Ab wann dürfen Kinder ins Kino?

Sich in ferne Welten träumen oder über tollpatschige Helden lachen – Kinder lieben das. Doch ab wann eignet sich für sie der Besuch eines Kinofilms?

von Julia Ferrat, 27.04.2018
Kinder im Kino

Erst mit fünf, sechs Jahren können Kinder einer längeren Filmhandlung folgen


Sie sind wunderhübsch, wild oder ­einfach nur witzig – und machen Eindruck beim Nachwuchs: die Prinzessinnen, Piraten und sprechenden Autos auf den Kinofilmplakaten und in der Werbung. Da wollen manchmal schon die Kleinen ins Kino. Und auch wir Eltern denken dann: Warum eigentlich nicht? Einen Schmuddelwetter-Sonntagnachmittag im Kino ver­bringen ist doch schön …

Kino als Teil der Kinderkultur

Filme können tatsächlich etwas Wunderbares sein. Gute Geschichten helfen Kindern, die Welt zu verstehen. Sabine Eder, Diplom-Pädagogin und Medienexpertin aus Göttingen, sieht Kino daher als einen Teil Kinder­kultur, der durchaus seine Berech­tigung habe. Jedoch erst ab einem gewissen Alter: "Kinder sollten mindestens fünf Jahre alt sein und bereits kurze Filme auf anderen Medien gesehen haben", erklärt Eder. "Jüngere haben noch keine Distanz zum Filmgeschehen, sie nehmen es stark emotional wahr, erleben es geradzu mit." Gut sei, wenn Kinder ihre Film­eindrücke hinterher zum Beispiel im Rollenspiel oder beim Malen verarbeiten könnten.

Im Idealfall geht das Kind mit den Eltern ins Kino – und nicht mit den Eltern eines Kindergartenkumpels. "Auch Fünfjährige brauchen eine beruhigende Hand oder eine Schulter zum Anlehnen an Mama oder Papa, nicht nur bei spannenden Filmszenen", sagt die Medienpädagogin.

Zu früher Kinobesuch wirkt nachteilig

Auch für Entwicklungspsychologin Sarah Weigelt aus Bochum ist Kino für kleine Kinder im besten Falle überflüssig: "Kinder unter sechs Jahren profitieren nicht von einem Kinobesuch, eher wirkt er nachteilig", erklärt die Professorin von der Ruhr-Universität Bochum. So würden sich die meisten Kinder in einem dunklen Kinosaal mit einer riesigen Leinwand bei schnellen Bildern und lauten Geräuschen schnell ängstigen. Weigelt warnt besonders vor der Lautstärke vieler Filme: "Gerade bei Kindern bis vier Jahre ist das Ohr sehr empfindlich. Auch durch die Schädel­decke dringen laute Ge­­räusche bis zum Gehirn des Kindes."

Selbst wenn die Kleinen einen ruhigen und eher langsam geschnittenen Film sehen, sieht die Bochumer Entwicklungspsychologin keinen Nutzen in einem frühen Kinobesuch: "Kinder entwickeln erst zwischen drei bis fünf Jahren die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Dafür müssen die zuständigen Hirnregionen noch ausreifen." Drei- und Vierjährige können die Gefühle und Intentionen der Schauspieler und Filmcharaktere häufig noch gar nicht richtig nachvoll­ziehen. Deshalb fällt es Kleinen schwer der Filmhandlung zu folgen.

Der erste Kinobesuch: Das raten die Experten

Wer mit seinem Kind das große Abenteuer Kino beginnen möchte, sollte sich gut vorbereiten. Eine erste Orien­tierung bietet die Altersempfehlung der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft). Sie genügt jedoch nicht, da sie weder ein Qualitäts­siegel noch eine pädagogische Empfehlung darstellt. Auch Filme, die mit FSK 0 bewertet sind, können für einen Fünfjährigen ungeeignet sein.

Besser informieren Eltern sich im Vorfeld über Inhalt und Länge des Films. "20 bis 45 Minuten reichen bei Kindern völlig aus. Anspannung und Entspannung sollten sich abwechseln. Der Film darf nicht zu stark mit Musik oder Geräuschen untermalt sein", rät Medien­pädagogin Eder. "Genau wie wir Erwachsene wollen sich auch viele Kinder ein bisschen gruseln – man nennt das Angstlust. Dann sind sie stolz, es geschafft zu haben und gehen ge­­stärkt aus dem Film. Immer vorausgesetzt, er ist altersgerecht."

Als guten Einstieg ins Kinoleben schlägt die Göttinger Expertin kleine kommunale Kinos oder Familienzentren vor, in denen es nicht zu laut wird. Auch zu Hause kann man gut eine eigene Kinoshow veranstalten. Eder rät Eltern, den Nachwuchs auf die Geschichte des ausgewählten Films vorzubereiten und vorher über den Inhalt zu sprechen. Wird der Film zu spannend, oder dauert er zu lange? "Einfach rausgehen und die Geschichte mit eigenen Worten und der eigenen Fantasie zu Ende erzählen", empfiehlt Eder. Hauptsache, es gibt ein Happy End. Denn das braucht ein Kind bei jeder Geschichte.


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