Papa-Kolumne: Kindergeld

Da sich sowieso alles ums Geld dreht, kann es auch in der Erziehung eine Rolle spielen, findet unser ­Kolumnist

von Marian Schäfer, 10.08.2018
Kolumne

Einfach nur auf die Tasten hauen und schon fließt das Geld: So stellen sich die Kinder unseren Kolumnisten den Job ihres Vaters vor


Kürzlich sprach ich mit der Fünfjährigen über Geld. Ich fragte, ob sie eigentlich Scheine oder Münzen ­besser fände. Lange überlegen musste sie nicht: "Natürlich Münzen", antwortete sie. Mit Scheinen könne man nämlich nicht viel anfangen, während sich Münzen oft essen ließen. "Es gibt welche aus Schokolade und sogar welche mit Sprudelbrause", erklärte sie. Dann schaute sie ernst und sagte: "Wirklich, Papa."

Lässt sich gute Erziehung erkaufen?

Ich erinnerte mich daran, als ich eine Meldung über amerikanische Teenager mit Führerschein las. 95 Prozent von ihnen sind demnach bereit, beim Fahren keine Textnachrichten mehr zu schreiben – wenn sie dafür bezahlt werden. Im ersten Augenblick fand ich das etwas anmaßend, schließlich sollte es selbstverständlich sein, sich an Gesetze zu halten. Dann aber dachte ich, dass heutzutage ja alles einen Preis hat, warum also nicht auch das? Ganz abgesehen davon, dass auch 95 Prozent meiner Kinder wohl viele Dinge unterlassen würden, wenn wir sie einfach dafür ­bezahlten.

"Können wir ja neu kaufen"

Zum Beispiel hüpfen sie gerne auf dem Sofa herum, obwohl wir immer wieder sagen, dass sie das nicht tun sollen, weil es dann kaputtgeht. Für sie stellt das aber kein großes Problem dar, weil man Dinge, die kaputtgehen, einfach reparieren – oder eben neu kaufen kann. Dieses Argument bringt besonders oft die Fünfjährige vor, meist in einem fast schon tröstenden Tonfall: "Können wir ja neu kaufen." Wirklich, Papa.

Dass sie so locker mit Geld umgeht, daran bin ich vermutlich nicht ganz ­­unschuldig. Seitdem ich einmal versucht habe, ihr zu erklären, wie ich mein Geld verdiene, denkt sie wohl, ich müsste mich nur kurz hinsetzen und ein paar Tasten drücken. Wie anstrengend es sein kann, dass dies auch in einer sinnvollen Reihenfolge passiert, weiß sie ja noch nicht. Besser, ich würde auf dem Bau Steine schleppen.

Der schwierige Bezug zum Geld

Noch am ehesten hilft es jedenfalls, den Kindern die Folgen ihres Handelns anhand von Urlauben zu erklären, die wir uns im schlimmsten Fall nicht mehr leisten können. Das verstehen sie, zumindest kurz. Nur steckt darin ja wieder eine Drohung, auf die Eltern, die eine moderne Erziehung pflegen wollen, tunlichst verzichten sollten. Und gibt es etwas Schlimmeres, als nicht nach, sagen wir, Jesolo fahren zu können?
Geld in Aussicht zu stellen, wenn sie das Hüpfen einstellen, wäre hingegen ein positiver Ansatz – auch für uns: Zunächst würde ich es mit billigen Schoko-Talern versuchen und erst im nächsten Schritt auf Fünf-Cent-Stücke umstellen. Im Falle harter Verhandlungen bliebe dann noch die Möglichkeit, auf zwei Zwei-Cent-Stücke zu erhöhen .


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