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HPV-Impfung für Jungen

Bis vor kurzem gab es nur für Mädchen eine Impfempfehlung gegen Gebärmutterhalskrebs – nun übernehmen die Kassen auch die Kosten für eine HPV-Impfung bei Jungen

von Larissa Gaub, aktualisiert am 16.07.2018
Mädchen beim Arzt

Die HPV-Impfung ist nicht mehr nur für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen


Mit einem kleinen Piks Krebs vorbeugen: In Deutschland gibt es seit mehr als zehn Jahren die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV). Das Virus kann bei Mädchen und Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Übertragen werden die Viren vor allem beim Sex – durch den Kontakt der Schleimhäute. Deswegen ­empfiehlt die Ständige Impfkommission (­STIKO) Mädchen schon vor dem ers­ten Geschlechtsverkehr impfen zu lassen – mit neun bis 14 Jahren. Auch für Jungen in diesem Alter gibt es seit Juni 2018 eine Impfempfehlung.

Unter Experten wurde dies schon länger diskutiert. Und das hat zwei Gründe: Jungen können zwar ­keinen Gebärmutterhalskrebs bekommen, aber sie übertragen das Virus. "Wenn die Jungen geimpft sind, schützen sie ­­ungeimpfte Partnerinnen", sagt Dr. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst in Heidelberg. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass geimpfte Jungen das Virus an Mädchen weitergeben."

Bisher sind über 200 verschiedene HP-Virustypen bekannt, etwa 40 davon befallen die Geschlechtsor­gane. Die HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge stecken sich drei Viertel der sexuell aktiven Frauen einmal in ihrem Leben mit dem Virus an, was nicht bedeutet, dass die Frauen Krebs bekommen. In Deutschland erkranken jährlich über 4600 Frauen an einem Zervixkarzinom. Die häufigsten Papilloma­viren Typ 16 und 18 sind weltweit für 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

Impfung auch für Jungen sinnvoll

Aber auch unter Jungen sind HPV-Infektionen weit verbreitet. Laut einer amerikanischen Untersuchung wies fast jeder ­zweite Mann im ­Alter zwischen 18 und 59 Jahren den Erreger im Genital­bereich auf. Und vor manchen Folgeerkrankungen der HP-Viren sind auch Jungen nicht geschützt. "In selte­­nen Fällen können die ­Viren auch bei ihnen Krebsvor­stufen oder Krebs am Penis, am ­After oder im Mund-Rachen-Bereich auslösen", sagt Weg-­Remers. Zusätzlich können Jungen wie Mädchen nach einer Infektion unschöne, aber harmlose Genitalwarzen bekommen. Weg-Remers hält es deshalb für sinnvoll, beide Geschlechter zu impfen: "So schützen sich die Sexualpartner gegenseitig".

Dr. ­Miriam Wiese-Posselt ist Epidemiologin am Robert-Koch-Institut. Sie betreut Studien über die Wirksamkeit der HPV-Impfung bei Jungen. Auf diesen Daten basierend, gibt die STIKO ihre Empfehlungen. "Bezogen auf die HPV-Impfung bei Jungen gibt es noch nicht so viele Daten. Aber die, die wir haben, zeigen gute Ergebnisse", sagt die Epidemiologin. So schütze die Impfung die Jungen zu 80 bis 90 Prozent vor Krebsvorstufen. Das ist auch das entscheidende Argument, warum die STIKO sich nun entschlossen hat, für Jungen eine Impfempfehlung auszusprechen. Die Kommission hat die bisher vorhandenen Forschungsergebnisse ausgewertet und Analysen erstellt. Das Ergebnis: Die HPV-Impfung von Jungen kann langfristig tausende von Krebserkrankungen zusätzlich vermeiden.

Niedrige Impfraten in Deutschland

Eine australische Studie zeigte unlängst den Nutzen der Impfung. Dort wurde 2007 ein nationales Impfprogramm eingeführt. Die Mädchen können sich dort auch in den Schulen impfen lassen, die Impfraten sind entsprechend hoch. Dadurch gingen HPV-bedingte Erkrankungen inner­halb kurzer Zeit um 92 Prozent zurück.

In Deutschland sind die Impfraten laut Robert-Koch-Institut niedrig: Die Hälfte der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren ist einmalig gegen HPV geimpft. "Um ­einen Schutz von 98 Prozent zu erhalten, muss ein Mädchen zwei bis drei Mal geimpft werden", erklärt Professor Thomas ­Nicolai von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Diesen Schutz haben nur 40 Prozent der Mädchen. "Das ist zu wenig, als das auch ungeimpfte Jungen sich vor einer Ansteckung schützen können", erklärt Nicolai. Auch er befürwortete eine Impfung für ­beide Geschlechter, gibt jedoch zu bedenken: "Gleichzeitig ist es dennoch so, dass der Schutz vor HP-Viren für Mädchen entscheidender ist als für Jungen."

Kinderarzt berät zur HPV-Impfung

Wer seinen Sohn impfen lassen möchte, kann sich beim Kinderarzt erkundigen. "Alle zugelassenen Impfstoffe können für die Impfung von Jungen verwendet werden", sagt Miriam Wiese-Posselt. Es gibt einen ­­neunvalenten Impfstoff, der sieben krebserregende Virustypen und zwei gegen Feigwarzen abdeckt, sowie ­einen quadrivalenten, der vor zwei krebserregenden Virustypen sowie zwei gegen Feigwarzen schützt.

Beide Stoffe gelten als sicher und gut verträglich. Als Nebenwirkungen lis­tet der Deutsche Krebsinformationsdienst hauptsächlich Empfindlichkeit und Rötung der Einstichstelle sowie Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen auf. "­Schwere Zwischenfälle wurden nach sorgfältiger Prüfung aller vorliegenden Daten nicht ursächlich mit den Impfstoffen in Zusammenhang gebracht", heißt es.

Der Gemeinsame Bundesausschuss aus Spitzenvertretern von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken hat im September 2018 beschlossen, die HPV-Impfung nun auch für Jungen im Alter zwischen neun und 14 Jahren in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen.


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