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Papa-Kolumne: Ein schreckliches Tier

Unser Kolumnist Marian Schäfer ist geübt in ­Kinderfragen. Als es aber um den Datenschutz geht, sieht er Probleme

von Marian Schäfer, 30.01.2019
Kolumne

Der Datenschutz frisst Namen und verteilt Nummern


Kürzlich kam ein Fotograf in die Kita, und als ich morgens mit den Kindern dorthin aufbrach, erinnerte mich meine Frau noch schnell daran, bloß nicht den Datenschutz zu vergessen. Sie meinte damit den Schwung Zettel, den wir unterschrieben mitzubringen hatten.

Die Fünfjährige, schon halb im Treppenhaus, hörte dies und schaute recht irritiert: Was denn bitte ein Datenschutz sei, fragte sie und bereitete mir viel Freude damit. Ich dachte an den kleinen Datenschutz, der aus dem Spieleparadies abgeholt werden will. Auch den Gedanken an einen Hund namens Datenschutz fand ich ganz witzig.

Der Datenschutz mag Schlangen, Formulare und Nummern

Dabei hätte ich ihr natürlich viel vom Datenschutz erzählen können, sogar sehr lebensnah. Zum Beispiel waren erst einige Tage seit dem letzten Zoo-Besuch vergangenen. Ich erinnerte mich also noch gut daran, wie ich schwitzend mit zwei Kleinkindern und einem Baby gleich mehrmals hintereinander in Warteschlangen geriet.

Der Zoo hatte nämlich – um dem Datenschutz zu gefallen, diesem miesen Viech – unsere Daten kurzerhand gelöscht. Sicher ist sicher. Anstatt die Jahreskarte einfach verlängern zu können, mussten wir sie also komplett neu beantragen. 

Und, oh ja, auch der letzte Zahnarzt­besuch war noch nicht lang her. Bei dem werden die Kinder nun nicht mehr beim Namen genannt. Stattdessen tragen sie eine fünfstellige Nummer. Jaja, sagte die nette Zahnarzthelferin bei der Anmeldung, der Datenschutz. Hätte ich schon von gehört, oder?

Fotos verabscheut der Datenschutz ganz und gar

Klar, dachte ich, zuletzt im Kindergarten. Dort war es mal gute und gängige Praxis, im Alltag Bilder von den Kindern zu machen und diese auf einem Stick zu speichern, der reihum ging. Hat dem Datenschutz nicht gefallen. Gibt’s nicht mehr. Und auch die Portfolios mochte er nicht so recht – wegen der Fotos. Die gibt’s zwar noch, aber mal ganz unter uns: totaler Graubereich.

Das und noch viel mehr hätte ich der Tochter erzählen können vom Datenschutz, aber dann wäre – das ist ja immer so – die Frage nach dem Warum gekommen, und irgendwann hätte ich wohl sagen müssen: Du, die Welt ist schlecht.

Verwechslungsgefahr: Grüffelo oder Datenschutz?

Also ließ ich es bleiben und adaptierte lieber ein Lieblingsbuch der Kinder: "Was", fragte ich also zurück, "den Datenschutz, dieses schreckliche Tier, den kennst du nicht? Dann beschreib ich ihn dir: Er hat schreckliche Hauer und schreckliche Klauen und schreckliche Zähne, um Daten zu kauen …"

Da unterbrach die Tochter. "Aber Papa", sagte sie, "das ist doch der Grüffelo und nicht der Datenschutz!""Na dann", sagte ich, "besser weiß ich es nicht."


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