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Richtig Lüften in Schulen

Lüften, lüften, lüften lautet derzeit die Devise in den Schulen. So soll der Aerosolgehalt in der Luft möglichst gering gehalten werden, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu vermeiden. Wie der Luftaustausch effizient stattfindet

von Beatrice Sobeck, 22.10.2020

1. Darum ist ein regelmäßiger Luftaustausch in Klassenzimmern wichtig

"In Klassenzimmern sind häufig viele Kinder anwesend. Dadurch können sich schnell infektiöse Partikel in der Luft anreichern, zum Beispiel Viren wie SARS-CoV-2. Das Lüften über geöffnete Fenster ist derzeit vielerorts die beste und oft die einzige Möglichkeit, die Viruslast in der Zimmerluft zu minimieren", sagt Dr. Heinz-Jörn Moriske, Geschäftsführer der Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt in Dessau.

Grundsätzlich sollten Klassenzimmer regelmäßig gelüftet werden. Dabei strömt frische Luft in den Raum und ersetzt die verbrauchte. Feuchtigkeit wird abtransportiert, was das Risiko von Schimmelbildung reduziert. Zudem werden Feinstaub, Gerüche und Ausdünstungen, etwa aus Möbeln oder von Kosmetika, entfernt. Nicht zuletzt wird ausgeatmetes Kohlendioxid (CO2) beim Lüften nach außen abgeführt. Es macht müde und kann die Konzentration verringern.

Dr. Heinz-Jörn Moriske, Geschäftsführer der Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt in Dessau

2. Wie funktioniert richtiges Lüften im Schulalltag?

"Um die infektiösen Partikel in der Raumluft loszuwerden, sollte pro Stunde dreimal intensiv gelüftet werden", empfiehlt der Hygieneexperte. In der Praxis sollte das so aussehen:  Während des Unterrichts wird alle 20 Minuten gelüftet. Alle Fenster müssen weit geöffnet werden (Stoßlüften). Je größer die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen ist, desto effektiver ist das Lüften. Daher genügt es bei kalten Außentemperaturen im Winter, drei bis fünf Minuten zu lüften. An warmen Tagen muss länger gelüftet werden (ca. zehn bis 20 Minuten). An sehr heißen Tagen im Hochsommer, wenn die Lufttemperaturen außen und innen ähnlich hoch sind, sollten die Fenster durchgehend geöffnet bleiben. Zudem sollten die Fenster nach jeder Unterrichtsstunde über die gesamte Pausendauer weit geöffnet werden, auch im Winter.

"Noch besser als Stoßlüften ist Querlüften. Das bedeutet, dass gegenüberliegende Fenster gleichzeitig weit geöffnet werden", sagt Moriske. Sein Tipp: In Schulen kann das Querlüften auch durch weit geöffnete Fenster auf der einen Seite und der Fenster im Flur auf der gegenüberliegenden Seite realisiert werden.

Eltern fürchten, dass durch das viele Lüften die Klassenzimmer stark auskühlen und die Kinder in kalten Räumen sitzen müssen. Der Hygieneexperte kann beruhigen: "Sowohl beim Stoßlüften als auch beim Querlüften sinkt die Temperatur im Raum nur um wenige Grad ab. Nach dem Schließen der Fenster steigt sie rasch wieder an."

3. Was nützen CO2-Ampeln, und wie werden sie richtig eingesetzt?

Kohlendioxid (CO2) ist ein guter Indikator für "verbrauchte" Luft, weil jeder Mensch CO2 ausatmet. Eine erhöhte CO2-Konzentration sagt zwar nichts darüber aus, ob virushaltige Aerosole in der Raumluft zirkulieren, aber sie deutet darauf hin, dass zu lange nicht gelüftet wurde und daher auch das Infektionsrisiko erhöht sein kann.

"CO2-Ampeln sind meist recht einfache Messgeräte zur Bestimmung der Konzentration von CO2 in der Innenraumluft. Sie zeigen über die Indikatorfarben grün-gelb-rot die Luftqualität bezogen auf CO2 an", erklärt der Hygieneexperte. Manche Geräte zeigen auch die Konzentration gemessen in Parts per Million (ppm) an. Bis 1000 ppm gilt die Raumluftqualität als gut (grün). Wird diese Konzentration überschritten, schaltet die Ampel auf "gelb" und bei mehr als 2000 ppm meist auf "rot".

"Die Geräte werden am besten in Atemhöhe und mittig im Raum platziert. Eine Positionierung im Bereich der Fenster oder das Aufstellen direkt entlang einer Wand oder zum Flur hin ist nicht sinnvoll", sagt Moriske. Es sei auch nicht unbedingt erforderlich, in jedem Klassenraum eine CO2-Ampel dauerhaft zu installieren. Es genüge, wenn in einem Raum zunächst mithilfe der Ampel das Lüftungsverhalten einstudiert und anschließend auch ohne Ampel beibehalten wird. Dann kann die CO2-Ampel im nächsten Klassenraum eingesetzt werden.

4. Die Fenster können nicht geöffnet werden – und nun?

In dem Fall gilt es zu prüfen, ob die Fenster grundsätzlich geöffnet werden könnten. Mit einfachen Mitteln, etwa indem Griffe wieder montiert werden, könne die eingeschränkte Lüftungssituation schnell behoben werden. Ansonsten könne über stationäre, in die Fensterbereiche eingebaute Zu- bzw. Abluftanlagen nachgedacht werden. "Sie sind baulich eine schnell realisierbare Option", sagt Ingenieur Moriske.

Sein Fazit: "Können keinerlei Maßnahmen umgesetzt werden, sind solche Klassenzimmer aus innenraumhygienischer Sicht nicht für den Unterricht geeignet."

Ersetzt die Mund-Nasen-Bedeckung das Lüften?

"Nein", sagt der Experte. Zwar verringert sich das direkte Infektionsrisiko durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, denn dadurch wird auch die Verbreitung der ausgeatmeten Aerosolpartikel verzögert, aber eben nicht komplett verhindert. "Allein das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist kein Ersatz für das Lüften in Unterrichtsräumen", erklärt Moriske.

5. Können mobile Luftreiniger in Klassenräumen helfen?

Mobile Luftreinigungsgeräte verwenden oft Hochleistungsschwebstofffilter (HEPA-Filter der Klassen H 13 oder H 14). "Verfahren mit Filtern reduzieren die Konzentrationen von Feinstaub und auch infektiösen Partikeln in der Luft. Einige dieser Geräte verwenden zusätzlich oder anstelle der Partikelfilter eine UV-Desinfektion, die Viren inaktivieren soll", erklärt der Hygieneexperte. Die Wirksamkeit von UV-C im mobilen Geräteeinsatz ist aber bislang oft nicht hinreichend belegt. Jedoch seien mobile Luftreinigungsgeräte nicht als Ersatz, sondern allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet. Zum Beispiel, wenn es nicht möglich ist, die Anzahl von Schülern und Schülerinnen in einer Klasse zu verkleinern oder wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann oder wenn keine einfachen Zu- und Abluftsysteme in Fenstern, die sich nicht ausreichend öffnen lassen, eingebaut werden können.

Vor dem Einsatz solcher Geräte sollte die Wirksamkeit für den Infektionsschutz überprüft werden. Folgende Fragen gilt es unter anderem zu klären: Wie hoch sind Luftdurchsatz und Abscheidegrad? Welche Vorgaben gibt es hinsichtlich Raumverhältnisse, Belegungsdichte, Belegungsdauer, Anordnung des Luftreinigers im Raum? "Eine Nutzung mobiler Luftreiniger ohne diese Prüfungen ist nicht sinnvoll", sagt Moriske. Mobile Luftreinigungsgeräte sind grundsätzlich nicht dafür ausgelegt, verbrauchte Raumluft abzuführen beziehungsweise Frischluft von außen heranzuführen und ersetzen daher das Lüften nicht.

Neben den Empfehlungen zum fachgerechten Lüften in Schulen, sollten selbstverständlich auch die AHA-Regeln entsprechend der jeweiligen Vorgaben konsequent angewendet werden. AHA steht für Abstand, Händehygiene und Alltagsmaske. Das L für Lüften ergänzt die Formel nun im Sinne des Infektionsschutzes. Faustformel: AHA+L

Lüften zuhause

Auch zuhause sollte regelmäßig und ausreichend gelüftet werden: Morgens und abends jeweils fünf bis zehn Minuten Stoßlüften, also in allen Räumen die Fenster weit öffnen.

An warmen Tagen verlängert sich die Lüftungszeit auf zehn bis 20 Minuten. Kommt Besuch, empfiehlt der Experte, mehrmaliges Stoßlüften. "Mindestens alle 20 Minuten und halten Sie trotzdem Abstand", sagt Dr. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt.


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