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Aufklärung: Mama, was ist Sex?

Irgendwann tauchen sie auf: Fragen rund um das Thema Sexualität. Wie Eltern kindgerecht aufklären, sagt unsere Expertin

von Annett Zündorf, aktualisiert am 23.01.2017
Mamas dicker Bauch

Wieso hat Mama so einen dicken Bauch? Kinder können sehr neugierig sein…


Da unten. Das kann, wenn man einen Körper betrachtet, sehr viel sein: der ­­Bauchnabel beispielsweise, aber auch die ­kleine Zehe. Im Elternhaus von Helga Tolle bezeichnete die Umschreibung genau zwei Dinge: die männlichen und die weiblichen Geschlechtsorgane. "Die Worte Penis und Scheide wurden nicht in den Mund genommen", sagt die Diplom-Psychologin und Trainerin für sexuelle Entwicklung und Aufklärung in Bonn.

Auch heute noch beob­achtet die Expertin, dass Eltern bei der Sexualerziehung ihrer Kinder oftmals Scheu haben, die ­Dinge beim Namen zu nennen. Scham mag ein Grund dafür sein, aber auch die Angst, das ­­Kleine zu überfordern.

Helga Tolle

Aufklärung ist ein Prozess

Völlig unbegründet, so Tolle, denn "Kinder haben eine unbeschriebene Festplatte,­ was Sexualität angeht". Penis, Scheide oder Busen sind für sie einfach Worte, die einen Körperteil bezeichnen, sie verbinden damit nichts anderes. Und ein Zu-Früh für Informationen gibt es nicht – wenn Eltern eine Sache beachten: Ihr Kind gibt mit seinen Fragen den Zeitpunkt der Aufklärung selbst vor.

"Aufklärung ist auch immer so ein großes Wort. Viele Eltern meinen, sie müssen mit der ersten Frage ihres Nachwuchses nun alles von A bis Z erklären. Das stimmt aber gar nicht", sagt Helga Tolle. Aufklärung sollte sich immer am Entwicklungsstand und Interesse des Kindes orientieren. Mit zunehmendem Alter braucht es mehr Details.

Altersgerecht aufklären

Einem Dreijährigen beispiels­weise, der wissen will, wie das ­Baby in Mamas Bauch kommt, genügt ­eine einfache Antwort: Das ­Baby kommt in den Bauch, weil sich ­Mama und Papa sehr lieb haben. Eltern müssen sich nicht den Kopf zerbrechen, wie sie den Akt der Zeugung in Worte fassen. ­Einen Fünfjährigen hingegen stellt ­diese Antwort nicht mehr zufrieden. Er weiß genau um die körperlichen Unterschiede von Mann und Frau und hat vielleicht auch schon ­­etwas über den Geschlechtsverkehr aufgeschnappt. "Er sollte erfahren, dass der Papa der Mama seinen Penis in die Scheide steckt, wenn sie sich lieb haben, und dass das etwas Schönes ist", erklärt die Expertin. Sie rät, ein älteres Kind auch immer zu fragen, was es denn schon darüber weiß, denn die meisten haben eine ­eigene Vorstellung von den Dingen. Außerdem erleichtert das oft den Einstieg in ein Gespräch.

Sexualerziehung ist normaler Teil der Erziehung

Mutige Fragen brauchen mutige Antworten. Wer das beherzigt, erreicht, dass das Reden über Kinderkriegen und Sex nicht zum Tabu­thema in der Familie wird. "Sexualerziehung ist nichts anderes, als ein Kind in seiner geschlechtlichen Entwicklung zu begleiten", sagt Helga Tolle. ­Eine schöne und lohnenswerte ­Aufgabe, die im Vergleich zu anderen ­Aspekten der Erziehung keine herausgehobene Stellung einnimmt. Wichtig dabei: "Beschreiben Sie nie rein schematisch, was passiert. Bringen Sie unbedingt die Gefühlskomponente mit in Ihre Erklärungen." Dass es etwas Schönes ist, wenn ­Mama und Papa mit­einander Sex haben, dass nichts wehtut, sondern es sich gut anfühlt etwa. So entwickeln Kinder einen positiven Bezug zu Sexualität und Körperlichkeit, die einen wichtigen Teil der Persönlichkeit ausmachen. Und sie lernen, respektvoll über Sexualität zu sprechen.

Kinder entwickeln sexuelle Identität

Apropos Körperlichkeit. Im Prinzip beginnt Sexualerziehung bereits dann, wenn Kleinkinder – neugierig auf die Welt und sich – anfangen, ihren Körper zu erforschen. Sie entdecken, dass sie beispielsweise eine Scheide haben wie die Mama. Sie spüren, dass sich ein Penis anders anfühlt als ein Bein. "All diese Wahrnehmungen helfen dem Kind, eine sexuelle Identität zu entwickeln, zu verstehen, was es bedeutet, ein Mädchen oder ein Junge zu sein", erklärt die Psychologin. Deshalb sollten Eltern auch bei den Kleinsten immer auf Fragen eingehen und Kindern Worte geben für das, was sie entdecken. Am besten sind Begriffe, die sie selbst mögen und die möglichst natürlich sind. "Bei den Kleinen ist es auch in Ordnung, vernied­lichende Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane zu verwenden. Allerdings sollten sie spätestens mit Eintritt in die Schule auch die Fachausdrücke kennen", sagt ­Helga Tolle.

Bei Schimpfwörtern gelassen bleiben

Die unschönen Ausdrücke bringen Kinder ganz von selbst mit nach Hause. Meist schnappen sie sie auf dem Schulhof auf und tes­ten, wie Mama und Papa darauf reagieren. "Versuchen Sie, gelassen zu bleiben", rät die Expertin. So läuft die Provokation ins ­Leere und verliert an Reiz. Wichtig außer­dem: deutlich machen, dass man die doofen Wörter zu ­Hause nicht akzeptiert und dass damit ­andere gekränkt und beleidigt werden können.


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