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Wie teilen wir unsere Aufgaben gerecht auf?

Um Haushalt, Familie und Beruf in den Griff zu bekommen, braucht es eine partnerschaftliche Aufteilung, die keinen überlastet. Wie das funktioniert, zeigen unsere zwei Übungen

von Beatrice Sobeck, 24.09.2019

Wie oft wünschen Sie sich, dass der Tag mehr als "nur" 24 Stunden hat? Die Aufgabenliste will manchmal einfach nicht kürzer werden. Obwohl ­alles vielleicht schon fair zwischen Ihnen und Ihrem Partner verteilt sind, bleibt trotzdem manchmal das Gefühl, als würden Sie nie fertig.

Viele Aufgaben, wie etwa die Spülmaschine oder die Waschmaschine ausräumen, sind für sich genommen leicht erledigt. Doch wenn ein krankes Kind seine Aufmerksamkeit einfordert oder das Kleine gerade in der Trotzphase steckt, werden selbst diese Aufgaben oft zur Belastung. Das Gefühl "nichts geschafft zu haben" entsteht und frustriert. Andersherum kommt man manchmal nach dem Job genervt nach Hause und ist fix und fertig. Der Geduldsfaden ist so dünn, dass man beim ersten Quengeln der Kinder oder beim Anblick des nicht abgedeckten Frühstückstischs ausflippt. Unsere Emotionen lassen sich nicht planen, können aber das Gefühl der Überlastung verstärken und uns so mit an unsere Grenzen bringen. 

Raum zum Atmen: Die flexible Aufgabenliste

Die Belastbarkeit unter den Partnern kann zudem sehr unterschiedlich sein: Ein unterbrochener Schlaf macht den einen K.O. für den nächsten Tag, den anderen lähmt die Beschäftigung mit der Steuererklärung. Kommt beides zusammen, sprengt es den Rahmen.

Wenn Sie also Aufgaben unter­einander aufteilen, berücksichtigen Sie auch immer Ihre eigene Belastungsgrenze. Die folgenden Übungen von Achtsamkeits-Coach Tanja Misiak helfen Ihnen dabei, Ihre innere Perspektive nicht außer Acht zu lassen und "Raum zum Atmen" zu finden. Der Begriff "Aufgabe" ist dabei im weitesten Sinne zu sehen und beinhaltet durchaus auch so Sachen, wie sich eine Ruhepause zu organisieren.

Wiederholen Sie die Übungen von Zeit zu Zeit, um sie an die aktuelle Familien­situation anzupassen.

Übung 1:

Diese Übung fokussiert darauf, ­Ihre individuellen psychischen und physischen Ressourcen zu berücksichtigen. Diese sind wichtig, damit Sie sich im Alltag nicht überfordern und womöglich Ihre mentale, seelische und körperliche Gesundheit gefährden. Ziel ist es, Ihre Zeiteinteilung möglichst realistisch zu halten und dass Sie sich "Raum zum Atmen" verschaffen. So können Sie klarer und gestärkt im Alltag entscheiden, was und wem Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken.

Los gehtʼs:

Reflektieren Sie als Paar jeweils für sich und gleichen Sie Ihre Ergebnisse danach ab. Wie viele Stunden eines beliebigen repräsentativen Werktages möchten Sie idealerweise für folgendes investieren?

  • Schlaf:
  • Aktive Zeit mit dem Kind/den Kindern: 
  • Arbeit:
  • Haushalt:
  • Hobbys:
  • Partner:
  • Fitness:
  • Ruhepausen:
  • Freunde:

Ergänzen Sie die Liste bei Bedarf um Dinge aus Ihrem Leben, die noch berücksichtigt werden sollten.

Rechnen Sie jeweils die Stunden zusammen: Sind es mehr als 24? Wenn ja, priorisieren Sie klarer für sich. Ist die Stundenzuteilung realistisch und gegenüber dem Partner fair? Kommen Sie ins Gespräch und versuchen Sie auf Basis der Liste eine Balance zu finden zwischen den Aufgaben, die erledigt werden müssen, und Dingen, die Ihnen Kraft geben.

Übung 2:

Sie und Ihr Partner schreiben jeder für sich eine Woche lang jeweils abends rückblickend auf, wie Sie ­Ihre Zeit verbracht haben. Wohin ist die Zeit "verschwunden"?

Oft hat diese Übung einen überraschenden Effekt. Zum einen erkennen Sie, dass Sie keineswegs nichts gemacht oder geschafft haben. Zum anderen wird deutlich, wie viel Zeit zwischendurch vergeht: etwa beim Trösten, Zuhören, Erklären, Zeigen, Streit schlichten, Diskutieren, auf dem Arm halten, zwischendurch Mails checken, telefonieren, etc.

Diese Tätigkeiten werden allzu schnell vergessen und dementsprechend auch nicht gewertschätzt. Dabei sind gerade Geduld und Zuwendung äußerst wichtig für die psychische und körperliche Entwicklung eines Kindes.

So geht’s:

Zeichnen Sie eine Tabelle mit vier Spalten. Gehen Sie eine Woche lang abends jeweils folgende Schritte durch:

Schritt 1 (erste Spalte): Reflektieren Sie. Womit haben Sie heute Ihre Zeit verbracht? Was/wer hat ­Ihre Aufmerksamkeit bekommen? Schreiben Sie alle Tätigkeiten auf.

Schritt 2 (zweite Spalte): Notieren Sie in Minuten, wieviel Zeit Sie ungefähr jeweils pro Punkt verwendet haben.

Schritt 3 (dritte Spalte): Reflektieren Sie, welche Zeit für Sie subjektiv und unabhängig von finanziellen oder gesellschaftlichen Wertmaßstäben wertvoll ist und welche weniger. Welche Zeiten haben sie belastet, welche erfüllt?

Notieren Sie hinter jedem Punkt, wie wichtig Ihnen Ihre Zeitzuteilung ist. Von 1 (verschwendete Zeit) bis 10 (wertvolle Zeit).

Schritt 4 (vierte Spalte): Gehen Sie die Liste nochmals durch. Welchen Punkten möchten Sie zukünftig weniger Zeit schenken? Machen Sie hier ­einen Pfeil nach unten. Welchen Punkten möchten Sie mehr Zeit geben? Machen Sie hier einen Pfeil nach oben.

Schritt 5: Teilen Sie die Tabelle mit Ihrem Partner. Machen Sie sich ein gemeinsames Bild Ihres Alltags und wie Sie ­Ihre Aktivitäten jeweils bewerten. Tauschen Sie sich aus. Welche Schlüsse ziehen Sie aus Ihren Erkenntnissen? Welchen Dingen/Themen möchten Sie zukünftig mehr Aufmerksamkeit schenken, welchen weniger? Was ist Ihnen gemeinsam wirklich wichtig, obwohl es bisher noch nicht auf dem Aufgabenzettel war?

Schritt 6: Wertschätzen Sie sich gegenseitig für Ihre Bemühungen im Alltag. Ziehen Sie Rückschlüsse aus der Liste, wie Sie Ihren Tag einteilen und wem/was Sie zukünftig Ihre Aufmerksamkeit und Zeit schenken möchten.


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