Aromatherapie für Kinder: So wirken ätherische Öle

Es klingt ein bisschen nach Esoterik: Aromatherapie. Doch Forscher wissen, dass sich ätherische Öle für unsere Gesundheit nutzen lassen – auch bei Kindern

von Marian Schäfer, 20.02.2018
Aromatherapie für Kinder: So wirken ätherische Öle

Wenn Kinder an Bronchitis leiden, wirkt ätherisches Öl mit Thymian schleimlösend


Wie gelangen Duftstoffe in den Körper?

Sylvia Trautmann, Apothekerin und Aromatherapeutin in Dresden, nennt zwei Wege: "Inhalieren wir ätherische Öle, gelangen die Aromen über die Nasen- sowie Bronchialschleimhaut in unser Blut und ins Gehirn", sagt sie. Auch durch Massagen, Kompressen oder Bäder ist ein Effekt möglich.

Wie wirken Aromen?

Zwar weisen Ergebnisse von Anwendungs­studien bei vielen Düften darauf hin, dass diese wirken. Wie genau dies geschieht, ist nur bei wenigen erforscht, etwa beim Lavendel, dessen Öl entspannt: "Seine Duftmoleküle docken an speziellen Rezeptoren in der Riechschleimhaut an", sagt Trautmann. "Dadurch werden Impulse ausgelöst, die über Nerven in das limbische System des Gehirns geleitet werden, die unter anderem an der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt sind. Im Fall des Lavendels führt dies zu einer entspannten Stimmung."

Mittlerweile wurden Inhaltsstoffe verschiedener Duftöle pharmakologisch analysiert und einige Wirkungen bestätigt: Thymol, das Hauptaroma des Thymians, wirkt zum Beispiel auf die Darmtätigkeit und beeinflusst damit die Verdauung. Maiglöckchenaromen lassen Spermien schneller schwimmen, und die Aromen des Jasmins sollen Bochumer Forschern zufolge auf Schlaf und Stimmung ähnlich gut wirken wie Psycho­pharmaka.

Kann ich Düfte bei Kindern anwenden?

Eltern können es mit der Aromatherapie ver­suchen. Allerdings sollte dies immer in Rücksprache mit dem Kinderarzt oder einem aromatherapeutisch erfahrenen Apotheker erfolgen. "Fest steht, dass  die meisten ätherischen Öle für Kinder gut verträglich sind", sagt Sylvia Trautmann. Generell gelte: Öl niedrig dosieren und stark verdünnen – etwa mit Wasser im Bad oder bei Inhalation. Tabu sei Eukalyptusöl. Auch Menthol, Kampfer und Pfefferminz dürfen bei Babys und Kleinkindern nicht verwendet werden, weil sie Atemnot auslösen können.

Welche Anwendungsformen eignen sich?

Bis auf Kapseln eigentlich alle. "Beliebt sind bei Kindern Wickel, die zum Beispiel zur Schleim­lösung und Bronchienerweiterung bei Erkältungen oder zum Fiebersenken genutzt werden können", so Trautmann. Auch Bäder und – vor allem bei Babys – Massagen tun den Kleinen gut. Bei beidem hilft neben den Ölen der Körperkontakt, das Wohlbefinden zu steigern.

Vermehrt setzt auch die Schulmedizin Aromatherapie unterstützend ein – etwa bei Geburten, in der Palliativmedizin, bei schlecht heilenden Wunden sowie antibiotikaresistenten Keimen. "Viele ätherische Öle zeigen Effekte gegen Bakterien, Pilze und sogar gegen Viren und haben den Vorteil, selbst keine Resistenzen zu bilden", erklärt Aromaexpertin Trautmann.

Gibt es Unverträglichkeiten?

Ja, das kann passieren. "Bei Kindern mit empfindlicher Haut sollten Öle stark verdünnt und Salben zunächst klein flächig in der Armbeuge aufgetragen werden", erklärt Trautmann. Treten nach 15 Minuten keine Rötungen oder Quaddeln auf, verträgt das Kind den Stoff. Bei stark allergisch reagierenden Kindern auf Duftöle besser verzichten.

Was zeichnet ein gutes Duftöl aus?

Viel verrät das Etikett: Neben dem botanischen Pflanzennamen muss der rechtlich geschützte Begriff "naturrein" darauf stehen. Dann wurden keine synthetischen Stoffe verarbeitet. Bezeichnungen wie "naturidentisch" stehen oft für künstlich hergestellte oder gestreckte Öle. Möglicherweise können sie Allergien auslösen oder fördern. Wer sichergehen will, dass das Öl qualitätiv hochwertig ist, kauft es in der Apotheke.


Empfinden/empfanden Sie schwanger sein eher als schön oder als beschwerlich?
Zum Ergebnis
Haben Sie Ihr Kind schon einmal krank in die Kita geschickt?
Zum Ergebnis