Schlafen, schlafen, schlafen. Immer und überall. Nur unterbrochen durch kurze Stillpausen. Sehr viel mehr machen Babys am Anfang doch sowieso nicht. Und die Eltern freuen sich über himmlische Ruhe – so stellen sich das jedenfalls viele vor der Geburt vor.
Die Realität: Gerade erst eingenickt, weckt einen bereits die nächste Hungerattacke des Nachwuchses. Was, das Kleine hat schon wieder Hunger? Nachts durchschlafen – wie fühlte sich das noch mal an? Kein Wunder, dass sich die Gespräche von frischgebackenen Eltern fast ausschließlich um das Schlummerverhalten der Kinder drehen. Dabei ist es ganz einfach: „Ausreichend Schlaf mit einem Neugeborenen gibt es nicht, Punktum“, sagt Ute Klöpper-Wenzel, Schlafberaterin in Großhansdorf bei Hamburg. Babys kommen nämlich mit einem Schlafverhalten auf die Welt, das sich deutlich von unserem unterscheidet: Sie schlafen zwar zwischen acht und 16 Stunden innerhalb von 24 Stunden, allerdings wechseln sich Wach- und Tiefschlafphasen in der Nacht bis zu siebenmal ab. Damit die Kleinen einen Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln, braucht es Reifungsprozesse. Die fast noch härtere Wahrheit, mit der sich Eltern daher konfrontiert sehen: Im ersten Lebensjahr wird es kaum störungsfreie Nächte geben.
„Geduld aufbringen, sich Zeit lassen und jegliche gut gemeinten Ratschläge von außen ignorieren“, lautet daher der wichtigste Tipp von Ute Klöpper-Wenzel. Oftmals nimmt schon die Erkenntnis, dass das Schlafverhalten des eigenen Kindes der Norm entspricht, viel Druck.
Übermüdeten Müttern rät sie, sich trotz Chaos im Haushalt tagsüber hinzulegen – wenn das Baby schläft oder der Papa oder die Großeltern sich um den Nachwuchs kümmern. „Sie sind deshalb keine schlechte Mutter“, betont die Expertin.
Auch wenn Babys den Tag-Nacht-Rhythmus von selbst lernen, können Eltern sie dabei unterstützen, indem sie nachts auf jegliche Aktivitäten verzichten und zum Stillen nur gedämpftes Licht einschalten. Der Schlafplatz sollte ruhig sein – im gesamten ersten Jahr befindet sich Babys Bett am besten im Elternschlafzimmer! Auch ein Abendritual mit immer gleichen Abläufen von Anfang an gewöhnt Babys daran, dass nun ein neuer Abschnitt beginnt. Noch etwas sollten sich Eltern bewusst machen: „Die Nacht ist ein Spiegel des Tages“, sagt Klöpper-Wenzel. Häufiger Tapetenwechsel, viel Besuch – das sind für Neugeborene Außenreize, die für zusätzliche nächtliche Unruhe sorgen.
Mit etwa drei, vier Wochen erleben viele Eltern eine weitere Herausforderung: Bevor ihr Nachwuchs abends einschläft, schreit er – manche Babys nur zehn Minuten, andere sogar Stunden. Auch das ist der Entwicklung geschuldet. „Babys werden nun wacher und aufmerksamer, die Gehirnaktivität steigt“, erklärt die Expertin. Ihr Trost: Die Phase ist begrenzt, nach dem dritten Monat ist sie in der Regel vorbei.
Sie geben Sicherheit: Wiederholt sich etwas täglich, gibt das Vertrauen und vermittelt Geborgenheit. Kinder können sich deshalb mit Ritualen gut entspannen.
Sie beginnen nicht erst im Bett: Schon die Zeit vor dem Schlafengehen sollte möglichst immer gleich ablaufen – zum Beispiel essen, Sandmännchen gucken, waschen.
Sie schenken Zeit: Das Einschlafritual gehört ganz dem Kind, das die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater genießen kann, ehe es sich für eine Nacht von ihnen trennen muss.
Sie schaffen eine ruhige Atmosphäre: Abendrituale sollen Kinder nicht aufregen oder wieder richtig wach machen. Beliebt sind Dinge wie Lesen, Kuscheln, Singen. Kissenschlachten oder ein aufreibendes TV-Programm eignen sich dagegen nicht.
Sie sind nicht nur Mamas Sache: Im Gegenteil. Viele Kinder sehen ihre Mutter tagsüber ohnehin mehr als den Vater. Umso schöner ist es, wenn Papa abends Zeit hat. Wechseln sich Eltern ab, müssen nicht beide dasselbe Ritual pflegen. Mit Papa wird gelesen, mit Mama gesungen.
Sie dürfen sich verändern: Kinder können bei der Gestaltung gerne ein Wörtchen mitreden. Ihre Bedürfnisse wechseln ja auch. Einige Monate steht Kuscheln an erster Stelle, dann werden lieber Schäfchen gezählt.
Sie erfreuen schon die Kleinsten: Auch Babys merken, wenn das Zubettbringen immer gleich abläuft – zum Beispiel immer dasselbe Lied gesungen wird oder aus der Spieluhr erklingt.
Sie brauchen ein Ende: Zum Beispiel einen Kuss auf die Stirn des Kindes oder ein letztes Zurechtrücken der Decke. Damit weiß der Nachwuchs: Ich muss jetzt schlafen. Dauern sollte ein Gute-Nacht-Ritual nicht länger als 20 Minuten.
Anne-Bärbel Köhle und Barbara Weichs / Baby und Familie;
30.09.2010, aktualisiert am 26.03.2013
Bildnachweis: Getty Images/Jade Brookbank, W&B/Privat
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