällen dagegen Phoniaterin Prof. Dr. med. Annerose Keilmann. "Jede Heiserkeit oder Stimmveränderung, die länger als drei Wochen andauert, sollte von einem Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie oder einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden", sagt die Leiterin des Schwerpunkts Kommunikationsstörungen der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

Hinter dem Phänomen können sich ­­sogenannte Schreiknötchen auf den Stimmlippen verbergen, die die Sprechfähigkeit einschränken. Sie sind Folge einer hyperfunktionellen Dysphonie, wie Ärzte dieses Krankheitsbild nennen.

Ursache: Häufiges lautes Sprechen

Jungen haben sie öfter als Mädchen, auf dem Land kommen Schreiknötchen seltener vor als in der Stadt, Zweitgeborene fallen häufiger damit auf als ihre älteren Geschwister. Die Erklärung dafür: Wenn sich Kinder mit mehr Stimmgewalt durchsetzen wollen, riskieren sie, ihre Stimmlippen überzustrapazieren. Und das hat Konsequenzen: Beim zu lauten Sprechen werden die Stimmlippen stark gespannt. Sie schwingen nicht mehr frei und locker, sondern nur noch mit hohem Kraftaufwand. Das überanstrengt das empfindliche Stimmorgan. Zunächst entstehen Schleimfäden und schließlich auch Stimmlippenknötchen.

Was sind Schreiknötchen?

Schreiknötchen werden auch als Stimmlippenknötchen bezeichnet. Rund 60 verschiedene Muskeln sind beteiligt, wenn Luft aus der Lunge in Richtung Kehlkopf strömt. Dort bringt sie die Stimmlippen zum Schwingen. Schließen die Stimmlippen nicht richtig, weil auf ihnen etwa Knötchen sitzen, können sie nicht frei schwingen. Das Ergebnis: eine heisere, angestrengte Stimme.

Mit falschem Stimmgebrauch zum Arzt

Schreiknötchen sind gutartige Veränderungen. Sie ­verschwinden meist von selbst spätestens in der Pubertät wieder. Bei ­Erwachsenen treten Stimmknötchen dann nur noch bei Frauen auf oder bei Tenören, die ständig hoch singen. Warum sich also sorgen? Das Problem: Schreiknötchen bei Kindern zeigen, dass das Kleine seine Stimme ständig falsch gebraucht. Und das verliert sich nicht von selbst.

"Je älter ein Kind ist, umso schwieriger wird es, ihm den falschen Stimmgebrauch wieder abzugewöhnen", sagt Ärztin Keilmann. Auch wenn Eltern oft nicht merken, dass mit der Stimme ihres Nachwuchses etwas nicht in Ordnung ist: "Wenn sie darauf angesprochen werden, sollten sie in jedem Fall zum Arzt."

Heiserkeit behandeln: Was der Pädaudiologe macht

Als Erstes untersucht der Stimmexperte die Ohren. Wenn ein Kind nicht gut hört, spricht es nämlich oft unwillkürlich lauter. Mit einem flexiblen Endoskop, das durch die Nase eingeführt wird, untersucht der Arzt anschließend den Kehlkopf. Auch über den Mund lässt sich der Kehlkopf spiegeln und genau erkennen, ob der Schluss der Stimmlippen gut funktioniert.

Das klingt unangenehm, macht aber den meisten Kindern keine Probleme. "Oft zeige ich den Kindern an mir selbst, wie die Untersuchung funktioniert, und erkläre ihnen genau, was passiert", sagt Keilmann. Nur wenn ein kleiner Patient die Untersuchung verweigert, kommen beispielsweise Beruhigungsmittel zum Einsatz, "aber das ist wirklich nur sehr selten nötig", sagt die Expertin.

Ruhe in der Familie hilft

Dann geht es an die Behandlung. Als Erstes fragt die Ärztin genau nach: In welchem Umfeld lebt das Kind? Ist es gezwungen, laut zu sprechen, um sich Gehör zu verschaffen? "Häufig bringt schon etwas mehr Ruhe in der Familie Entspannung für die Stimme", sagt Keilmann. Ab dem späten Kindergartenalter können Kinder zur Logopädin gehen, die mit ihnen sys­­tematisch einen entspann­ten Umgang mit der Stimme übt.

Das ist wichtig, denn die Stimme ist wie die Visitenkarte eines Menschen. "Klingt sie angenehm, wirkt er gleich viel sympathischer", erklärt Keilmann. Ein weiterer Gesichtspunkt: "Menschen, die mit ihrer Stimme Probleme haben, können Berufe, bei denen viel gesprochen wird, später nicht aus­üben", so Annerose Keilmann.

Beruhigend: Nur in äußerst seltenen Fällen stecken hinter Stimmstörungen ernste Erkrankungen. Relativ häufig kommen bei Kindern aber sogenannte Papillome vor. Darunter versteht man himbeerförmige Wucherungen, die den Stimmapparat besiedeln. Sie treten als Folge einer Virusinfektion auf und verschwinden nicht von selbst wieder. In diesen Fällen hilft eine Operation.


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