Periduralanästhesie (PDA): Geburt ohne Schmerz?

Viele Frauen entscheiden sich bei der Entbindung für eine Periduralanästhesie. Wir erklären, für wen die PDA geeignet ist und wo die Risiken liegen

von Sandra Schmid, aktualisiert am 11.05.2016

Geburt ohne Schmerzen? Die PDA-Methode hilft den Frauen, sich bei der Geburt zu entspannen


Fakt ist: Eine Geburt tut weh! Es sei denn, der Arzt bringt Schmerzmittel oder eine Anästhesie zum Einsatz. In Deutschland gebären viele Frauen mit Periduralanästhesie (oder Epiduralanästhesie, kurz: PDA). Dabei wird die Schwangere durch eine Spritze in die Wirbelsäule so betäubt, dass sie vom Schmerz der Geburt oft kaum mehr etwas mitbekommt. Kritiker warnen aber auch vor Nebenwirkungen. Wir zeigen Vor- und Nachteile auf.

Wie funktioniert die PDA?

Die PDA wird bei vielen Operationen als Schmerzhemmer angewendet, erfährt aber vor allem in der Geburtshilfe eine immer größere Bedeutung und Beliebtheit. Wenn sich die werdende Mutter aktiv für eine PDA entscheidet – und diese Voraussetzung muss erfüllt sein! – , dann erhält sie diese in der Regel auch. Die Gründe dafür können ganz verschiedene sein: Eine Periduralanästhesie kann bei einem Kaiserschnitt angewendet werden oder auch "nur", um die Mutter von den Ängsten und Schmerzen einer Geburt zu befreien.

Um die Nadel richtig setzen zu können, wird die PDA im Sitzen oder Liegen gelegt. Die Schwangere sollte sich entspannen und den Rücken krümmen. Verkrampft sie, kann die Nadellegung unangenehm und schmerzhaft sein. Die Einstichstelle wird desinfiziert und örtlich betäubt. Der Anästhesist führt eine Hohlnadel zwischen zwei Dornfortsätzen der Wirbelsäule ein und schiebt dann einen sehr schmalen Katheter­ bis in den Bereich über der harten Rückenmarkshaut vor: in den sogenannten Periduralraum. Er enthält die Wurzeln der schmerzleitenden Nervenfasern. Von dort wirkt das Betäubungsmittel. Es heftet sich an die schmerzleitenden Nerven­fasern und verhindert, dass der Schmerz weiter­­transportiert wird. Durch den Katheter kann ein schmerzlinderndes Medikament bei Bedarf immer wieder nachgespritzt werden. Bis die PDA wirkt, dauert es etwa zehn bis 20 Minuten.

Viele Kliniken bieten inzwischen auch die patientenkontrollierte Schmerztherapie an (patient controlled epidural analgesia, kurz: PCEA). Quasi per Knopfdruck können die Frauen über eine Pumpe dann selbst bestimmen, wie viel an Schmerzmittel sie akut brauchen. Spezielle Sicherungen verhindern eine Überdosierung.

Wer bekommt eine PDA?

"Jede Frau mit einer normalen Schwangerschaft sollte erst einmal versuchen, das Kind ohne Schmerzmittel zur Welt zu bringen", sagt Ursula Jahn-Zöhrens, Hebamme aus dem Raum Pforzheim. Grundsätzlich gilt aber: Wünscht die Frau während der Entbindung eine PDA, wird in der Regel auch eine gemacht. Geburtshelfer bieten die Betäubung bisweilen von sich aus an, wenn zum Beispiel die Geburt ins Stocken gerät, die Frau über unerträgliche Schmerzen klagt und sehr abgekämpft ist.

Gegen eine PDA können dagegen beispielsweise eine Infektion im Injektionsgebiet oder eine Blutvergiftung sprechen. Eine intakte Blutgerinnung ist ebenfalls eine Voraussetzungen für eine PDA-Anwendung bei der Entbindung.

"In Einzelfällen muss das Für und Wider der PDA mit dem Geburtshelfer und dem Anästhesisten abgewogen werden", sagt Professor Gertrud Haeseler, Chefärztin der Kliniken für Anästhesiologie im Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord. "Bei vielen Erkrankungen wie etwa Herzerkrankungen der Mutter wird eine frühzeitige PDA sogar explizit empfohlen, weil der Mutter dadurch sehr viel Stress genommen wird und man einen liegenden Epiduralkatheter für einen Kaiserschnitt nutzen kann, sollte dies notwendig werden."

Wann wird die PDA gesetzt?

"Es muss eindeutig klar sein, dass die Geburt in vollem Gange ist", erklärt Hebamme Jahn-Zöhrens. Das heißt: Der Muttermund sollte idealerweise schon entsprechend weit geöffnet sein, sonst kann es unter Umständen zu Komplikationen bei der Geburt kommen. In speziellen Fällen kann man eine PDA aber auch legen wenn der Muttermund noch nicht so weit geöffnet ist. "Das wird häufig dann gemacht, wenn die Wehentätigkeit zu schwach ist und ein Wehentropf angeschlossen werden soll," so Haeseler. Die PDA hilft die Schmerzen, die durch den Wehentropf entstehen, zu lindern. "Wichtig ist, die Lokalanästhetika-Lösung in der PDA so niedrig konzentriert zu halten, dass die Wehentätigkeit selbst nicht gehemmt, sondern nur der starke Wehenschmerz genommen wird", so Haeseler.

Eine komplette Schmerzfreiheit garantiert eine Periduralanästhesie nicht. Und das ist auch nicht beabsichtigt. "Wir sagen den Frauen immer, dass es das gemeinsame Ziel in der Führung der PDA ist, dass die Mütter die Wehen noch spüren so wie einen Periodenschmerz", erklärt Haeseler. "Ist die PDA niedrig dosiert, gehen wir davon aus, dass der Geburtsverlauf nicht verzögert wird." Das Gefühl der sich ereignenden Geburt  soll die PDA also nicht nehmen. Deswegen schleichen die Ärzte eine PDA zum Ende der Geburt oft aus. Denn dann soll die Frau die Presswehen spüren und sie auch aktiv unterstützen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Für die Dauer der Anästhesie kann es zu Taubheitsgefühlen, Wärmeempfinden und zur Beeinträchtigung der Muskelkraft kommen. Viele Frauen müssen deshalb die ganze Zeit liegen und empfinden dies als unangenehm.

Gelegentlich kommt es zu Blutdruckabfall. Dieses Problem können Ärzte aber meist schnell beheben. Einige Frauen klagen über teils starke Kopfschmerzen, die nach einer gewissen Zeit aber üblicherweise aufhören. Schwerwiegende Zwischenfälle wie allergische Reaktionen oder Nervenschäden sind extrem selten. Hirnhautentzündungen, die auf eine PDA zurückzuführen sind, sind ebenfalls äußerst rar.

Trotz der guten Verträglichkeit und weiten Verbreitung der PDA lohnt es sich auch Alternativen der Schmerzlinderung während der Geburt in Erwägung zu ziehen. Oft können schon beruhigende, nichtmedikamentöse Methoden helfen: Massagen, Wärme, Atemübungen oder Bewegung wirken unterstützend und lindernd. Auch Akupunktur oder homöopathische Mittel können zur Entkrampfung beitragen.


Lassen Sie Ihr Kind entsprechend der Empfehlungen impfen?
Zum Ergebnis
Wie lange waren Sie in Elternzeit?
Zum Ergebnis