{{suggest}}


Der Mama-Coach: Erfüllt leben mit Kindern

Kinder können uns zur Weißglut treiben – und wir unsere Kinder. Wie wir bei Streit die innere Stopp-Taste drücken und erfüllt mit Kindern leben

von Tanja Misiak, 26.04.2019
Mutter umarmt ihre zwei Kindern

So harmonisch kann es zwischen Eltern und Kindern nicht immer sein – aber vielleicht ein bisschen öfter


Neulich hatte mein Sohn einen ziemlich großen Wutanfall. Er hat gebrüllt, um sich geschlagen und die Tür zugeknallt. Meine Kleine hatte die Magen-Darm-Grippe, das reichte mir auch schon. Ein schöner Nachmittag sieht anders aus.

In mir bebte eine genervte Stimme, die mehrere Reaktionen für meinen Sohn parat hatte: "Reiß dich zusammen", "Du verhältst dich voll daneben", "Siehst du nicht, dass ich mit der Kleinen genug beschäftigt bin?" Es gelang mir dennoch, mich zurückzuhalten und nichts davon zu sagen.

Keiner dieser Sätze, die in mir tobten, hätte die Situation besser gemacht. Auf Wut mit Wut zu reagieren verschlimmert nur alles und führt in einen Teufelskreis. Zu einfach ist es auch, dem Kind die Schuld zuzuschieben. Es kann am wenigsten etwas für meine Überforderung.

Oft bekommen wir gute Tipps, wie wir bei einem Wutanfall unseres Kindes mit ihm umgehen sollten. Doch dabei überspringen wir einen wichtigen Schritt. Nämlich zunächst zu lernen, mit uns selbst liebevoller umzugehen. Wenn wir das schaffen, behandeln wir auch unsere Kinder anders. Angespannte Situationen verlieren schneller ihre Ladung oder entstehen vielleicht gar nicht erst.

1. Ich gehe mit mir anders um

Während des Wutanfalls meines Sohnes beobachte ich meine eigene innere Reaktion. Die ist erst mal ge­nervt: "Jetzt der auch noch!" In dieser Stimmung könnte ich mich gefangen fühlen. Doch ich habe gelernt, dann bewusst eine innere Distanz aufzubauen. Ich akzeptiere einfach: Ich bin überfordert. Ich würde gerne liebevoll für alle da sein; stattdessen nervt mich jeder und alles. Ich erlaube mir, mir selbst gegenüber großzügiger zu sein. Das Gefühl der Genervtheit weicht – noch in der Situation – langsam Verständnis und Mitgefühl. Und zwar zu­­erst mir selbst gegenüber: "Ja, es ist gerade nicht einfach", "Ich stelle mich der Verantwortung", "An der Situation kann ich als Mutter und Mensch wachsen", "Jeder kleine Schritt ist wertvoll." Der genervte Anteil in mir fühlt sich gesehen, gewertschätzt. Ich spüre ein Gefühl des Wohlwollens. Ich kann mich meinem Sohn wieder besser zuwenden.

2. Ich gehe auf mein Kind neu zu

Die inneren Stimmen haben sich nun verändert: "Er hat Stress", "Er braucht mich, und ich bin gerade nur für seine Schwester da." Ich entwickle Verständnis für meinen Sohn, kann anders reagieren. Der Teufelskreis bricht auf. Schließlich sage ich zu meinem Sohn: "Ich sehe, dass du wütend bist, und mir geht es auch nicht gut, weil ich nicht weiß, wie ich jetzt alles richtig machen kann." Er lernt so, dass Wut ein Gefühl ist, das sein darf. Er ist richtig, selbst mit Wut im Bauch. Ich kann ihm auch durch meine authentisch ruhige Tonlage und Körperhaltung vermitteln: Er ist gesehen, sicher und geliebt. Wir halten seine Wut gemeinsam aus. Nach einer Weile kuscheln wir uns zusammen aufs Sofa, die Wut ist verraucht.

Übung: Erfüllt leben mit Kindern

Mit dieser Übung können Sie sich auf herausfordernde Situationen mit Ihrem Kind vorbereiten. In der Hitze des Gefechts ist das anspruchsvoll. Reflektieren Sie daher Stress-Situationen in ruhigen Momenten. Üben Sie, Ihr Inneres zur Ruhe zu bringen. Stellen Sie sich immer wieder vor, wie Sie mit Ihren Kindern wohlwollend und liebevoll sind. Und wenn es darauf ankommt: Wertschätzen Sie Ihre noch so kleinen Erfolge.

Schritt 1: Rufen Sie sich eine Situa­tion mit Ihrem Kind ins Gedächtnis, in der es wü­tend war und Sie nicht so reagieren konnten, wie sie wollten. Wo waren Sie, wann war das, was haben Sie gesagt, was Ihr Kind?

Schritt 2: Reflektieren Sie: Wie fühlen Sie sich in der Situation? Was denken Sie? Was sagen Sie innerlich zu sich selbst und tatsächlich zu Ihrem Kind? Bewahren Sie dabei bewusst Distanz zu Ihren Gefühlen und Gedanken.

Schritt 3: Fragen Sie sich: Wie hätten Sie sich lieber gefühlt? Vielleicht gab es eine vergleichbare Situation, in der Sie ruhiger reagiert haben? Stellen Sie sich vor, wie die entgleiste Situation idealerweise verlaufen wäre. Was ist anders, was fühlen Sie? Verständnis? Wertschätzung? Geduld?

Schritt 4: Stellen Sie sich vor, wie Sie als Ich der idealen Situation jetzt zu Ihrem überforderten Ich der reflektierten Situation gehen. Versuchen Sie, sich das zu geben, was Sie brauchen, zum Beispiel Wertschätzung. Alleine die Vorstellung hilft, diese Gefühle in sich wachsen zu lassen.

Schritt 5: Wie fühlen Sie sich nun in Ihrer Vorstellung Ihrem Kind gegenüber? Spüren Sie eine Veränderung, wenn Sie sich selbst mehr wertschätzen? Werden Sie auch Ihrem Kind gegenüber wohlwollender? Versuchen Sie es.

Schritt 6: Was möchten Sie Ihrem Kind in Ihrer idealen Vorstellung sagen? Spüren Sie Liebe und Mitgefühl, sagen und tun Sie etwas aus vollem Herzen. ­Idealerweise haben Sie es geschafft, die Wut anzuerkennen und ziehen zu ­­lassen.

Mehr als Stress

Sollten Sie merken, dass Sie stark ­gestresst sind oder Sie diese Gefühle nicht unter Kon­trolle bringen, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge kann ein erster Anlaufpunkt sein: 0800/11 101 11


Ab welchem Alter konnte Ihr Kind laufen?
Zum Ergebnis
Wer macht bei Ihnen mehr im Haushalt?
Zum Ergebnis