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Papa-Kolumne: Herr Untertan

Während viele Eltern die sogenannten Sprach­assistenten verdammen, fühlt unser Kolumnist Marian Schäfer manchmal mit ihnen mit

von Marian Schäfer, 04.04.2019
Kolumne Marian

Dem Kind stets zu Diensten: Das haben manche Eltern mit Sprachassistenten gemeinsam


Kürzlich hörte ich die Einjährige mit meinem Handy reden. "Daaa", sprach sie zu ihm, während sich das Gerät untertänigst dafür entschuldigte, sie nicht verstehen zu können – und gleich gelobte, sich ab sofort besser auf ihre Sprache einzustellen. "Da, daaa", sprach das Kind nun, woraufhin das Smartphone einen Trio-Song von 1981 abspielte: "Da, da, da …"

Mitleid mit dem Sprachassistenten

Die Kleine hörte kurz zu und versuchte es dann mit einem wütenden "Ba, ba!", woraufhin sich die Website einer "Ali Baba"-Shisha-Lounge in Nürnberg öffnete. Das Kind schaute wenig begeistert und schleuderte das Handy zu Boden, was ich nicht ganz fair fand. Ehrlich gesagt, hatte ich etwas Mitleid mit ihm.

Ich weiß ja nur zu gut, wie es mit nörgelnd-schreiendem Baby oder Kleinkind so ist, nicht wissend, was es will, und alles versuchend, es zu beruhigen, und sei es, nachts mit ihm Zeit vor der schleudernden Waschmaschine zu verbringen.

Wer motzte zuerst?

Hätte das Kind, fragte ich mich, dem Gerät nicht noch eine Chance geben können? Selbst bei den Großen weiß ich nicht immer genau, was sie wollen und weshalb sie herummotzen. Bei ihnen fällt es nur leichter, die Tür zu schließen oder auch mal zurückzumotzen. Meine Frau behauptet manchmal sogar, die Kinder würden motzen, weil ich motze, was ich aber für übertrieben halte, zumal sie fast ebenso oft sagt, ich ließe mich herumkommandieren und erfülle stillschweigend Bedürfnisse, egal wie motzig sie vorgetragen werden.

So gesehen, und damit wären wir auch wieder beim Thema, ähnele ich also den sogenannten Sprachassistenten, nur dass sie niemals motzen würden, was ich eigentlich schade finde. Wäre es nicht echter, auch sie könnten schlechte Tage haben und einfach mal zurückpampen?

Papa oder Maschine?

Stattdessen werden sie nun aufgefordert, die Kinder "Bitte" und "Danke" sagen zu lassen oder sie zumindest zu loben, wenn sie dies tun. Diese Möglichkeit, las ich, schuf mancher Hersteller, nachdem Eltern klagten, ihre Kinder würden mit ihnen wie mit Maschinen reden – und die Schuld bei den Assistenten sahen. Dabei sprachen Kinder mit ihren Eltern wahrscheinlich schon so, lange bevor es die sprechenden Boxen gab – einfach, weil wir nun mal oft handeln wie Maschinen. Nur, dass wir weniger konsequent sind, oder – positiv gesagt – wissen, wann sich der Kampf lohnt und wann nicht.

Die Einjährige bekommt das Handy ja auch bloß, weil die Fernsehfernbedienung längst out ist und wir sie beim Wickeln sonst festnageln müssten. Und das gäbe sicher nur Geschrei …


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