Mit den Großeltern in den Urlaub?

Kann es gut gehen, wenn das Kind mit Oma und Opa verreist? Es kann! Wenn Eltern vorher diese Dinge beachten

von Sabine Hoffmann, 07.07.2016

Kinder genießen es, von ihren Großeltern im Urlaub verwöhnt zu werden


Wie schön wäre das doch: in den Sommerferien jeden Tag gemeinsam mit den Kindern etwas unternehmen, an den See zum Baden fahren, Eis ­essen gehen oder eine Radtour machen. So würden die meisten von uns wahrscheinlich liebend ­gerne den Sommer verbringen – ohne im ­Büro vor dem Computer zu brüten oder an der Supermarktkasse zu sitzen.

Leider ist das für berufs­tätige Eltern meist kaum umsetzbar, da der Jahres­urlaub in der Regel nur fünf oder sechs Wochen beträgt. Sind ­Kita und Grundschule über Wochen geschlossen, stellt das viele berufstätige Eltern vor ein Di­lemma – wohin jetzt mit den Kindern, wenn Mama und ­Papa arbeiten müssen? Da springen oft Oma und Opa ein und fahren mit dem Kind ein paar Tage in den Urlaub. Oder, wenn die Kinder schon ­größer sind, reisen sie manchmal auch bei Freunden mit.

Ab wann können Kinder mit den Großeltern verreisen?

Kennen und verstehen sich Großeltern und Enkel gut, spricht nichts dagegen, dass schon Kleinkinder mit Oma und Opa in den Urlaub fahren. "Das richtige Alter dafür gibt es nicht", sagt der Familientherapeut Martin Solty aus Dortmund. "Das hängt davon ab, wie intensiv der Kontakt im Alltag ist und wie fit und belastbar die Großeltern sind." Damit ­alle ­eine gute Zeit haben, kommt es auf ­eine gründliche Vorbereitung an.

Wie bereitet man Kinder auf den Urlaub vor?

Der erste Schritt: Das Kind verbringt öfter mal die Wochen­enden bei den Groß­eltern. Und wenn es dann das erste Mal in die Ferne geht, sollte die am bes­ten ziemlich nah sein. Experte ­Solty emp­fiehlt ein verlängertes Wochenende. Im Idealfall liegt das Reiseziel etwa ­eine Autostunde von dem Heimat­ort entfernt. So ist der Rückweg im Notfall kurz. Haben Groß­eltern und Enkelkinder die ersten gemeinsamen Ferien genossen, kann der nächste Urlaub auch länger ausfallen und das Ziel zwei bis drei Autostunden entfernt liegen. Der Familientherapeut sagt: "Am bes­ten langsam steigern!"

Wohnen die Großeltern weiter weg und ist der Kontakt nicht so eng, rät Solty, dass Oma und Opa vor Reiseantritt zwei bis drei ­Tage bei den Kindern zu Hause wohnen. So haben alle Zeit, sich aneinanderzugewöhnen. Herrscht sogar kein oder kaum Kontakt, bringt es nichts, durch ­einen gemeinsa­men Urlaub eine Beziehung herstellen zu wollen: "Gerade bei kleinen Kindern verstärkt das eher den Fremdeleffekt. Dann ist nicht auszuschließen, dass sie nach ihrer Rückkehr übermäßig anhänglich sind und sehr viel Zuwendung von Mama und Papa brauchen."

Welche Infos sind vor der Reise wichtig?

Manchmal etwas unangenehm, aber unerlässlich: vor Reiseantritt klare Regeln aufstellen! Ob es nun um Süßigkeiten, Bettgehzeiten oder ums Fernsehen geht – die Großeltern sollten genau wissen, was im Alltag erlaubt ist. Nur so können sie dies während der Reise beherzigen. Klar dürfen sie ihr Enkelkind auch verwöhnen. Wo die Grenzen liegen, auch darüber lohnt es sich, vorher miteinander zu sprechen.

Gerade wenn das Kind als Spielkamerad von den Eltern eines Freundes oder einer Freundin mit in den Urlaub genommen wird, gilt es im Vorfeld vieles zu klären. Vor allem, ob spezielle Medikamente benö­tigt werden, um die Reiseapo­theke gegebenenfalls entsprechend abzustimmen. Auch vorhandene Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten Eltern vorher mitteilen.

Welche Unterlagen brauchen die Großeltern für die Reise?

"Eine Reisevollmacht ist zwar aus rechtlicher Sicht selbst bei ­allein reisenden Jugendlichen nicht notwendig", sagt Ralf Olk aus Bitburg. Er ist Vorstandsmitglied von Reisenetz e.V., dem Deutschen Fachverband für Jugendreisen, und empfiehlt trotzdem, für Notfälle eine von beiden Erziehungsberechtigten unter­schriebene Bescheinigung mitzugeben, in der Folgendes vermerkt ist: Reiseziel, Reise­dauer, Anschrift und Telefonnummer der Eltern sowie der Name und die Kontaktdaten der Betreuungsperson. Am besten gleich Kopien der Personalausweise von Erziehungsberechtigten und Vollmachtnehmer beilegen sowie Kopien des Impfausweises und etwaiger Dokumente über Allergien und Medikamentenunverträglichkeiten.

Im Grunde kann der erste Urlaub ohne Eltern dann losgehen. Ein schöner Nebeneffekt: "Bei größeren Kindern ­stärkt das Bewusstsein, eine Herausforderung gemeistert zu haben, das Selbstbewusstsein", sagt ­Solty. "Die ganz Kleinen genießen es einfach, von Oma und Opa mal so richtig verwöhnt zu werden."


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