Check: Wie gesund ist das Kita-Essen?

Gesund und hochwertig soll es sein, das Essen in Kitas und Schulen. Aber auch möglichst billig. Was das Resultat dieser Widersprüche ist, zeigt unser Check
von Katja Töpfer, aktualisiert am 08.09.2016

Was kommt auf den Teller? Viele Kitas halten die Standards nicht ein

dpa Picture-Alliance / Georg Wendt

Kein Zucker, kein Weißmehl, kein Fleisch, am besten nur bio – viele Eltern wollen ihrer Betreuungseinrichtung haarklein vorschreiben, was ihr Kind essen soll. Kita-Elternabende können sich deshalb ins Unendliche hinziehen.

Wie sehr der Hype ums Essen aber an der Essrealität von Familien vorbeigeht, zeigt sich auch an dem, was Kindergarten- und Schulkinder in Deutschland täglich aufgetischt bekommen. Über zwei Millionen Kinder essen täglich in der Kita zu Mittag, mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren, rechnet eine Studie des Bundesministe­riums für Ernährung vor. Um auf diesen Trend zu reagieren, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn Qualitätsstandards für gesundes Kita-­Essen entwickelt.

Das sollte in Kitas auf den Tisch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Qualitätsstandards für das Mittagessen in Kitas entwickelt. Die wichtigsten Punkte ­haben wir hier für Sie aufgelistet. Nach dem DGE-Standard sollte innerhalb von fünf Essens­tagen den Kita-Kindern Folgendes aufgetischt werden:

  • Täglich Gemüse und Salat – also 5x
  • Mindestens 2x frisches Obst
  • Mindestens 2x Milchprodukte (in Aufläufen, Milchspeisen, Salatdressings)
  • 1x Seefisch
  • Mindestens 1x Vollkornprodukte
  • Maximal 2x Fleisch/Wurst
  • Maximal 1x verarbeitete Kartoffelprodukte (z. B. Klöße, Kroketten, Kartoffelpuffer)

Einen ausführlichen Online-Check finden Sie unter www.macht-dampf.de/kita-und-schule-was-koennen-eltern-tun.


Die meisten halten die Standards nicht ein

Über 60 Prozent der Anbieter halten diese Standards nicht ein, zeigt die Studie. Zu viel Frittiertes, zu viel Fleisch, zu viele Fertigprodukte. In nur 6,5 Prozent der befragten ­Kitas gibt es täglich Gemüse, wie es der DGE-Standard vorschreibt.

Um ­dies zu ändern, hat Christian ­Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Anfang des Jahres mit "Macht Dampf" die nach eigenen Angaben größte Initiative für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen gestartet. Auf riesigen Plakaten werben Kinder und buntes Obst dafür, dass gesundes Essen schlau und kreativ macht. Dass durch die Kampagne auch Kinder ein besseres Mittagessen erhalten, bezweifelt ­Ernährungswissenschaftlerin Jana Rückert-John, die beim diesjährigen DGE-Kongress die wissenschaftliche Leitung hatte. "Das ist vor allem eine Marketing-Aktion", lautet ihr Urteil.

Verantwortung wird auf Eltern abgewälzt

Bei einem näheren Blick auf die Inhalte der Kampagne wird klar, dass die Macher von "Macht Dampf" die Verantwortung für gesundes Kita- und Schul­­essen vor allem bei den Eltern sehen. Diesen wird beispielsweise geraten, die Qualität des Essens selbst zu überprüfen, eine Mensa-AG mit Eltern zu gründen oder sich mit anderen Schulen zu vernetzen. Als Unterstützung bietet die Kam­pagne kostenlose Beispielanschreiben für die Einladung zur AG-Gründung. Geld für gut ausgestattete Schulkantinen, in denen auch gekocht und nicht nur aufgewärmt wird, Zuschüsse für gesundes Kitaessen, Küchen­ausstattungen für Kindertages­stätten – aufgrund der föderalen Strukturen ist das Bundesminis­terium für Ernährung hierfür nicht zuständig.

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