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Pflanzliche Mittel bei Erkältungen

Eltern wünschen sich sanfte Therapien für ihr Kind und setzen gerade bei Erkältungen gerne auf die lindernde Kraft von Heilpflanzen. Was es dabei zu beachten gibt

von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 28.11.2019

Unsere Experten erklären, welche Heilpflanzen für Kinder geeignet sind und wann ein Arztbesuch bei Erkältung notwendig wird


Auf so manche Begleiterscheinungen der kalten Jahreszeit würden wir nur zu gerne verzichten. Ob Husten, Schnupfen, Halsweh – gerade kleine Kinder scheinen von Oktober bis März geradezu in einer Erkältungsdauerschleife zu stecken. Zwölf Infekte im Jahr sind noch völlig normal, sagen Kinderärzte. Doch was hilft da? "Gerade bei Kindern haben sich pflanzliche Erkältungsmittel über Jahrzehnte bewährt. Die Wirksamkeit der Pflanzenwirkstoffe wurde in Anwendungsbeobachtungen und oft mit großen Fallzahlen überprüft", erklärt Margit Schlenk, Inhaberin von zwei Apotheken in Nürnberg und Neumarkt/Oberpfalz. Als ausgewiesene Kennerin bildet sie Ärzte und Apotheker in Phytotherapie-Kursen zum Einsatz von Heilpflanzen aus.

Heilkraut aus der Apotheke

Manch einen packt jetzt vielleicht die Lust, selbst Heilkräuter zu sammeln und in seiner Hausapotheke einzusetzen. Ein schönes Hobby, aber ob man es gleich beim eigenen Kind ausprobieren sollte? Margit Schlenk rät eher ab. Aus einem einfachen Grund: Selbst gepflückten Heilkräutern aus der Natur sieht man Verunreinigungen durch Tiere, Straßenverkehr oder Landwirtschaft nicht an. Einige wild wachsende Pflanzen oder Teile davon stehen zudem unter Naturschutz.

Bei Heilpflanzen aus der Apotheke weiß man hingegen, was man hat: Sie werden unter kontrollierten Be­dingungen angebaut, gesammelt, getrocknet und aufbewahrt. Die Reinheit, Qualität sowie eine verlässliche Menge an Wirkstoffen sind garantiert. Weiter verarbeitet zu Fertigpräparaten wie Säften, enthalten diese die Wirkstoffe in viel höherer Konzentration als ein selbst gebrühter Tee.

Nicht jede Pflanze geeignet

"Außerdem ist die richtige Dosierung zur richtigen Zeit bei Kindern noch wichtiger als bei Erwachsenen", erläutert Apothekerin Margit Schlenk. Bitte beachten Sie bei Fertigpräparaten daher immer die Angaben der Beipack­­zettel sowie die Empfehlungen des Kinderarztes oder Apothekers zur altersgerechten Dosierung. Kommt noch hinzu, dass längst nicht jedes Kraut, das Mama und Papa nützt, sich auch fürs Kind eignet.

Wann zum Arzt?

Husten, der länger als ein paar Tage anhält, sollte immer vom Arzt abgeklärt werden. Gleiches gilt bei Atemnot, anfallsweisem Husten und wenn andere Symptome wie etwa hohes Fieber, starke Hals- oder Ohrenschmerzen dazu­­kommen. Säuglinge und Kleinkinder gehören mit Husten oder Fieber immer zum Arzt.

Welche Pflanzen bei leichteren Beschwerden helfen, zeigen die folgenden Beispiele:

Efeu

Hilft bei: Bronchialerkrankungen und Katarrh der Luftwege.
Wirkung:
Die getrockneten Blätter enthalten seifenartige Stoffe, die Schleim verflüssigen, das Abhusten fördern, krampf­lösend wirken und Hustenreiz verringern.
Anwendungsart: Wird als standardisierter Saft gegeben.
Altersbeschränkung: Ab einem Jahr zugelassen, je nach Präparat.
Tipp der Apothekerin: Efeu mit Thymian kombiniert wirkt doppelt gut, so wie Shampoo und Spülung für die Haare.

Latschenkiefer

Hilft bei: Katarrh der Atemwege sowie Bronchitis. Die Kieferzubereitungen unterstützen den Sekretabtransport.
Wirkung: Die ätherischen Öle aus den Nadeln wirken antibakteriell und antiviral sowie schleimverflüssigend.
Anwendungsart: Balsam zum Auftragen auf den Rücken. Der Wirkstoff wird über die Haut aufgenommen, geht über den Blutweg in die Atemorgane, entkrampft die Bronchien und wird über Mund und Nase wieder abge­geben. Wegen der ätherischen Öle ist bei Kleinkindern und empfindlichen Personen Vorsicht geboten.
Altersbeschränkung: Den Balsam gibt es in zwei Zubereitungen: für Kleinste ab dem ersten Lebensjahr sowie für größere Kinder ab dem sechsten Lebensjahr.

Eibisch

Hilft bei: trockenem Reizhusten und gereizter Rachenschleimhaut.
Wirkung: Die Wurzel des Malven­gewächses bildet lokal einen Schutzschleim über der gereizten Rachen­schleimhaut – ähnlich einer Art Bettdecke.
Anwendungsart: Wird als fertiger Saft gegeben.
Altersbeschränkung: Ab einem Jahr.
Tipp der Apothekerin: Bei bellendem Husten Eibischsaft in Kombination mit einem Efeu-Thy­mianpräparat geben, damit auch pflanz­liche Wirkstoffe in den Bronchien ankommen.

Schlüsselblume

Hilft bei: entzündeten Atemwegen, regt die Bildung von dünnflüssigem Bronchialskret an, Schleim kann abgehustet werden.
Wirkung: Die Blüten enthalten milde Flavo­noide, die leicht antientzündlich und sekretbildend wirken.
Anwendungsart: Als Tee, besser als Saft, kombiniert mit Enzianwurzel, Gartensauerampfer, Holunderblüte und Eisenkraut. Kinder mögen ihn wegen seines milden Geschmacks.
Altersbeschränkung: Saft erst ab zwei Jahren; Tee von Anfang an.
Zubereitung: Für Tee 1 bis 2 TL getrock­netes Kraut (aus der Apotheke) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Auf ange­nehme Trinktemperatur abkühlen und schluckweise trinken lassen.

Thymian

Hilft bei: Husten.
Wirkung: Das blühende Kraut enthält äthe­rische Öle, die angenehm mild und aro­­ma­tisch schmecken. Es wirkt schleimlösend, anti­bakteriell und krampflösend auf die Bronchien.
Anwendungsart: Er wird als standardisierter Saft gegeben. Thymian ist nicht gut geeignet für Tee, da die ätherischen Öle in heißem Wasser verdampfen. Wenn es ein Tee sein soll, kommt er frühestens ab dem dritten Lebensjahr infrage.
Altersbeschränkung: Ab dem zweiten Lebensjahr.
Tipp der Apothekerin: Auch hier einen Saft wählen, der mit Efeu kombiniert ist.

Spitzwegerich

Hilft bei: trockenem, schmerzhaftem Husten, Bronchitis, Schnupfen.
Wirkung: Die Blätter des Spitzwegerichs enthalten den Wirkstoff Aucubin, der schleimlösend, keim- und entzündungshemmend wirkt.
Anwendungsart: Am besten als stan­dardi­sier­ten Saft geben. Er enthält den wertvollen Wirkstoff in höherer Konzentration; Tee eignet sich auch gut.
Altersbeschränkung: Beim Saft keine; Tee erst ab dem zweiten Lebensjahr.
Zubereitung: Für Tee 2 TL getrocknetes Kraut (aus der Apotheke) mit 150 Milliliter kochen­dem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen. Auf angenehme Trinktemperatur abkühlen und schluck­weise trinken lassen.

Nicht alles pflanzliche ist auch gut

Hände weg von starken ätherischen Ölen wie Eukalyptus, Kampfer, Menthol oder Pfefferminz: Sie sollten Kindern unter zwei, drei Jahren nicht verabreicht werden. Das gilt sogar für Pfefferminztee, der für Erwachsene harmlos ist. Der Grund: Gelangen die darin enthal­tenen äthe­rischen Öle bei kleinen Kindern während des Trinkens mit dem Wasserdampf in Mund und Nase, könnte das im schlimmsten Fall zu einem Erstickungsanfall führen.
Tees mit Saponinen, etwa aus Efeu oder Primelwurzel: Sie schmecken für Kinder bitter und sind für sie nicht gut magenverträglich.
Efeublätter oder -samen (für selbst zubereiteten Tee): können sehr giftig sein und beim Berühren zu Hautentzündungen oder einer Kontaktallergie führen. Fertige Efeu-Tropfen enthalten – wie übrigens viele pflanzliche Mittel – Alkohol.
Tee aus Eibisch und Isländisch Moos: Wirkt nur als Kaltauszug, der kompliziert in der Zubereitung ist. Hält man gewisse Hygieneregeln nicht ein, hat man statt einem Heilmittel eine Bakterienkultur. Lassen Sie sich immer in Ihrer Apotheke beraten. Sie kann zudem individuelle Mischungen herstellen, gerade auch für kleine Patienten.


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