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Schulprobleme: Kind unter- oder überfordert?

Manche Kinder langweilen sich im Unterricht, andere brauchen Unterstützung. Wie Eltern solche Probleme erkennen und richtig reagieren

von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 28.08.2018
Mädchen langweilt sich

Keine Lust auf Hausaufgaben: Das kann auf Über- oder Unterforderung hindeuten


Wenn Kinder nicht gerne in die Schule gehen, können sie oft kaum in Worte fassen, warum. Sie sind frustriert und traurig, wenn andere besser sind, flüssiger lesen oder schneller rechnen können und denken vielleicht sogar: "Ich bin dumm". Nicht immer fällt das Lehrern auf, und das nicht nur, weil sie einer ganzen Klasse mit oft mehr als 20 Kindern gerecht werden müssen. "Manche Kinder haben bereits gelernt, ihre Schwierigkeiten im Unterricht nicht offensichtlich werden zu lassen", sagt Kerstin Weidner, Diplom-Psychologin bei dem Schulpsychologischen Dienst der Stadt Köln.

Ein deutliches Zeichen für Schulprobleme sind oft die Hausaufgaben: Ziehen sie sich ewig hin, gibt es deswegen Streit oder Tränen? Auch Kinder, die den Unterricht stören, zum Beispiel immer wieder aufstehen und herumlaufen, brauchen eventuell Unterstützung. Manche reagieren auf den Schulstress mit Kopf- oder Bauchweh – wenn der Kinderarzt keine körperliche Ursache findet, sollten Eltern sich die Schul- und Lernsituation genauer anschauen.

Frühzeitig mit dem Lehrer sprechen

Und dann auf jeden Fall zuerst das Gespräch mit Klassenlehrerin oder –lehrer suchen. Dieser Austausch ist für beide Seiten wichtig: Vielleicht tauchen die Probleme nur in einem Fach auf? Hat das Kind Angst vor Prüfungssituationen? Oder ist es der Sitznachbar, der stört?

Kerstin Weidner betont: "Es ist wichtig, das Kind frühzeitig zu entlasten und zu unterstützen und nicht zu warten, bis sich die Probleme vielleicht von selbst lösen. Ein Rückstand wächst sich nicht einfach aus, sondern wird meistens größer." Eine Möglichkeit ist, den schulpsychologischen Dienst der Kommune oder die regionalen Schulberatungsstellen der Kreise hinzuzuziehen. Den Kontakt können die Eltern auch unabhängig von der Schule herstellen. 

"Wenn es Hinweise darauf gibt, dass das Kind von Unterricht und Lernstoff über- oder auch unterfordert ist, laden wir es zusammen mit seinen Eltern ein. Oftmals schließt sich an das Erstgespräch eine Diagnostikphase an. Man sieht dann ganz gut, in welchen Bereichen die Defizite, aber auch die Stärken eines Kindes liegen", erklärt Kerstin Weidner. "Manchmal gehen wir auch mit in den Unterricht, wenn die Eltern das möchten und uns vorher von der Schweigepflicht der Schule gegenüber entbunden haben, um das Verhalten des Kindes in der Schule zu beobachten."

Gezielte Unterstützung hilft bei Überforderung

Doch wie lassen sich die Lücken füllen, der Rückstand aufholen? Das funktioniert am besten, wenn alle zusammenarbeiten: Indem zum Beispiel die Schule gezielte, zusätzliche Förderung anbietet und die Eltern das Kind zu Hause intensiv unterstützen. "Wir beobachten häufig, dass Kinder den Unterrichtsstoff zwar verstehen, aber nicht wissen, wie sie ihn sich nachhaltig aneignen können. Oftmals hilft in diesen Fällen eine Lernberatung beim Schulpsychologischen Dienst", so Weidner. Die Experten zeigen den Schülern wie sie sich Vokabeln oder das Einmaleins besser merken können, ihren Schreibtisch organisieren, wie und wo sie Hausaufgaben oder Termine aufschreiben. Vielen Kindern hilft das mehr als reine Nachhilfe, wo der Unterrichtsstoff oft nur geübt und wiederholt wird.

Bei Schulproblemen vermuten viele schnell, ADHS – die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung – sei die Ursache. Doch: "Nicht jedes auffällige Kind hat ADHS. Manche steigen aus dem Unterricht aus, weil sie einfach überfordert sind. Andere, weil sie sich langweilen", so Weidner.

Unterforderung: Individuell fördern statt Klasse überspringen

Wissbegierige Kinder, die schnell begreifen und denen es leicht fällt, neues anzuwenden, verlieren schnell die Lust, wenn sie nicht ausreichend gefordert werden. Nur: Der Grundschul-Unterricht besteht oft aus Üben und Wiederholen. Diese Kinder aber brauchen andere Aufgaben, die sie mehr herausfordern. Ein Klassenwechsel ist selten die Patentlösung: "Ein Schuljahr zu überspringen sollte gut durchdacht sein, da in vielen Bundesländern der Einschulungsstichtag vorgezogen wurde und die Schüler dadurch und durch das G8-Abitur sowieso sehr jung sind", sagt Kerstin Weidner. Besser sei, wenn die Lehrer es schaffen, besonders begabte Kinder individuell zu fördern, ihnen immer wieder "Futter zu geben".

Auch das Wiederholen eines Schuljahrs verwandelt schlechte Noten nicht gleich in gute. "Das hängt sehr vom Einzelfall ab. Die Tendenz ist oft, das Kind in der Klasse zu behalten – aber das verstärkt bei vielen das Gefühl: Die anderen sind ganz weit vorne, ich komme nicht mit", sagt die Schulpsychologin.

Wichtig: Den Druck rausnehmen

Wichtig sei, das Kind aus dem "Teufelskreis Lernstörung" zu befreien. Dafür kommen verschiedene Maßnahmen infrage, zum Beispiel individuelle Förderung in der Schule, oder eine Lerntherapie. Dabei aber vorab die entstehenden Kosten klären! Großen Einfluss hat auch, wie die Familie mit den Problemen umgeht. "Jedes Kind will gute Noten haben und gelobt werden", sagt Weidner.

Sie rät: Nach Absprache mit der Lehrkraft zu Hause üben – aber ohne Druck und mit zeitlicher Begrenzung. Nicht nach fünf gelösten Aufgaben noch drei anhängen, weil es schon so gut geklappt hat. Das setzt das Kind unter Druck, überfordert es noch mehr. Besser: "Aufhören, wenn das Kind erfolgreich war und ein gutes Gefühl hat. Loben, dass es etwas gemacht hat, nicht, wie es das gemacht hat", sagt Weidner. Danach gilt: Ausgleich schaffen. Rausgehen, Fußball spielen, toben, Freunde besuchen, abschalten. Auch das hilft, den Frust in Freude zu verwandeln.


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