Papa-Kolumne: Z, ZzZ, zZzzZzzZZz

Wer etwas auf sich hält, ­optimiert seinen Schlaf. ­Schöne Idee, findet unser Kolumnist – ­wären da nicht die Kinder ...

von Marian Schäfer, 14.09.2018
Kolumne

Nachtruhe?! Die gibt es bei unserem Kolumnisten nicht


Kürzlich überlegte ich, wann ich zuletzt früher aufgestanden bin, um etwas für mich zu tun. Zwar stehe ich seit einigen Jahren regelmäßig früher auf. Aber nur, um etwas für andere zu tun, also meistens für die Kinder, die Angst haben, Durst, ­Hunger oder einfach nur Langeweile, morgens um halb fünf. Sie wollen dann lesen, was bauen oder, wenn sie es nicht schon tun, Musik machen, und ich will ­schlafen, einfach nur schlafenschlafenschlafen.

Heimlich alleine aufstehen? Vergiss es!

Wenn das mal nicht so ist, komme ich nicht auf die Idee, früher aufzustehen, weil ich erstens den Schlaf brauche und die Kinder es – zweitens – merken würden, wenn ich früher aufstünde, um etwas für mich zu tun, obwohl ich ja genauso gut etwas für sie tun könnte. Eltern, die so etwas vor­haben, geben nämlich einen ganz speziellen Duftstoff ab. Den riechen die Kinder durch den Türschlitz hindurch und dann stehen sie da, noch bevor die Joggingschuhe geschnürt sind. Und dann kann man nicht mehr loslaufen, weil sie vor der Schlaf­zimmertür rumlungern und die Mama wecken würden und mit ihr das Baby, von dem es bei uns irgendwie immer eins gibt.

Im Sog der Selbstoptimierung

Also lasse ich es bleiben, was schade ist, weil ich ansonsten ein Selfie von mir beim Laufen oder Zeitunglesen machen und es online stellen könnte, so wie es gerade viele andere Menschen tun. Sie schreiben #miraclemorning darunter und werden ganz erfolgreich, zufrieden, frei, gesund, geliebt und natürlich reich. Zumindest verspricht das ein Buch, das genauso heißt. Und wäre da nicht was dran, gäbe es die Schrift vermutlich nicht schon in 27 Sprachen.

Andererseits könnte das natürlich auch daran liegen, dass so viele Leute umsonst Werbung machen und es noch mehr gibt, die ganz wild darauf sind, an sich zu arbeiten, und dabei längst auch ihren Schlaf als etwas entdeckt haben, das es zu optimieren gilt. Wobei sie mit #miraclemorning bereits einen Schritt weiter sind: Wer da mitmacht, war sicher schon beim Schlafcoach und liegt nun auf einem Superboxspringbett unter einer Nebelmaschine, die einen in das Schlafhormon Melatonin hüllt.

Der Traum von ruhigen Kindern

Auf ein fremdbestimmtes Wesen wie mich wirkt das Ganze jedenfalls eher seltsam. Was bringt mir der Coach, wenn die Kinder nicht zuhören? Die Nebelmaschine wäre eine Option, wobei es jetzt auch tierisch schwere Bettdecken geben soll, die die Hormonproduktion natürlich steigern. Die hätten auch den Vorteil, dass die Kinder nicht mehr so leicht aufstehen könnten. Laut wären sie aber trotzdem noch.

Ach, eigentlich bin ich schon ganz ­zufrieden. Alles andere wird sicher noch kommen.


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