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So macht Gartenarbeit Kindern Spaß

Erde schaufeln, Blumen säen, Regenwürmer finden: Kinder helfen sehr gerne im Garten mit. Ein eigenes kleines Beet ist für sie oft spannender als der Sandkasten

von Julia Jung, aktualisiert am 10.05.2017
Gartenarbeit

Lieber gleich mit dem großen Rechen: Kinder arbeiten gerne im Garten mit


Verschrumpelt und dreckig: So sehen Möhren mitunter aus, wenn sie aus der Erde kommen. Manch einer bevorzugt dann vielleicht doch die strammen Karotten aus dem Supermarkt. Kinder nicht. Jedenfalls nicht, wenn sie die Möhren selbst gesät und gezogen haben.

"Eigenhändig zu ernten ist für Kinder sehr faszinierend", sagt Patricia Arnold von der Ilse-Demme-Gartenarbeitsschule in Berlin. Die Gärtnerin betreut regelmäßig Kindergarten- und Schülergruppen. In der Gartenarbeitsschule dürfen die Kinder ihre eigenen Beete pflegen.

Kinder im Garten helfen lassen

Erwachsene nutzen ihren Garten entweder zum Entspannen oder für den Wettstreit um die größten Zucchini der Nachbarschaft. Für Kinder bedeutet er: todesmutig einen Regenwurm anzufassen, stundenlang im Kirschbaum zu klettern, am Muttertag einen Strauß frisch erblühter Tulpen aus dem Beet zu pflücken und Mama anschließend beim Setzen von jungen Pflanzen zu unterstützen. "Kinder helfen sehr gerne im Garten. Schon Zweieinhalbjährige können mit einer kleinen Kanne beim Gießen mitmachen", sagt Schulgärtnerin Arnold.

Gärtnerin Patricia Arnold

Eigenes Beet stärkt Verantwortungsgefühl

Noch spannender wird die Sache allerdings mit einem eigenen Stückchen Beet. Ganz alleine lässt sich das natürlich nicht bestellen, aber Kinder entwickeln schnell ein großes Verantwortungsgefühl für "ihr" Stück Land. Ob Erde umgraben oder mit der Handkante eine Rille für die Samen ziehen, mit etwas Geduld und Mama und Papa als Assistenten werden auch Fünfjährige schon zu ehrgeizigen Gärtnern – die man ruhig einfach mal machen lassen soll. Die Eltern dürfen natürlich Ratschläge geben und können auch mal mithelfen.

"Aber häufig wollen Kinder sich alleine kümmern. Das sollten sie dürfen, auch, wenn sich abzeichnet, dass es danebengeht", rät die Expertin. Deshalb: Für die ersten Versuche günstige Samen und junge Pflanzen wählen, damit auch noch ein zweiter Versuch möglich ist. "Wenn Kinder eine Erfahrung selbst machen können, lernen sie viel mehr und sind das nächste Mal umsichtiger", sagt Arnold. "Wichtig ist, dass Mama und Papa die kleinen Gärtner loben, wenn was gut geht."

Schnell wachsende und bekannte Pflanzen ideal

Um die kindliche Geduld nicht zu sehr zu strapazieren, sollten im Mini-Beet hauptsächlich schnell wachsende Pflanzen stehen. Wie lange die Pflanzen brauchen, bis sie erntereif sind, steht meist auf der Rückseite der Samenverpackungen. Auch für die Eltern ist es oft überraschend wie kurz die Entwicklungsdauer vieler Pflanzen ist. "Kresse ist eine gute Start-Pflanze, sie keimt rasch, und die Kinder sehen schon nach wenigen Tagen die grünen Spitzen aus dem Boden kommen", sagt Arnold. Auch einige Radieschen-Sorten sind ungefähr 25 Tage nach dem aussäen schon erntereif. 

Sie empfiehlt zudem: Pflanzen wählen, die die Kinder schon kennen, wie zum Beispiel die Sonnenblume. Faszinierend sind auch Blumen, deren Blüten gepresst oder gegessen werden können, wie etwa die Ringelblume. Und ob Möhren oder Tomate – Gemüse schmeckt Kindern tatsächlich besser, wenn sie es selbst ernten konnten.

Wartezeiten kreativ überbrücken

Doch auch die fixesten Blüher brauchen ihre Zeit. Und so herrscht am Kinderbeet ab und zu mal Langeweile. "Zeiten, in denen nichts zu tun ist, eignen sich gut, um den Garten zu verschönern", meint Arnold. "Kinder können Schilder für die einzelnen Pflanzen malen, eine kleine Vogelscheuche basteln oder mit hübschen Steinen ihr Beet umranden." So bleibt auch das Interesse am Beet und an den Planzen, die schließlich weiterhin gegossen und gepflegt werden müssen.

Verliert der Nachwuchs doch einmal die Lust, sollten die Pflanzen nicht dafür büßen. "Kümmern Sie als Eltern sich weiter um das Beet. Viele Kinder bekommen wieder Spaß am Gärtnern, wenn es etwas Neues zu sehen gibt – zum Beispiel reife Früchte", sagt Arnold. Praktisch, wenn Pflanzen mehrmals im Jahr Früchte bekommen, wie etwa die Monatserdbeere. Auch eine Blumenauswahl, die zu verschiedenen Jahreszeiten blüht, hält kleine Gärtner bei Laune.

Überraschendes bereithalten

Die Gärtnerin Arnold hat für die Kinder in ihrer Schule immer auch ein paar Überraschungen parat: "Wenn sich zeigt, dass die Tomaten nicht rot, sondern gelb werden, wundern sich die Kleinen", sagt sie. "Sie fragen sich dann, ob das Gemüse noch nicht reif ist, und machen sich Gedanken." Natürlich deckt die Gärtnerin das Rätsel anschließend auf, und die Mädchen und Jungen erfahren, dass bestimmte Tomatensorten nicht immer rot sein müssen.

Mini-Gärtner brauchen nicht unbedingt ein eigenes Beet. Auch auf dem Balkon und sogar auf der Fensterbank lässt sich einiges heranziehen. "Ein begrenzter Platz heißt nicht, dass hier nichts wachsen kann. Kartoffeln gedeihen zum Beispiel sehr gut in Kübeln", erklärt Arnold. Meist fallen die Pflanzen kleiner aus, aber selbst Salat kann im Topf auf der Fensterbank ein Leben bis zur Schüssel führen. Auch den meisten Kräutern macht Zimmerluft nichts aus. Großer Vorteil im Indoor-Garten: Schnecken haben keine Chance.

Schnecken: Kind über "Mitesser" aufklären

Denn wenn glitschige Nacktschnecken über Nacht die Arbeit mehrerer Wochen oder gar Monate vernichten, hat das wütende und enttäuschte Nachwuchs-Gärtner zur Folge. "So etwas kann immer passieren. Gut, wenn Eltern ihren Kindern vorher gesagt haben, dass es im Garten Tiere gibt, die mit Vorliebe junge Pflanzen fressen – so lässt sich der großen Enttäuschung etwas vorbeugen", rät Arnold.

Und dann gibt es ja auch Tiere, die gerne Schnecken fressen. Bieten Sie Igeln, Spitzmäusen und Vögeln genügend Unterschlupfmöglichkeiten in Hecken und Bäumen, dann dezimieren sich die Schnecken auf natürliche Art.

Chemische Giftstoffe verbieten sich im Kinderbeet, so wie man generell im Garten auf sie verzichten sollte. "Verwenden Sie auch nur biologischen Dünger. Er gehört allerdings nicht in Kinderhände, hier sind die Erwachsenen gefragt", sagt Patricia Arnold. Je naturbelassener das Pflanzenparadies ist, desto mehr werden die Kleinen es lieben.

Tipps: Diese Pflanzen eignen sich fürs Kinderbeet

Blüten über das ganze Jahr
Wie schön, wenn auf dem Beet immer etwas los ist: Wählen Sie eine Mischung aus Blumen, die zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr blühen. Zum Beispiel: Tulpen, Hornfeilchen, Gänseblümchen im Frühling, Löwenmäulchen und Wucherblumen im Sommer und Zinnien, Anemonen, Septemberkraut oder Aster im Herbst.

Köstlich: Essbares macht besonders viel Spaß
Klar, selbst gepflanztes Gemüse und Obst schmeckt hundertmal besser als das aus dem Supermarkt. Im Kinder-Gemüsebeet wachsen besonders gut: Möhren, Zucchini, Feldsalat, Radieschen oder Cocktailtomaten. Aber auch Kürbispflanzen sind pflegeleicht. Bestimmte Mangoldsorten haben tolle bunte Stiele.

Und selbst die unscheinbare Kresse schmeckt auf einer Scheibe Brot sehr gut. Naschkatzen werden es kaum erwarten können, ihre eigenen Brombeeren, Himbeeren oder Erdbeeren ernten zu können. Sie lassen sich auch gut weiterverarbeiten, zum Beispiel zu Marmelade – natürlich mit Mamas oder Papas Hilfe.

Schnell-Blüher: Beim Wachsen zusehen
Rasch soll es gehen? Kein Problem. Ungeduldige kleine Gärtner werden staunen, wenn Kapuzinerkresse oder Spiegelei-Blume schon nach wenigen Tagen keimen und bald darauf blühen. Auch die riesigen Sonnenblumen sind schnelle Blüher.

Balkon und Fensterbank: Auf kleinem Raum
Auf Balkon und Fensterbank lässt sich ebenfalls prima gärtnern. Statt des Beetes gibt es hier viele bunte Töpfe. Dort fühlen sich besonders Pantoffelblumen, Geranien oder Ringelblumen wohl. Und Gemüse wie Kartoffeln oder Pflücksalat, wie Rucola, macht es häufig nichts aus, im Kübel zu wachsen. Auf die Fensterbank passt ein kleiner Kräutergarten.

Vorsicht, giftig: Keine Pflanzenteile in den Mund
Generell sollten Kinder nichts aus dem Beet direkt in den Mund stecken. Obst, Gemüse und Salat sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Nach der Gartenarbeit außerdem besonders wichtig: Hände sorgfältig mit Wasser und Seife reinigen. Einzelne Pflanzenteile können zudem giftig sein. Eltern sollten ihren Kindern erklären, was genau giftig ist. "Bohnen oder die oberen Pflanzenteile der Kartoffel sind sehr giftig, wenn Kinder oder Erwachsene sie roh essen", warnt Arnold, "Eltern sollten ihren Kindern erklären, bei welchen Pflanzen sie besonders acht geben müssen". Die Expertin rät, sehr giftige Planzen wie die Engelstrompete besser gar nicht erst auf den Balkon oder in den Garten zu stellen.

Gut ausgerüstet: Garten-Equipment im Kleinformat
Harke, Schaufel, Gießkanne – kleine Hände brauchen auch kleine Geräte. Mit dem Handwerkszeug der Großen haben Kinder meist nicht viel Spaß – und oft ist es auch nicht ungefährlich. Mittlerweile bieten die meisten Garten- und Baumärkte auch das passende Equipment für Nachwuchs-Gärtner.

Beim Kauf achten Eltern am besten darauf, dass Mini-Harken und -Schaufeln abgerundete Kanten haben und an keiner Stelle etwas wackelt. Nichts frustriert mehr als eine Schaufel, die schon beim ersten Graben auseinanderfällt. Eltern sollten ihrem Nachwuchs zeigen, wie er mit den Geräten umgehen muss. Zackiges Gartenwerkzeug zum Beispiel gehört immer mit der gebogenen Kante nach unten abgelegt.


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