Weihnachten: Vier Tipps gegen die Geschenkeflut

Die Wunschliste zu Weihnachten ist lang, die Reihe der Schenkenden auch. Wie nur die Geschenkeflut verhindern?

von Nadja Katzenberger, 28.11.2017
Geschenke auspacken

Um besinnliche Weihnachten zu feiern, braucht es keine Berge an Geschenken


Weihnachtszeit – besinnliche Zeit? Schön wär’s. Stattdessen versinkt an Heiligabend das Wohnzimmer in Geschenkpapier. Die Kinder sind überdreht, reißen ein Paket nach dem anderen auf. Die (fünfte) kratzige Wollmütze von Oma landet mit einem gequälten Lächeln unter dem Baum. Weiter geht’s: Piratenschiff, Schlittschuhe, Ritterburg, Puppenhaus – der gesamte Spielwarenladen scheint sich im Wohnzimmer anzuhäufen. Und dann die Krönung: Vom Onkel gibt es die Playstation. Mama kocht – vor Wut. Schließlich war die Ansage: keine Playstation.

Für Eltern ist Weihnachten eine Herausforderung – sie möchten ihren Kindern möglichst viele Wünsche erfüllen, sie aber auch nicht übermäßig verwöhnen. Doch wie macht man den Verwandten klar, dass es beim Schenken eigentlich darum geht, sich in den anderen hineinzufühlen, ihm eine Freude zu bereiten und nicht in einen Wettbewerb zu treten? Und: "Es muss nicht immer etwas Materielles sein – auch gemeinsame Zeit ist ein tolles Geschenk", sagt der Sozialforscher Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt von der Universität Köln. Die besten Geschenke entstehen aus Zuneigung, Großzügigkeit oder Freundschaft.

Aber was ist mit der Omi, die unbeirrt jedes Jahr Mützen strickt, die keiner mag? Wie umgehen mit dem Onkel, der sich das ganze Jahr nicht für sein Patenkind interessiert, aber zu Weihnachten ein völlig überteuertes Geschenk abliefert? "Man darf diesen Verwandten durchaus Vorschriften machen", sagt die Münchner Pädagogin und Familienberaterin Katja Zenz. Und das geht so:

Aufschreiben

"Die Kinder schreiben ihren Wunschzettel, die Eltern geben ihn an die Verwandten weiter und sprechen mit ihnen ab, wer was schenkt. Bei uns klappt das sehr gut und ist fast schon ein Automatismus", sagt die Familienberaterin.

Grundsätzlich gilt: Reden Sie viel miteinander. "Es liegt an den Eltern, Kontakte zu Verwandten zu pflegen – sei es persönlich, über Fotos, per Mail, Telefonate oder Skype." Wer mit dem Kind und seinen Eltern in Verbindung bleibt, weiß, was es mag und was ihm gefallen könnte. Immer gut: gemeinsame Erlebnisse schenken, zum Beispiel einen Zoobesuch oder einen tollen Ausflug. Auch Geld kann mal eine Alternative sein, Katja Zenz gibt jedoch zu bedenken: "Kleinere Kinder, die noch an den Weihnachtsmann oder an das Christkind glauben, verstehen das nicht." Der Tipp der Expertin: einen Teil des Geldes in ein (kleines) Geschenk umwandeln, den Rest aufs Sparbuch einzahlen.

Angebote machen

Häufig sind Oma oder Onkel froh, wenn sie nicht selbst nach einem Geschenk suchen müssen. Katja Zenz erzählt: "Ich besorge das Geschenk von der Oma, denn sie sieht die Kinder selten und weiß nicht, was sie möchten oder brauchen." Wichtig: vorher klären, wie viel die Oma ausgeben möchte. Die Alternative für Verwandte, die sich ein bisschen mehr einbringen wollen: gemeinsam losziehen und ein Geschenk aussuchen.

Aushandeln

Wenn Tante oder Onkel das Geschenk partout selbst bestimmen und besorgen wollen, lohnt es sich, zu verhandeln und klare Vorgaben zu machen. Beispiel Playstation: Der Achtjährige hat dem Onkel schon von seinem Wunsch erzählt. Bevor der loszieht und die Playstation kauft, hält er lieber erst Rücksprache mit den Eltern. So können sie die Bremse ziehen und den Onkel bitten, mit diesem Geschenk noch ein paar Jahre zu warten. Ähnlich verhält es sich mit Kriegsspielzeug oder Haustieren – hier haben Eltern das letzte Wort, genauso wie bei gemeinsamen Erlebnissen. "Keine Alleingänge", rät Zenz, "sondern die Eltern fragen, was sie gut finden, was das Kind mag und welcher Zeitpunkt am besten passt."

Abwägen

Manchmal fruchtet keine der Strategien? "Diese Spannungen sind oft ein Zeichen für andere Konflikte. Meist stimmt etwas mit der Bindung und Beziehung nicht", so Katja Zenz. Gerade an Weihnachten lassen sich diese Probleme aber nicht lösen. "Wichtiger ist, dass man lernt, damit umzugehen, Verwandtschaft funktioniert nun mal nicht immer konfliktfrei", sagt Frank Schulz-Nieswandt. Ist das Eis in der Familie sehr dünn, muss man abwägen. "Dann lieber ein unpassendes Geschenk annehmen und die fragile Beziehung schützen. Man kann auch knallhart bleiben, aber das beendet vielleicht die Beziehung. Hier gilt es abzuwägen", ergänzt Katja Zenz.

Übrigens: "Für das Kind ist auch ein unpassendes Geschenk eine wichtige Erfahrung – weil es lernt, dass nicht immer alle Wünsche erfüllt werden", sagt Zenz. "Eltern sollten es dabei liebevoll begleiten, seine Tränen weinen lassen, ohne ihm die Erfahrung zu nehmen, indem sie einfach nur Ersatz anbieten."

Kinder wachsen daran: "Man muss auch annehmen können", sagt Frank Schulz-Nieswandt. So trägt der Enkel die kratzige Mütze, wenn er Oma besucht, und lässt sie dann in der Kommode verschwinden. Taucht sie nicht mehr auf, liegt ja zu Weihnachten eine neue unterm Baum.


Haben Sie in der Stillzeit Alkohol getrunken?
Zum Ergebnis
Wie hat Ihr Kind schwimmen gelernt?
Zum Ergebnis