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Zurück in den Job – so klappt der Wiedereinstieg

Kaum hat sich das Leben mit dem Baby eingespielt, denken viele schon über den Wiedereinstieg in den Beruf nach. Unsere Tipps Ihnen dabei, Ihre neue Rolle als Partnerin, Berufstätige und Mutter zu finden

von Beatrice Sobeck, 25.11.2019

Die Frage, ob man nach der Elternzeit wieder arbeitet, stellt sich den meisten Frauen heute eigentlich nicht mehr. Es geht eher um den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg und um die Frage, wie viel man arbeiten will und kann. Denn der klassische Arbeitstag von neun Uhr morgens bis 18 Uhr abends oder ein starres Drei-Schichten-Modell ist für Eltern mit kleinen Kindern kaum zu realisieren.

Unternehmen unter Druck

Um eine Entscheidung zu treffen, die für die ganze Familie passt, müssen einige Punkte berücksichtigt werden, die man selten selbst in der Hand hat. Etwa die Kinderbetreuung. Die ist vielerorts noch nicht so umfangreich ausgebaut, dass jede Familie einen Platz bekommt, wenn sie ihn braucht, oder die Betreuungszeiten passen nicht zu den Arbeitszeiten. Wenn der Arbeitsplatz dann auch noch eine halbe Stunde vom Wohnort entfernt liegt, stoßen Eltern durch die Pendelei schnell an Grenzen. Oder sie fürchten, dass der Arbeitgeber nicht mitspielt.

"Im Idealfall setzen Sie sich schon in der Schwangerschaft mit dem Thema auseinander und klären mit dem Partner, wie das Leben als Familie aussehen kann", rät Kirsten Frohnert, Projektleiterin des Netzwerks "Erfolgsfaktor Familie" in Berlin. Das Netzwerk unterstützt Betriebe dabei, familien­­freundlicher zu werden.

Laut Erfahrungen aus dem Netzwerk können es sich Unternehmen durch den Fachkräfte­mangel kaum noch leisten, gut ausgebildete Frauen auf Dauer zu verlieren. "Das ist vor allem eine Chance für Mütter, sich diese Entwicklung zunutze zu machen. Seien Sie mutig, aber auch gut vorbereitet", sagt Frohnert. Die Unternehmen hätten ein Interesse daran, dass ihre qualifizierten Mitarbeiterinnen nach der Babypause schnell zurückkommen und ein Umfeld vorfinden, in dem sie motiviert arbeiten können, so die Projektleiterin. Frauen bleiben heute viel kürzer zu Hause, im Durchschnitt etwa 16 bis 18 Monate. Vor 20 Jahren waren es noch sechs bis acht Jahre.

Früh eine Vision entwickeln

Doch wie stellt man es an, damit der Job noch zum Leben passt, wenn sich das doch gerade komplett verändert? "Natürlich ist das schwierig, vor allem beim ersten Kind, wenn man gar nicht genau weiß, was auf einen zukommt", sagt Frohnert. Sie rät Paaren: "Stellen Sie sich Ihre Familien­situation so vor, wie sie für Sie ideal wäre, und entwickeln Sie konkrete Ideen für die Realisierung."

Welche Kernfragen hierfür entscheidend sind, haben wir in einer Checkliste für Sie bereitgestellt. "Diese Vorbereitung ist wichtig, weil Sie eine klare Haltung brauchen, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre berufliche Zukunft verhandeln. Je klarer Ihre Vorstellungen sind, umso besser wird es Ihnen auch gelingen, diese gegenüber Ihrem Vorgesetzten zu argumentieren", erklärt die Projektleiterin. Und zwar frühzeitig, mindestens ein bis zwei Monate, bevor der Mutterschutz beginnt.

Zeitpunkt Verpasst?

Zu spät dran? Oder der ursprüngliche Plan ändert sich, etwa weil Sie merken, dass Ihre Vorstellungen nicht zu Ihrem Familien­leben passen oder Sie keinen Kita-Platz bekommen haben? Für ein Gespräch ist es nie zu spät. "Es lässt sich nie alles strikt planen, wichtig ist aber, dass Sie flexibel und zeitnah reagieren. Bleiben Sie selbstbewusst und stellen Sie Ihre Ideen vor, wie Sie sich Ihren Wiedereinstieg wünschen", rät Kirsten Frohnert. 

Kompromissbereit sein

Wichtig ist, dass Sie zusammen eine Lösung erarbeiten, die zu Ihnen und zum Unternehmen passt – auf beiden Seiten braucht es Kompromissbereitschaft. Zum Beispiel: Sie arbeiten im Schichtdienst und müssen nachmittags das Kind aus der Kita abholen. "Viele sagen dann: ‚Ich kann nur noch bis 14 Uhr arbeiten. Punkt.‘ Lassen Sie Gedankenspiele zu. Kommt Ihr Partner jeden Abend um 18 Uhr nach Hause, wäre es doch auch denkbar, dass er für Haushalt und Kind sorgt, damit Sie vielleicht ein oder zwei Nachtschichten übernehmen könnten", sagt die Projektleiterin.

Die Unternehmen sind ebenfalls in der Pflicht, meint Frohnert. Denn: Familienfreundliche Konzepte steigern die Mitarbeiterzufriedenheit. Das habe meist weniger Fehltage oder Kündigungen zur Folge. Davon profitieren Firmen. "Flexible Teilzeitregelungen, Homeoffice, Schichttauschbörsen, Elternschichten oder zeitlich begrenzte Wunschschichten können Lösungen sein", sagt Frohnert.

Noch ein Tipp aus dem Unternehmensnetzwerk für Mütter, die nach der Elternzeit vielleicht ein Karriere-Aus fürchten: Bleiben Sie, wenn Sie das wollen, während der Babypause sichtbar. Könnten Sie sich in der Elternzeit fortbilden? Nutzen Sie die Chance. Ist ein Projekt in Planung, an dem Sie gerne mitwirken ­möchten? Bieten Sie an, auch während der Elternzeit an Meetings teilzunehmen. "Bis zu 30 Wochenstunden dürfen Sie in der Elternzeit arbeiten", sagt Frohnert. Dies muss jedoch vertraglich festgelegt und frühzeitig besprochen werden. "Sie können auch mit Kollegen in Kontakt bleiben oder Firmenfeiern besuchen. So haben Sie nicht das Gefühl, komplett ausgeschlossen zu sein", empfiehlt die Expertin.

Am Wendepunkt

Manche Frauen verspüren durch die bevorstehende Veränderung auch den Wunsch, beruflich noch einmal neu durchzustarten, vielleicht etwas anderes zu probieren. Trauen Sie sich, diesen Gedanken auch zuzulassen. Analysieren Sie für sich, welche Stärken Sie haben, was Sie gut können und gerne machen. Hierzu hat Tanja Misiak – sie ist Coach für Achtsamkeit und Innere Selbstführung in Baierbrunn und berät regelmäßig Eltern – Übungen erarbeitet, die Sie unterstützen.


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