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Neue Leitlinie zu Corona-Maßnahmen an Schulen

Experten haben eine neue S3-Leitlinie herausgegeben, die Maßnahmen zur Vorbeugung und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen empfiehlt. Sie soll bei Schulöffnungen das Infektionsrisiko mindern

von Daniela Frank, 11.02.2021

Bisher gab es sehr unterschiedliche und teils wenig in Studien überprüfte Regelungen an Schulen zum Schutz vor SARS-CoV-2. Doch im November 2020 haben sich im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) verschiedene wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Lehrer-, Eltern- und Schülerverbände und weitere Experten zusammengetan, um wissenschaftlich fundierte Schutzmaßnahmen auszuarbeiten. Die Empfehlungen sind danach gestaffelt, wieviele Menschen sich aktuell mit dem Coronavirus anstecken.

Die seit dieser Woche als Kurzfassung verfügbare S3-Leitlinie zu "Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen" soll laut den Autoren "das Infektionsrisiko an Schulen mindern und einen möglichst sicheren, geregelten und kontinuierlichen Schulbetrieb in Pandemiezeiten ermöglichen".

Die Empfehlungen

  • Die üblichen Maßnahmen wie Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen und Lüften gelten auch an Schulen weiterhin.
  • Verringern der Schüler:innenzahl in den Klassenzimmern: Bei sogenanntem "mäßigem Infektionsgeschehen" in der Bevölkerung sollen in den Klassen oder Jahrgängen kleinere Gruppen gebildet werden, die sich nicht mischen. Wie ein mäßiges, hohes oder sehr hohes Infektionsgeschehen aussieht, richtet sich nach den aktuellen Informationen des Robert-Koch-Instituts. Bei hohen Ansteckungszahlen sollten die Jahrgänge oberhalb der Grundschulen zusätzlich in den Distanzunterricht wechseln und/oder die im Präsenzunterricht verbleibenden Klassen halbiert werden. Bei sehr hohem Infektionsgeschehen sollen beide der zuletzt genannten Maßnahmen zusätzlich umgesetzt werden.
  • Tragen von Masken in Schulen: Schüler:innen, Lehrer:innen und weiteres Schulpersonal sollen Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, bei hohen Ansteckungszahlen in der Bevölkerung soll an den Schulen ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ausnahmen von der Maskenpflicht können für Grundschüler:innen erwogen werden, wenn das Infektionsgeschehen regional und überregional vom Robert-Koch-Institut als "mäßig" eingestuft wird. Im Freien müssen keine Masken getragen werden, wenn Abstand gehalten wird und die üblichen Hygieneregeln beachtet werden.
  • Infektionsschutz auf Schulwegen: Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und in Schulbussen sollen Masken getragen werden – ab einem hohen Infektionsgeschehen ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz. Außerdem soll die Anzahl von Personen im ÖPNV verringert werden – zum Beispiel durch Wechselunterricht, nach Jahrgängen gestaffelte Öffnung, versetzten Unterrichtsstart oder durch mehr oder häufiger verkehrende Züge oder Busse.
  • Musikunterricht: Musikunterricht sollte stattfinden – in Innenräumen allerdings ohne Aktivitäten wie Singen oder dem Spielen von Blasinstrumenten, bei denen viele Aerosole ausgestoßen werden, die das Ansteckungsrisiko erhöhen, und unter Einhaltung der Standard-Maßnahmen mit Abstand, Hygiene, Masken und Lüften. Singen oder das Spielen von Blasinstrumenten soll draußen unter Einhaltung eines Abstands von mindestens zwei Metern in alle Richtungen oder in Innenräumen als Einzelunterricht mit einem ausreichenden Hygienekonzept durchgeführt werden.
  • Sportunterricht: Sportunterricht in Schulen sollte auch unter Pandemiebedingungen stattfinden – allerdings am besten im Freien und in kleinen und immer gleichen Gruppen, aber ohne Maske. Sportunterricht in Innenräumen soll nur unter Berücksichtigung der allgemeinen Regeln zu Abstand, Hygiene und Lüften durchgeführt werden.
  • Umgang mit Verdachtsfällen bei Schüler:innen: Bei Schüler:innen ohne bekannten Kontakt zu einer infizierten Person, die mindestens eines der folgenden Symptome aufweisen, besteht ein Verdacht für eine Infektion mit SARS-CoV-2 (solange nach ärztlichem Urteil keine andere Erklärung vorliegt):
    • Fieber über 38,0 °C, verschlechterter Allgemeinzustand
    • trockener Husten (mehr als gelegentlich und nicht durch eine Grunderkrankung erklärt) 
    • ausgeprägte Magen-Darm-Symptome wie anhaltende stärkere Bauchschmerzen mit oder ohne Durchfall und Erbrechen
    • Störung des Geruchs- und/oder des Geschmackssinns
    Schüler:innen mit Symptomen, die auf eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 hinweisen, sollen bis 48 Stunden nach Abklingen der Symptome nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Schüler:innen mit leichteren Krankheitszeichen sollen ebenfalls erst nach einer symptomfreien Phase von 48 Stunden wieder an Präsenzunterricht teilnehmen. Schüler:innen ohne Fieber mit laufender oder verstopfter Nase, gelegentlichem Husten, Halskratzen oder Räuspern sollten weiterhin regulär am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn ein Elternteil oder Betreuender keine beginnende akute Atemwegsinfektion vermutet.
  • Umgang mit Kontaktpersonen in Schulen:
    Kontaktpersonen der Kategorie I mit Kontakt außerhalb der Schule
    • Schüler:innen und Lehrer:innen, die nach einem Kontakt zu einem Infizierten außerhalb der Schule als Kontaktpersonen der Kategorie I gelten, sollen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.
    • Die Betroffenen sollen sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben, beginnend mit dem Tag, an dem der Kontakt zum Infizierten bestand.
    • Wenn keine Symptome auftreten, sollte angeboten werden, am zehnten Tag einen Test auf SARS-CoV-2 durchführen zu lassen und bei einem negativen Ergebnis die häusliche Quarantäne entsprechend auf zehn Tage zu verkürzen.
    Kontaktpersonen der Kategorie II mit Kontakt außerhalb der Schule
    • Schüler:innen und Lehrer:innen, die nach einem Kontakt zu einem Infizierten außerhalb der Schule als Kontaktpersonen der Kategorie II gelten, sollen weiterhin am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn sie keine Symptome haben.
    • Bei Entwicklung von Symptomen, die mit einer SARS-CoV-2 Infektion vereinbar sind, sollen Schüler:innen und Lehrer:innen nicht weiter am Präsenzunterricht teilnehmen. Zusätzlich sollten sie sich auf SARS-CoV-2 testen lassen.
    Vorgehen bei Risikokontakten innerhalb der Schule
    • Bei einem/einer SARS-CoV-2-infizierten Schüler:in oder Lehrer:in sollten Schüler:innen und Lehrer:innen in der Klasse als Kontaktpersonen der Kategorie II angesehen werden, wenn sie während des Unterrichts einen Mund-Nasen-Schutz oder eine Mund-Nase-Bedeckung korrekt getragen haben, alle anderen empfohlenen Standard-Maßnahmen inklusive korrekter Lüftung eingehalten und Abstandsregelungen während des Unterrichts für insgesamt nicht länger als 15 Minuten unterbrochen wurden. Direkte Sitznachbar:innen (davor, dahinter, rechts und links) sowie Lehrer:innen und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt mit der betroffenen Person standen, gelten aber grundsätzlich als Kontaktpersonen der Kategorie I. Es sollte unbedingt eine Rücksprache mit dem Gesundheitsamt erfolgen.
    • Wenn während der Schulzeit kein Mund-Nasen-Schutz oder keine Mund-Nasen-Bedeckung bzw. diese nicht korrekt getragen wurde, sollten alle Schüler:innen und Lehrer:innenin der Klasse als Kontaktpersonen der Kategorie I angesehen werden.
  • Lüften in Unterrichtsräumen: Es soll regelmäßig und ausreichend gelüftet werden. Korrektes Lüften erfolgt mittels Querlüftung bei weit geöffneten Fenstern alle 20 Minuten für 3-5 Minuten, im Sommer alle 10-20 Minuten, außerdem nach jeder Unterrichtsstunde über die gesamte Pausenzeit. Der Betrieb einer geeigneten Lüftungs- oder Raumlufttechnischen Anlage ist als gleichwertig anzusehen. Räume, in denen keine Lüftungsmöglichkeiten über Fenster vorhanden sind und auch keine geeignete Lüftungs- oder Raumlufttechnische Anlage zum Einsatz kommt, sollen nicht für den Unterricht genutzt werden.
  • Luftreinigung in Unterrichtsräumen: Der Einsatz mobiler Luftreiniger in Schulen kann als ergänzende Maßnahme erwogen werden, ersetzt aber keinesfalls das regelmäßige gründliche Lüften.

Folgende Fachgesellschaften und Organisationen tragen die Kurzfassung mit:

  • Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie, DGEpi
  • Deutsche Gesellschaft für Public Health, DGPH
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, DGKJ
  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, DGPI
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, DGSPJ
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, DGKJP 
  • Deutsche Akademie für Ethik in der Medizin, AEM
  • Deutsche Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin, GHUP
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, DGSMP
  • Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene
  • Gesellschaft für Virologie, GfV
  • Dt. Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, DGAUM
  • Robert Koch-Institut, RKI
  • Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, BVÖGD
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, BVKJ
  • Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
  • Gesundheitsamt Neukölln
  • Gesundheitsamt Reutlingen
  • Bundesschülerkonferenz, BSK
  • Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes, DKHW
  • Deutscher Kinderschutzbund, DKSB
  • Verband Bildung und Erziehung, VBE
  • Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschlands, ASD
  • Hauptpersonalrat für die staatlichen Lehrkräfte an Integrierten Gesamtschulen, Rheinland-Pfalz
  • Verband Sonderpädagogik, vds
  • Bundeselternrat
  • Landeselternrat Niedersachsen
  • Landeselternrat Sachsen
  • Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, DGfE

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