Vorhautverengung: Wann eine Behandlung nötig ist

Fast jeder Junge wird mit einer natürlichen Vorhautverengung geboren, die mit der Zeit von selbst verschwindet. Ab und zu ist der Gang zum Arzt jedoch notwendig

von Anja Kopf, aktualisiert am 11.12.2017
Baby fasst sich an den Fuß

Bei männlichen Babys ist die Vorhaut oft noch verklebt. Es gilt: Nicht zurückschieben!


Es ist eine Eigenheit, die bei neugeborenen Jungen oft vorkommt: Die Vorhaut am Penis umschließt komplett die Eichel und lässt sich nicht zurückschieben. Stattdessen steht sie wie ein kleiner Rüssel über. Ein Phänomen, für das es folgende Erklärung gibt: Zum einen sind Vorhaut und Eichel noch miteinander verklebt (Vorhautverklebung). Zum anderen ist die Vorhautöffnung dadurch noch sehr eng und passt nicht über die Eichel. Ärzte bezeichnen das als physiologische – also nicht krankhafte ­– Phimose. Vorhautverklebung und Phimose sind wohl nicht nur eine Laune der Natur, sondern haben auch eine Funktion: Sie schützen die Eichel vor Urin und Kot und tragen dazu bei, dass keine Keime in die Harnröhre gelangen. Denn gerade im Windelalter ist die Gefahr einer Infektion noch besonders hoch. Diese Schutzfunktion behält die Vorhaut – neben der sexuellen Funktion – auch im Mannesalter bei.

Dr. Karin Rothe

Im Normalfall löst sich die Verklebung der Vorhaut in den ersten Lebensjahren von ganz alleine. Auch die Vorhautverengung verschwindet. "Die physiologische Phimose ist keine Krankheit. Daher ist eine Behandlung nicht zwingend notwendig," sagt Professorin Karin Rothe, Direktorin an der Klinik für Kinderchirurgie der Charité. Man sollte Geduld haben, denn die Vorhautverengung kann bis in die Pubertät hin andauern. Dabei steht den Eltern in den ersten Lebensjahren auch der Kinderarzt zur Seite, der bei den Vorsorgeuntersuchungen prüft, ob sich in Sachen Vorhaut alles so entwickelt, wie es sein soll – was meist auch der Fall ist. So können etwa die Hälfte aller Jungen im Alter von sieben Jahren die Vorhaut weitgehend zurückstreifen, mit zehn Jahren sind es etwa zwei Drittel.

Phimose niemals mit Gewalt lösen

Dennoch sind einige Eltern schon früh verunsichert. "Viele unserer Patienten kommen bereits im ersten Lebensjahr zu uns. Dann stehen wir den Eltern beratend zur Seite, wie sie richtig mit einer Phimose und einer Vorhautverklebung umgehen" so Kinderchirurgin Rothe.

Auch Dr. Regina Stredele stellt fest, dass Aufklärungsarbeit oft helfen kann. Sie ist Oberärztin an der Kinderurologie in München-Großhadern. Denn viele Eltern sind überfordert und wissen nicht, ob, wann und wie sie die Vorhaut richtig zurückschieben sollen.

Prinzipiell ist der Junge selbst der einzige, der an seiner Vorhaut manipulieren sollte. Sobald das Kind selbst dazu in der Lage ist, sollten es Eltern an die Genitalhygiene heranführen. Das unterstützt nicht nur die Vorhautlösung, sondern vermeidet auch Infektionen. So reicht es aus, den Penis täglich mit Wasser und pH-neutraler Seife zu waschen und die Vorhaut soweit zurückzuschieben wie es leicht möglich ist. Dabei spielt laut Urologin Stredele auch der Vater eine wichtige Rolle: "Wir versuchen, den Papa als Vorbild vorzuschicken und ihn in die Hygiene mit einzubinden."

Falls Eltern das Kind unterstützen wollen, betont die Kinderurologin: "Niemals die Vorhaut mit Gewalt zurückziehen!" Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch die sensible Vorhaut verletzen.

Ihr Ratschlag: Wenn das Kind in der Badewanne sitzt und die Haut dadurch weicher ist, können die Eltern während der Genitalhygiene äußerst vorsichtig  mit dem Waschlappen probieren, ob sich die Vorhaut ein winziges Stück bewegen lässt. "Beobachten Sie Ihr Kind dabei genau, wie es reagiert. So erkennen Sie sofort den Punkt, ab dem es sich nicht mehr wohlfühlt oder es ihm weh tut", empfiehlt die Expertin.

Dr. Regina Stredele

Pathologische Phimose durch Vernarbung

Neben der physiologischen Phimose gibt es auch die pathologische Phimose. Sie kann sich entwickeln, wenn die Vorhaut gewaltsam zurückgezogen wurde und kleine Einrisse entstehen, die narbig abheilen und die Vorhautöffnung daher verengen. Oder eine Folge wiederkehrender Entzündungen unter der Vorhaut (Balanitiden) sein, insbesondere wenn in der Vorgeschichte eitrige Balanitiden aufgetreten sind.

In einigen der Fälle entsteht eine pathologische Phimose durch angeborene Krankheiten wie beispielsweise die chronisch-entzündliche Hautkrankheit Lichen sclerosus. Dabei vernarben Eichel und Vorhaut flächenhaft, sodass sich die Vorhaut nicht mehr bewegen lässt.

Auch eine physiologische Phimose kann zu einer behandlungsbedürftigen pathologischen Phimose werden, wenn sie sich weder verwächst noch durch eine konservative Therapie zurückbildet. Die Gründe hierfür sind unbekannt.

Die Symptome einer Phimose

Eine pathologische Phimose macht die Genitalhygiene schwer und führt deswegen oft langfristig zu Problemen. So können sich Urinreste unter der Vorhaut sammeln, Harnwegsinfekte oder Entzündungen der Eichel und der Vorhaut auslösen. Allerspätestens, wenn das Kind über Schmerzen klagt, sich die Vorhaut beim Urinieren aufbläht oder entzündet, muss der Arzt aufgesucht werden. Er klärt ab, ob tatsächlich eine Phimose vorliegt und ob diese behandelt werden muss. Bestehen keine Probleme, kann trotz Phimose abgewartet werden – bis zum Vorschulalter oder sogar darüber hinaus. Wenn eine Therapie nötig ist, gibt es verschiedene Methoden:

Von der Salbentherapie zur OP – die Behandlungsmöglichkeiten

"Wir empfehlen erst eine konservative Therapie. Das heißt, zunächst die Vorhaut vier bis sechs Wochen mit einer kortisonhaltigen Salbe zu behandeln, damit sie elastischer wird. Nach zwei Wochen können die Eltern immer wieder ganz vorsichtig versuchen, die Vorhaut zurückzuschieben", sagt Rothe. Es kann allerdings zu einem Rückfall kommen. Dann zieht sich die Haut wieder zusammen und ist nach einiger Zeit so eng wie noch vor der Behandlung.

Ist dies der Fall, bietet sich meist nur noch ein Operation an, um die Phimose zu behandeln. Auch bei einer narbigen Phimose oder einem Lichen sclerosus lässt sich ein operativer Eingriff kaum vermeiden. "Wir versuchen dann in Gesprächen mit den Eltern eine gemeinsame, für alle verträgliche Entscheidung zu finden", so die Kinderurologin Stredele. Wichtig sei es, alle bestehenden Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen, gründlich abzuwägen und gemeinsam zu entscheiden. Ziel sollte es sein, dass Ärzte die Eltern so gut beraten, dass diese eine für das Kind tragbare Entscheidung treffen. "Denn die Beschneidung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden."

Haben sich die Eltern für eine Operation entschieden, gibt es mehrere Möglichkeiten der Beschneidung. Die Empfehlung beider Expertinnen: Die Vorhautentfernung sollte immer komplett durchgeführt werden, um das Risiko von sexuell übertragbaren Infektionen im späteren Alter zu minimieren. Zudem besteht die Gefahr, dass sich der verbleibende Hautrest wieder verengt und eine erneute Phimose entsteht. Daneben gibt es die teilweise Beschneidung, die jedoch nicht in jedem Fall möglich ist. Dabei wird die Vorhaut nicht komplett, sondern nur teilweise entfernt oder eingeschnitten und die Öffnung erweitert.

In der Regel dauert es circa zwei Wochen, bis die Wunde komplett verheilt ist.  Bis dahin sollte sich der Junge schonen und keinen Sport machen. Allerdings darf er im Regelfall nach gut einer Woche wieder in den Kindergarten.

Zusammenfassung:

Eine Phimose bedeutet, dass die Vorhaut des Jungen nicht über die Eichel zurückgeschoben werden kann. Dabei muss zwischen der physiologischen und der krankhaften Phimose unterschieden werden. Die physiologische Phimose bildet sich meist bis zum Schuleintritt von alleine zurück.

Muss eine Phimose behandelt werden, stehen eine Therapie mit Kortisonsalbe und ein operativer Eingriff zur Wahl.


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