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Corona: Impfung für Schwangere und Stillende?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt derzeit keine Corona-Impfung für Schwangere und Stillende. Doch es gibt Ausnahmen. Wann eine Impfung möglich ist und was Frauen wissen sollten

von Nele Langosch, 01.03.2021

Die nationale Impfstrategie sieht vor, dass zunächst die Menschen geimpft werden, die das größte Risiko haben, sehr schwer an Covid-19 zu erkranken (Senioren, Personen mit bestimmten Grunderkrankungen) beziehungsweise die das Virus schnell verbreiten könnten (Personal in Seniorenheimen oder medizinisches Personal).

Schwangeren und stillenden Frauen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung derzeit nicht. "Der Grund ist, dass es noch keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung für diese Personengruppen gibt", erklärt Dr. Marianne Röbl-Mathieu, Gynäkologin aus München und Mitglied der STIKO. Schwangere und Stillende sind von den Zulassungsstudien aus ethischen Gründen ausgeschlossen, dieser Grundsatz gilt auch bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen. Einzelne Frauen wurden trotzdem geimpft, jedoch ohne von ihrer Schwangerschaft zu dem Zeitpunkt gewusst zu haben. "Bisher gibt es bei ihnen keine Hinweise auf Komplikationen oder nachteilige Auswirkungen", sagt Marianne Röbl-Mathieu. Tierexperimente mit den mRNA-Impfstoffen an trächtigen Ratten ließen ebenfalls nicht auf eine schädliche Wirkung schließen. Eine Studie mit einem Vektor-Impfstoff an trächtigen Mäusen läuft.

Impfung kann in Einzelfällen angeboten werden

Trotz der begrenzten Datenlage könne die Impfung laut STIKO Schwangeren in Einzelfällen angeboten werden, etwa wenn sie Vorerkrankungen haben und dadurch einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schwer an Covid-19 zu erkranken. Betroffene Frauen sollten den Nutzen und das Risiko einer Impfung zusammen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin abwägen. Ähnlich äußerten sich mehrere medizinische Fachgesellschaften in einer Stellungnahme.

"Auch unter Schwangeren gibt es, wenn auch selten, schwere Verläufe", erklärt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Sektionssprecher der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Chefarzt am St. Joseph Krankenhaus Berlin. Risikofaktoren sind Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus, starkes Übergewicht und ein Alter über 35 Jahre. "Arbeiten schwangere Frauen mit Risikofaktoren in einem Bereich mit hohem Ansteckungsrisiko, würden wir ihnen nach dem jetzigen Stand eher empfehlen, sich impfen zu lassen", sagt Michael Abou-Dakn. Alle anderen Schwangeren sollen durch Immunisierung ihrer engsten Kontaktpersonen geschützt werden: Das Robert Koch-Institut priorisiert diese derzeit in Stufe 3 des Impfplans.

Schwangere in Israel bevorzugt geimpft

Während sich Fachgesellschaften und Ministerien in Österreich, Großbritannien und den USA ähnlich äußerten, werden Schwangere in Israel bereits bevorzugt geimpft, nachdem mehrere schwangere Frauen mit Covid-19-Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert worden waren.

Die Impfung könnte auch dem Baby nützen: Bildet die Mutter Antikörper gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, kann sie sie offenbar über die Plazenta an das ungeborene Kind weitergeben, ergab eine Studie. 

Schwangere haben nach der Impfung wohl ähnliche Nebenwirkungen wie Nicht-Schwangere. Demnach schilderten sie vor allem Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Fieber. "Grundsätzlich sind solche Nebenwirkungen ein Zeichen dafür, dass die Impfung anspricht. Bekommt eine schwangere Frau hohes Fieber, machen wir uns jedoch eher Sorgen, als wenn eine Nicht-Schwangere fiebert", sagt Michael Abou-Dakn. In der Frühschwangerschaft könnte hohes Fieber das Risiko für eine Fehlgeburt des Kindes leicht erhöhen. Außerdem könnte Fieber in der weiteren Schwangerschaft Wehen auslösen.

Gelangt Impf-mRNA zum Kind?

Zwei zugelassene Covid-19-Impfstoffe nutzen zudem eine neue Wirkungsweise mit Boten-RNA. "Es ist nicht nachgewiesen, wie weit sich die Impf-mRNA im Körper ausbreitet, ob sie zum Beispiel über die Plazenta zum Kind gelangen kann. Dies ist jedoch unwahrscheinlich", erklärt Prof. Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. "Die Impf-mRNA wurde bisher nur in den Zellen rund um die Einstichstelle und in den nahegelegenen Lymphknoten nachgewiesen. Sie wird vom Körper sehr schnell abgebaut." 

Eine Alternative ist ein für die entsprechende Altersgruppe zugelassener Vektor-Impfstoff. "Vektor-Impfstoffe gegen andere Infektionskrankheiten wurden bereits in der Schwangerschaft zugelassen", erklärt Michael Abou-Dakn. "Wir gehen davon aus, dass letztlich auch der vektorbasierte Covid-19-Impfstoff bei Schwangeren eingesetzt werden kann." Ausreichende Erfahrungen für eine Empfehlung liegen aber auch hier noch nicht vor.

Auch Stillenden wird aufgrund der mangelnden Datenlage eine Impfung nicht generell empfohlen. Die STIKO hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt. Laut einer Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften überwiege bei Stillenden der Nutzen der Impfung. Etwa bei Frauen mit Vorerkrankungen, die dann ein deutlich geringeres Risiko hätte, schwer an Covid-19 zu erkranken. Außerdem minimiere die Impfung der Mutter das Risiko, dass der Säugling mit dem Coronavirus infiziert werden könnte. "Dieses als Nestschutz bezeichnete Phänomen ist gut belegt bei vielen anderen Erkrankungen. Wir kennen es zum Beispiel von der Impfung gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft, die auch die Kinder in den ersten Lebensmonaten schützt", sagt Ekkehard Schleußner. Erste Studien fanden zudem Antikörper in der Muttermilch, zumindest nach einer tatsächlichen Covid-19-Infektion. Ob auch der Impfstoff in die Muttermilch übergeht, ist den Herstellern zufolge bisher nicht bekannt.

Fehlende Informationen sollen nachgeliefert werden

"Die Hersteller haben sich mit der bedingten Zulassung der Impfstoffe verpflichtet, fehlende Informationen nachzuliefern, also auch zu der Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit", erklärt Marianne Röbl-Mathieu. Pfizer/BioNTech hat bereits eine entsprechende Studie gestartet. Zunächst sollen etwa 4000 gesunde, schwangere Frauen in den USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Chile, Mosambik, Südafrika, Großbritannien und Spanien geimpft werden. Daneben will das Paul-Ehrlich-Institut zusammen mit dem deutschen Schwangerschaftsregister klären, ob es bei Frauen, die ihre Schwangerschaft erst nach der Covid-19-Impfung entdeckten, zu medizinischen Problemen kam.


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