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Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Inzwischen befindet sich ein Corona-Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren im Zulassungsverfahren. Er könnte schon im Sommer zum Einsatz kommen. Doch was ist mit Säuglingen und Kleinkindern?

von Christian Parth, aktualisiert am 03.05.2021

Die Impfung von Erwachsenen in Deutschland hat in den vergangenen Wochen an Fahrt aufgenommen. Doch was ist mit den Kindern? Warum müssen die Jüngsten noch auf die Immunisierung gegen das neuartige Corona­virus SARS­-CoV-­2 warten? Schließlich nehmen auch bei ihnen die Erkrankungsfälle zu. Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder­ und Jugendärzte hofft daher, dass auch für sie bald eine Impfung möglich wird. "Nicht nur Risikogrup­pen, auch Kinder brauchen eine Perspektive auf ein normales Leben", meint der niedergelassene Kinder­ und Jugendarzt aus Berlin. "Die Zulassung entsprechender Impfstoffe muss mit Hochdruck vorangetrieben werden."

Bislang ist nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer ab 16 Jahren von der Europä­ischen Kommission zugelassen. Für jüngere dage­gen gibt es noch kein genehmigtes Vakzin. Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben jedoch nach eigenen Angaben bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass im Falle einer Zulassung Kinder dieser Altersgruppe eine erste Immunisierung spätestens in den Sommerferien bekommen könnten. "Stand heute, wenn nichts Ungewöhnliches passiert", sagte der CDU-Politiker am 29. April in Berlin. Die Prüfung eines Zulassungsantrags für Corona-Impfstoffe bei der EMA dauert in der Regel wenige Wochen.

Erste Studien an jüngeren Kindern

Auch weitere führende Anbieter von Corona­-Schutz­impfungen haben das Tempo erhöht und be­reits erste Studien auf den Weg gebracht. Das US-­Unternehmen Moderna etwa hat Mitte März mitgeteilt, seinen mRNA­-Impfstoff nun erstmals an Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren zu testen. Die KidCOVE­-Studie wird in den USA und Kanada durchgeführt. Biontech/Pfizer meldete, dass Studien bei 12-­ bis 15­-Jährigen eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit des Impfstoffs gezeigt hätten. Auch hier läuft nun eine Studie mit jüngeren Kindern.

Grundsätzlich fangen Studien mit Minderjähri­gen zunächst bei älteren Jugendlichen an. Sollte es keine Auffälligkeiten geben, werden die Studien nach und nach bis zu den Jüngsten ausgeweitet. Wann genau aber ein Impfstoff gegen das Corona­virus für Kinder zugelassen und verfügbar sein wird, ist unklar. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder­ und Jugendmedizin der Universität Mainz und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO), rechnet "mit Impfstoffen für Kinder unter 12 Jahren frühestens Ende des Jahres, eher Anfang nächsten Jahres."

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Impfstoffe für Erwachsene und Kinder unterschei­den sich hauptsächlich in der Dosis. Doch weniger Körpervolumen bedeutet nicht unbedingt eine ge­ringere Menge Impfstoff. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – so kann man zum Beispiel nicht ein­fach die Dosis halbieren, wenn ein Kind geimpft werden soll", informiert das Paul­-Ehrlich-­Institut (PEI), das in Deutschland zuständig ist für Impf­stoffe und biomedizinische Arzneimittel.

Ein gutes Beispiel ist die Grundimmu­nisierung bei Diphtherie und Tetanus. Hier wird Säuglingen und Kleinkin­dern sogar eine höhere Menge an Antigenen verabreicht als bei der späteren Auffrischung im Er­wachsenenalter, so das PEI. Die Präparate müssen – ähnlich wie bei Impfstoffen für Erwachsene – ein eigenes klinisches Prüfungs­programm durchlaufen, bis sie zu­ nächst von der Europäischen Arznei­mittelbehörde zugelassen und in der Folge durch die EU-­Kommission bestä­tigt werden können.

Strenge Richtlinien

Doch die Entwicklung eines Vakzins für Kin­der und Jugendliche birgt ein Problem. "Impfstoffe werden generell in den Altersgruppen getes­tet, für die sie auch eingesetzt werden sollen", gibt das PEI an. Je jünger die Kinder sind, desto schwie­riger ist es, Studienteilnehmende zu finden. Eltern sorgen sich, ihr Neugeborenes zum Versuchskanin­chen zu machen. "Bei solchen Studien gibt es sehr strenge Richtlinien", sagt Prof. Dr. Hans-­Iko Hup­pertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder­ und Jugendmedizin in Bremen. "Die Testzentren treten an die Eltern heran und klären sie umfassend auf."

Da das Vakzin zu dem Zeitpunkt schon bei älte­ren Kindern getestet worden sei, sei das Risiko ge­fährlicher Immunreaktionen äußerst gering, meint der pädiatrische Infektiologe. Dafür spreche auch, dass bei gesunden Kindern eine Infektion mit dem Coronavirus in den allermeisten Fällen nahezu symptomlos verlaufe.

Im Fall des Vektorimpfstoffs würden ausschließ­lich nicht vermehrungsfähige Viren verwendet. Bei der mRNA­-Variante würde die mRNA innerhalb von 24 Stunden im Körper abgebaut. Das Risiko, dass es bei der Impfung neben normalen Reaktio­nen wie Schwellungen an der Einstichstelle, Kopf­schmerzen, Fieber und Frostgefühl zu schwerwie­genden Nebenwirkungen kommen könnte, schätzt Huppertz als äußerst gering ein. Ob es zu Lang­zeitfolgen kommen könnte, lasse sich mangels Er­fahrungswerten zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sicher sagen.

Müssen Kinder geimpft werden?

Das Paul­-Ehrlich­-Institut beurteilt die Sicherheit der Vakzine und die Arbeit der zuständigen Behör­den: Impfstoffe würden nur für die Altersgruppen zugelassen, für die Daten zur Wirksamkeit und Si­cherheit aus klinischen Prüfungen vorliegen, heißt es. Die Zulassung würde dann durch eine so­ genannte Änderungsanzeige zur bestehen­den Zulassung auf Jüngere ausgedehnt.

Doch müssen Kinder überhaupt geimpft werden? Würde nicht das flächendeckende Impfen von Erwachsenen ausreichen, um Nicht­-Geimpfte mit zu schützen? Dieses Prinzip nennt sich Herdenimmunität. Man geht davon aus, dass der Gemeinschaftsschutz bei einer Durchimp­fung der Bevölkerung von etwa 80 bis 85 Prozent greift. Dass man Kinder im Kampf gegen die Pan­demie ungeimpft lässt, sieht Huppertz daher kri­tisch. "Da Kinder und Jugendliche etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen, wäre es sehr schwie­rig, eine Herdenimmunität zu erreichen, ohne diese Gruppe miteinzubeziehen", sagt er.

Auch hat sich ihre Rolle im Infektionsgeschehen in Deutschland nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts unter anderem durch die Dominanz der ansteckenderen Virusvariante B.1.1.7 geändert. Bei Kindern nähmen die Infektionzahlen deutlich zu, sagte RKI-Präsident Wieler Ende April. "Kinder tragen auf jeden Fall zum Infektionsgeschehen bei." Langzeitfolgen, die es auch bei Kindern gebe, dürfe man nun bei der Risikobewertung nicht aus dem Blick verlieren.

Vorerkrankte Kinder zuerst impfen

Sollte ein für Kinder geeigneter Impfstoff auf den Markt kommen, hält es Huppertz für denkbar, wie bei den Erwachsenen Priorisierungsgruppen ein­zuführen. "Es gibt beispielsweise Kinder mit Mus­kelerkrankungen oder nicht operablen Herzfehlern, für die eine Erkrankung mit Covid­-19 tödlich ver­laufen könnte. Sie sollten zuerst immunisiert wer­den", sagt Huppertz.


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