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Geöffnete Spielplätze: Was erlaubt ist und was nicht

Endlich wurden bundesweit die Spielplätze wieder freigegeben. Allerdings gelten Hygieneregeln, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gering zu halten. Doch können Kinder diese überhaupt einhalten?

von Stephanie Arndt, aktualisiert am 11.05.2020

Die rot-weißen Absperrbänder auf den Spielplätzen sind verschwunden, das Spielen ist wieder erlaubt. Dafür hängen jetzt überall Hinweisschilder mit strengen Regeln. Sie sollen helfen, das Risiko für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 im Rahmen zu halten. Das Robert-Koch-Institut spricht weiterhin von einem hohen Infektionsrisiko in Deutschland. Doch ob die Regeln für Kinder umsetzbar sind, erklären Kinder- und Jugendarzt und Infektiologe Prof. Dr. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) und Erziehungswissenschaftler Dr. Volker Mehringer von der Universität Augsburg.

1. Auf die Hygiene achten

Für den Spielplatz gelten im Grunde die gleichen Hygieneregeln, wie wir sie seit Beginn der Corona-Pandemie überall anwenden. Husten und Niesen in ein Papiertaschentuch – das anschließend sofort entsorgt wird – oder in die Armbeuge, nicht ins Gesicht fassen, zu Hause gründlich Hände waschen.

Prof. Dr. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, hält diese Hygienemaßnahmen zwar für wichtig und richtig, stellt dennoch ihre Umsetzbarkeit infrage. Gerade kleineren Kindern werde es schwerfallen, sich nicht ins Gesicht zu fassen, wenn es in der Nase kitzelt oder immer daran zu denken, in die Armbeuge zu niesen. "Dennoch möchte ich die Eltern beruhigen. Es deutet vieles darauf hin, dass Kinder sich grundsätzlich seltener mit Corona infizieren. Und wenn sie erkranken, ist der Krankheitsverlauf in der Regel eher leicht. Daher würde ich das Infektionsrisiko auf dem Spielplatz nicht überbewerten", sagt Hübner.

Er rät auch davon ab, dass die Kleinen auf dem Spielplatz eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen: "Ich sehe hier eine höhere Verletzungsgefahr, etwa wenn die Kleinen beim Klettern irgendwo hängen bleiben."

2. Abstand halten

Das Coronavirus SARS-CoV-2 zwingt uns, auf Abstand zu gehen – mindestens 1,50 Meter. Dies soll auch auf Spielplätzen eingehalten werden, doch Kleinkinder kennen keine Distanz, schon gar nicht beim Spielen. Hier sind die Eltern in der Verantwortung – allerdings mit Bedacht. Zumindest die Erwachsenen sollten voneinander Abstand halten.

"Eltern können auch versuchen, ein ruhiges Plätzchen im Sandkasten zu suchen. Vielleicht gelingt es, die Kinder an Spielgeräte zu lotsen, an denen gerade kein anderes Kind spielt. Es lässt sich auch darauf achten, dass Rutschen und Schaukeln möglichst nur einzeln hintereinander genutzt werden. Doch das Krippen- und Kindergartenkinder eigenständig den Abstand zueinander einhalten, können wir nicht erwarten", sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Es sei auch schwierig, die Kinder immer wieder zu ermahnen, sich nicht zu nah zu kommen.

"Ein Spielgeschehen ist zerbrechlich und verträgt nur bedingt Regulierung und Kontrolle von außen. Fordern Eltern ihre Kinder nun alle paar Minuten auf, Abstand zu halten, verlieren sie möglicherweise die Lust am Spiel", sagt Erziehungswissenschaftler Dr. Volker Mehringer von der Universität Augsburg. Diplom-Sozialpädagoge Ritzer-Sachs rät sogar davon ab, Kinder ständig zu ermahnen und zu warnen. "Die vielen Warnungen machen schon den Kleinsten Angst vor anderen. Das kann sich tief und langfristig verankern, auch wenn die Krise irgendwann vorbei sein sollte. Kinder brauchen dringend wieder Freiheit und Unbeschwertheit. Sie standen in den letzten Wochen durch die häusliche Isolation oft unter Dauerbeobachtung in einer reizarmen Umgebung."

3. Keine Gruppen bilden

Spielplätze waren immer auch gesellige Treffpunkte. Während die Kinder zusammen spielten, konnten die Eltern sich austauschen. Darauf soll vorerst verzichtet werden und Familien bleiben auch auf dem Spielplatz möglichst unter sich. "Hintergrund ist, mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, sollte sich jemand mit SARS-CoV-2 infizieren", erklärt Infektiologe Johannes Hübner.

Praktisch heißt das: Versuchen Sie Spieldates mit mehreren Freunden auf dem Spielplatz zu vermeiden. Die Kinder nehmen am besten immer eigene Spielsachen mit, etwa Schaufel und Sandförmchen. "Wenn Eltern aktiv mitspielen, können sie so zumindest für eine Weile dafür sorgen, dass kein Bedürfnis besteht, mit anderen Kindern zu spielen. Ein dauerhafter Ersatz für gleichaltrige Spielkameraden werden Mama und Papa dennoch nicht sein", sagt Erziehungswissenschaftler Mehringer. Er gibt auch zu bedenken: "Versinken die Kinder in ihrem Spiel, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit vergessen, dass sie zum Beispiel die Sandförmchen nicht miteinander tauschen sollen. Und für Kinder in der Autonomiephase, also um die drei Jahre, könnte das Regelbrechen besonders reizvoll sein, etwa um die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen", sagt Mehringer. "Darauf sollten Eltern möglichst spielerisch oder ablenkend reagieren, statt immer wieder zu ermahnen oder gar zu schimpfen", so der Erziehungsexperte.

4. Wenn es zu voll wird, nach Alternativen suchen

Nach wochenlanger Spielplatzsperre sind Sandkasten, Schaukel und Kletterturm nun wahrscheinlich umso begehrter und teilweise überlaufen. Hier sind die Eltern gefragt, nach Alternativen zu suchen, wenn ein Spielplatz schon gut besucht ist. "Die Natur ist ein großartiger Spielplatz. Auch in Wäldern oder Parks lässt es sich wunderbar spielen. Abstandsregeln können hier durch die Weitläufigkeit oft auch viel leichter eingehalten werden", sagt Mehringer.

Übervolle Spielplätze zu meiden, dürfte auch für Eltern viel entspannter sein. "Auf Spielplätzen werden jetzt, bedingt durch die vielen Regeln, die während der Pandemie einzuhalten sind, noch mehr als sonst unterschiedliche Erziehungshaltungen aufeinandertreffen. Es wird Eltern geben, die sich strikt an die Verordnungen halten und welche, die alles lockerer angehen. Das birgt Konfliktpotenzial. Wenn möglich, planen Sie den Spielplatzbesuch außerhalb der Stoßzeiten. Lässt sich das nicht einrichten, ist der Wald vielleicht doch die bessere Alternative", ergänzt Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs.


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