Wie Mütter für die Rente sparen können

Viele Mütter erhalten geringere Renten, etwa weil sie nach der Geburt des Kindes beruflich kürzer treten. Was sie tun sollten, um im Alter trotzdem entspannt leben zu können

von Silke Becker, 18.01.2017
Altersvorsorge

Wollen Mütter beruflich kürzer treten, sollten sie früh genug für die Rente sparen


Es ist ein Thema, das viele Mütter gerne weit von sich schieben: die Vorsorge fürs eigene Alter. Sich auch noch um die Rente kümmern, wenn die Kinder durch den Alltag toben? Sich durch Tagesgeldangebote und Riesterverträge quälen, wenn man schon beim Schlaflied fürs Baby gegen den eigenen Schlummer kämpft? Besser wäre es, auch wenn es schwerfällt. Auszeiten im Beruf, Teilzeitarbeit oder Trennung vom Lebenspartner – es gibt viele Dinge, die Altersarmut bei Müttern begünstigen. Und dagegen hilft nur, aktiv zu werden, möglichst früh.

Niels Nauhauser

Möglichst früh mit dem Sparen beginnen

Sparen heißt das Zauberwort, selbst in Zeiten von Minizinsen. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt: "Wem die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreicht, der hat zum Sparen kaum eine Alternative." Erst recht, wenn einem der Trauschein fehlt. Verheiratete Mütter sind ein wenig im Vorteil, weil ihnen auch bei einer Scheidung in der Regel Ansprüche gegen den Ex-Partner zustehen. Aber das reicht in den meisten Fällen nicht für einen sorgenfreien Ruhestand.

Warum auch heute noch sparen? Bei niedrigen Zinsen ist normalerweise auch die Inflationsrate niedrig, das Ersparte behält seinen Wert. Steigen die Zinsen, steigt meist auch die Inflation, also die Preise. Das sollte nicht unterschätzt werden. Schon eine Inflation von nur drei Prozent pro Jahr bedeutet, dass derselbe Einkauf in zehn Jahren mehr als 30 Prozent teurer wird. Wer in der gleichen Zeit drei Prozent Zinsen kassiert, hat im Ergebnis also kaum etwas gewonnen.

Stefan Braatz

Je früher eine Frau anfängt und je konsequenter sie spart (siehe Kasten unten), desto mehr Geld hat sie im Alter zur Verfügung. Selbst Mini-Sparraten auf einem einfachen Tagesgeldkonto bringen langfristig was. Wer dann noch die verschiedenen Zuschüsse vom Staat geschickt kombiniert (siehe unten: "So fördert der Staat die Altersvorsorge"), kann auch mit wenig Geld einiges erreichen.

Erziehungs- und Berücksichtigungszeiten

Zudem fördert die gesetzliche Rentenversicherung Mütter zusätzlich: Für jedes neu geborene Kind gibt es drei Jahre Kindererziehungszeit. Das entspricht derzeit um die 90 Euro Rente pro Monat. Ist die Mutter in dieser Zeit berufstätig, erhält sie diese Rente zusätzlich zu den normalen Rentenansprüchen aus dem Job. Dies jedoch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 6200 Euro (West) oder 5400 Euro (Ost).

Nach diesen drei Jahren haben berufstätige Mütter die Möglichkeit, sich – bis zum zehnten Lebensjahr des jüngsten Kindes – Kinderberücksichtigungszeiten anrechnen zu lassen. Voraussetzung: Sie haben weniger verdient als der Durchschnitt der Rentenversicherten. Das trifft oft zu, wenn Mütter Teilzeit arbeiten.

Mit diesen Produkten können Sie sparen:

  • Tagesgeldkonto: Bankkonto, das tagesaktuell verzinst wird. Gut, um überhaupt mit dem Sparen zu beginnen. Vorteile: Einfach, sicher, kostenlos, Geld jederzeit verfügbar. Nachteile: Minizinsen, in der Regel keine staatliche Förderung.
  • Festgeld: Bankkonto, bei dem eine feste Summe für längere Zeit angelegt wird. Vorteile: Einfach, sicher, kostenlos, etwas höhere Zinsen als Tagesgeld. Nachteile: Unflexibel, in der Regel keine staatliche Förderung.
  • Banksparplan: Regelmäßige Einzahlungen auf ein Sparkonto bei der Bank. Vorteile: Einfach, sicher, kostenlos, oft Bonus am Ende der Laufzeit. Nachteile: Minizinsen, oft unflexibel.
  • Fondssparplan: Regelmäßiger Kauf von Aktienfonds. Sinnvoll sind weltweit investierende Indexfonds. Vorteile: Langfristig meist hohe Renditen, Geld bei nicht geförderten Produkten jederzeit verfügbar. Nachteile: Verlustrisiko, Kosten für Erwerb der Fonds, geförderte Produkte oft unflexibel.
  • Klassische Versicherung: Die kapitalbildende Lebensversicherung und die private Rentenversicherung legen Geld für den Kunden an. Vorteile: Sicher, lebenslange Rente, unter Umständen Steuervorteile. Nachteile: Unflexibel, hohe Kosten, geringe Rendite, rechnet sich nur, wenn man extrem alt wird.
  • Fondsgebundene Versicherung: Eine Versicherung, bei der das Geld vom Versicherten in ausgewählte Fonds angelegt wird. Vorteile: Lebenslange Rente, höhere Rendite durch die Fonds möglich, unter Umständen Steuervorteile. Nachteile: Unflexibel, Verlustrisiko, sehr teuer, doppelte Kosten für Fonds und Versicherung. Verbraucherschützer raten ab.
  • Bausparen: Vertrag, bei dem man erst Geld spart und hinterher einen sehr günstigen Immobilienkredit bekommt. Nur für Häuslebauer oder für Renovierung/ Modernisierung interessant. Vorteile: Sicher, aktuelle Mini-Kreditzinsen für die Zukunft gesichert, staatliche Förderung möglich. Nachteile: Kaum Guthabenzinsen in der Ansparphase, relativ hohe Abschlusskosten, die die Förderung teilweise auffressen, unflexibel.
Antje Scherbath

So fördert der Staat die Altersvorsorge:

Die Riester-Rente

Mütter bekommen die Grundzulage von 154 Euro und für jedes ab 2008 geborene kindergeldberechtigte Kind 300 Euro vom Staat jährlich geschenkt. Um die Zulage zu kassieren, müssen Berufstätige wenigstens den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro pro Jahr einzahlen. Einen eigenständigen Riester-Anspruch haben Mütter in den ersten drei Jahren nach der Geburt, bei zwei Kindern also sechs Jahre lang.

Riestern dürfen grundsätzlich Berufstätige (Minijob genügt), Arbeitslose und Pflegende, etwa bei einem behinderten Kind. Alle anderen haben nach Ablauf der Kinderjahre keinen eigenständigen Riester-Anspruch mehr. Ausnahme: Nicht berufstätige, verheiratete Mütter dürfen weiter riestern, wenn der Ehepartner einen Riestervertrag bespart.

Der Mann muss dabei vier Prozent seines Bruttoeinkommens sparen, jedoch maximal 2100 Euro. Bei einem Einkommen von 40000 Euro wären das 1600 Euro pro Jahr. Davon darf er sämtliche Zulagen abziehen, auch wenn sie auf das Konto der Frau fließen. Rechnung bei zwei Kindern: 2 x 154 Euro + 2 x 300 Euro = 908 Euro Zulagen; restlicher Eigenanteil = 1600 Euro – 908 Euro = 692 Euro. Dazu kommen unter Umständen Steuervorteile.

Angebotene Produkte: Banksparplan, Fondssparplan, Bausparen, klassische Versicherung, fondsgebundene Versicherung.

Tipp: Riesterförderung kann auch zur Tilgung eines Immobilienkredits genutzt werden ("Wohnriester").

Betriebliche Altersversorgung

Bei der betrieblichen Altersvorsorge zahlt die Mutter aus ihrem Bruttogehalt in einen Sparvertrag ein, etwa eine Versicherung. Das spart Steuern und Sozialabgaben, ergibt aber auch weniger gesetzliche Rente. Manche Angebote sind hervorragend, andere bringen keinen Vorteil. Faustregel: lohnt meist nur, wenn der Arbeitgeber mindestens 20 Prozent der Beiträge zuschießt.

Angebotene Produkte: Unterschiedlich, der Arbeitnehmer muss nehmen, was das Unternehmen anbietet.

Vermögenswirksame Leistungen

Viele Unternehmen überweisen ihren Mitarbeitern freiwillig zusätzlich zum Gehalt vermögenswirksame Leistungen (VL), maximal 40 Euro pro Monat. Gibt es weniger, kann man den Rest selbst zuzahlen. Sechs Jahre lang wird in den VL-Vertrag eingezahlt, im siebten Jahr ruht das Guthaben und wird anschließend ausgezahlt. Während der Ruhezeit kann bereits ein neuer Vertrag bespart werden. Zieht man das 30 Jahre lang konsequent durch, bringt das mehr als 14000 Euro für die Rente.

Angebotene Produkte: Banksparplan, Fondssparplan, Bausparen, klassische Versicherung, fondsgebundene Versicherung.

Tipp: VL kann man auch zur Tilgung eines Immobilienkredits verwenden.

Arbeitnehmersparzulage

Das sind zusätzliche Zuschüsse des Staates für bestimmte VL-Verträge. Aufgrund der geringen Summen eher ein Mitnahmeeffekt, falls man die entsprechenden Produkte bespart. Wer seine VL in Aktienfonds investiert, bekommt 80 Euro pro Jahr zusätzlich. Bedingung: Ein Jahreseinkommen unter 20000 Euro bzw. 40000 Euro (Ehepaare). Interessant für Häuslebauer: Bausparverträge und die Tilgung eines Immobilienkredits werden mit 43 Euro pro Sparer und Jahr gefördert. Einkommensgrenzen hierfür 17900 bzw. 35800 Euro (Paare). In beiden Fällen geht es um das zu versteuernde Einkommen.

Angebotene Produkte: Fondssparplan, Bausparen, Tilgung eines Immobilienkredits.


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