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Ständig Husten – was steckt dahinter?

Husten gehört für manche Kinder fast zum Normalzustand. Manche leiden regelmäßig an Bronchitis und Atemnot, Eltern denken dann schnell an Asthma. Was jetzt hilft

von Marian Schäfer, aktualisiert am 12.02.2019
Kleinkind abhören

Heftiger Husten: Mit Pfeifatmung oder Atemnot sollten Kinder zum Arzt


Die Zahlen sind immens: ­Etwa zehn Prozent der Kinder unter 15 Jahren leiden an ­Asthma. Sie ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter und bricht laut Lungeninformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München in gut 70 Prozent der Fälle vor dem fünften Lebensjahr aus. Verständlich, dass sich Eltern häufig wegen hustender, pfeifend-quietschender Kinder sorgen.

Prof. Dr. Walter Dorsch kann oft beruhigen. Er ist Kinderarzt mit Schwerpunkt Allergo­logie und Pneumologie in München. "Kleine­ Kinder", sagt er, "leiden im Jahr durchschnittlich unter zwölf ­Infekten der oberen Atemwege. Davon gehen sechs mit einer Bronchitis, also einer Entzündung der ­unteren Atemwege, einher­." Jede könne asthmatische Beschwerden hervorrufen, die wenige Tage, aber auch bis zu vier Wochen andauern können. Dorsch unterscheidet zwischen einer mehr oder weniger harmlosen akuten und der obstruktiven Bronchitis, sowie dem Asthma bronchiale­. Was dahintersteckt und was dagegen hilft:

Akute Bronchitis

Die Lunge besteht aus zwei Flügeln, die an die Luftröhre anschließen und deren innerer Aufbau einem umgedrehten Baum gleicht: Es gibt einen dicken Stamm, dünne Äste­ und kleinste Verästelungen, an deren Ende "Blätter" hängen. Bei der Lunge spricht man von Bronchien, die sich vielfach verzweigen und die Atemluft zu Millionen von kleinen Bläschen transportieren. Diese sorgen für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid.

"Eine Vielzahl von Viren kann zu einer Entzündung der Bronchial­schleimhaut führen. Selten sind Bakterien verantwortlich", ­erklärt Walter Dorsch. Es sei eine meist harmlose Infektion, die allerdings mit einem oft unangenehmen, weil heftigen und anfangs trockenen Husten einhergehe. "Sind keine­ Bakterien beteiligt, gegen die ein Antibiotikum hilft, kann man meist nur abwarten und den Kindern das Abhusten erleichtern." Dazu eigneten sich physikalische Methoden, Inhalationen, pflanzliche Arzneimittel und Kneipp´sche Verfahren.

In Absprache mit dem Arzt empfiehlt­ Apotheker­ Stefan ­Keidel bei Kindern unter einem Jahr dafür Efeu-Extrakte. "Ab einem Jahr gibt es auch ­­Kombipräparate, etwa mit Thymian", sagt der Heidelberger Apotheker. Diese gelten auch als entzündungshemmend und krampflösend. "Ab dem zweiten Geburtstag stehen viele chemische Arzneien zur Verfügung, die gegen sehr zähen Schleim helfen." ­Immer hilfreich: feuchte Luft. "Einfach einen nassen Lappen über die Heizung hängen", sagt Keidel. Zudem können Kinder ab etwa­ einem Jahr bereits Kochsalz inhalieren. Kindgerechte Vernebler gibt es in Apotheken oft auf Rezept. "Haben Familien häufig mit Atemwegs­infekten zu kämpfen, lohnen sich auch eigene Geräte", so Keidel.

Bronchitis (Schematische Darstellung)

Obstruktive Bronchitis oder Infektasthma

Bei einer akuten Bronchitis steht der Husten im Vordergrund, während bei der obstruktiven Bronchitis das Atmen oft stark erschwert ist. Weil das Bronchialsystem von Säuglingen und Kleinkindern oft sehr empfindlich ist, kommt es häufig zu einer Verengung ("­Obs­truktion") der Atemwege. Die Bronchienschleimhaut schwillt an, zäher Schleim bildet sich, die Muskeln verkrampfen. Das Krankheitsbild entspricht dem eines ­Asthma bronchiale: Husten, pfeifende Atem­geräusche, erschwerte Ausatmung bis zur Atemnot. "Oft wird deshalb auch von Infektasthma gesprochen", sagt Walter Dorsch. Er schätzt, dass bis zu 20 Prozent der Kleinkinder darunter leiden.

Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter fällt jedoch auch Ärzten die Diagnose oft schwer. Objektive Messmethoden, etwa ein Lungenfunktionstest, sind bei Kindern erst ab dem Alter von vier Jahren möglich. "Bei Kleineren müssen wir deshalb gut hinhören und die Eltern genau befragen", sagt Walter Dorsch. War das Kind, bevor es die Symptome gezeigt hat, erkältet? Wie hörte sich das Atemgeräusch nach dem Sport an, wie der Husten in der Nacht? Gibt es Allergiker oder gar Asthmatiker in der Familie? Zur Behandlung gibt es ein Fülle von Möglichkeiten:

"Vorsorglich kann man versuchen, die Zahl der Infekte mit Kneipp'schen Methoden zu verringern, etwa mit ansteigend-warmen Fußbädern­", sagt der Kinderarzt.

Je nach Alter des Kindes sowie Stärke und Häufigkeit der Beschwerden behandelt der Arzt ansonsten mit verschiedenen atemwegserweiternden und entzündungshemmenden Wirkstoffen. Meist werden sie als Inhalation gegeben, manchmal als Spray oder Tabletten. "Häufig wird erst mal mit Salbutamol behandelt, das die Bronchien erweitert", sagt Apotheker Keidel.

"Man muss", meint Dorsch, "anfällige ­Kinder nicht sofort dauernd mit Kortison behandeln, auch wenn es niedrig dosiert und somit harmlos ist." Er rät eher zur bedarfsgerechten Stufentherapie. Sobald erste Anzeichen eines Infekts auftauchen (wie Schnupfen), sollte ein anfälliges Kind Kochsalzlösung inhalieren – und der Kinderarzt die weitere Behandlung planen. "Oft verschwindet die Neigung zum Infekt­asthma bis zum Schulalter", sagt Walter Dorsch.

Asthma bronchiale und Allergien

Beim Asthma bronchiale unterscheiden Ärzte zwischen Ursachen und Auslöser. Zu den Ursachen zählen eine angeborene oder durch Infektionen oder Allergien erworbene Überempfindlichkeit: Dauerhaft entzündet reagieren die Atemwege überempfindlich auf unterschiedliche Reize. "Das kann kalte Luft sein oder Husten und Lachen", erklärt Walter Dorsch. "Bei vielen betroffenen Kindern verkrampfen die Bronchien bei Anstrengung, man nennt das dann Anstrengungsasthma."

Bis zum Schulalter lösen vor allem Infekte das Asthma aus. Da bleibt kaum mehr als Symptombehandlung mit entzündungshemmenden und bronchienerweiternden Medikamenten und eine Mobilisierung des Immunsystems übrig. Ab dem Schulalter sind bei Kindern meistens Allergien mitverantwortlich. Entsprechende Tests bringen Klarheit. "Bei Älteren könnte dann eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein", so Walter Dorsch. Davor gilt es, die Allergene möglichst zu meiden, bei einer Hausstaubmilbenallergie also die Wohnung richtig einzurichten oder bei einer Baumpollenallergie den Urlaub beispielsweise sinnvoll zu planen.

Von der Allergie zum Asthma

Reagieren Kinder auf Pollen oder Hausstaubmilben allergisch, sollten Eltern das ernst nehmen. "Es passiert oft, dass sich das Spektrum der Allergie unbehandelt im Verlauf ausweitet und etwa aus einem Heuschnupfen ein Heuasthma wird", erklärt Walter­ Dorsch. Ärzte­ nennen das "Etagen­wechsel". Ab dem Schulalter könne über eine Hyposensibilisierung nachgedacht werden. In jedem Fall sollten Eltern ver­suchen, die Allergene zu meiden.


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